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Die Entwicklung von Orphan Drugs

Lange haben seltene Krankheiten von Medizinern und Therapie-Entwicklern wenig Aufmerksamkeit erhalten. Sie wurden deshalb auch „verwaiste Krankheiten“, Orphan Diseases, genannt. Medikamente gegen seltene Krankheiten erhielten dementsprechend die Bezeichnung Orphan Drugs. Es gibt viele Gründe, warum die Entwicklung von Orphan Drugs eine Herausforderung bleibt.

Nahaufnahme eines Forschers mit Kopf- und Mundschutz, der ein Teströhrchen hochhält und begutachtet.

Es ist eine dieser Revolutionen, die kaum ein Unbeteiligter mitbekommt. Die Spinale Muskelatrophie (SMA) ist eine Muskelerkrankung und – obwohl selten – die häufigste genetisch bedingte Todesursache bei Säuglingen. Der zugrundeliegende Gendefekt ist seit 20 Jahren bekannt. So lange hat es gedauert, ein erstes Medikament zu entwickeln. In Deutschland ist es seit 2017 zugelassen. Es ist noch keine Heilung – aber seitdem ist alles anders in der Behandlung der SMA: Unbehandelte Kinder mit einer schwer verlaufenden Form der SMA sterben in der Regel noch vor dem zweiten Lebensjahr. Wird das neue Medikament früh verabreicht, überleben solche Kinder nicht nur, sondern haben die Chance, dass die Krankheit einen deutlich milderen Verlauf nimmt. Weitere Medikamente sind in Entwicklung, sogar eine Heilung mittels Gentherapie wird versucht.

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Eine schwierige Aufgabe

Es gibt viele Gründe, warum die Entwicklung von Orphan Drugs eine Herausforderung bleibt. Arzneimittel zu entwickeln, ist meist nur möglich, wenn die Krankheitsprozesse im Körper molekülgenau aufgeklärt sind. Aber mangelnde Kenntnis über Entstehung und Verlauf ist sozusagen ein Markenzeichen einer seltenen Erkrankung. Deshalb steht vor der Entwicklung eines Orphan Drugs eine aufwendige Grundlagenforschung.

Ein neues Orphan Drug in klinischen Studien zu erproben, ist mit großem Aufwand verbunden: Es ist schwer, genügend Studienteilnehmer zu gewinnen: Es gibt nur wenige Patienten, und viele von ihnen wissen gar nicht, dass es die betreffende Krankheit ist, an der sie leiden.

Auch ethisch gesehen ist die klinische Entwicklung eines Orphan-Medikaments eine Herausforderung: Zunächst noch wenig gesichertes Wissen über die Krankheit und die in Erprobung befindliche Therapie kollidiert mit dem nachvollziehbaren Wunsch der Patienten nach schneller Verfügbarkeit einer zugelassenen Behandlung. Und viele der Patienten sind Kinder, die nicht oder nicht alleine entscheiden können. So kommen auf die Eltern schwere Entscheidungen zu: Wie verhält sich das Risiko durch ein neues Medikament in Erprobung gegenüber dem Risiko, dem ihr Kind unbehandelt ausgesetzt ist? Ist teilnehmen besser als nicht teilnehmen?

Lange Zeit waren die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen ein bedeutendes Hindernis, denn wenn aufwendige Forschung mit geringen Erfolgschancen auf geringes Umsatzpotenzial stößt, ist die Refinanzierung der Forschungs- und Entwicklungskosten nicht möglich. Die seit dem Jahr 2000 in der EU geltende Orphan Drug-Verordnung (EG-Verordnung 141/2000) hat diese Rahmenbedingungen deutlich verbessert. Auch wenn die Forschung weiterhin wirtschaftlich hochriskant ist: Seit Einführung dieser Regelung ist vieles in der Behandlung seltener Erkrankungen besser geworden.