Drucken
öffnen / schließen
Wenn Sie diese Felder durch einen Klick aktivieren, werden Informationen an Facebook, Twitter oder Google in die USA übertragen und unter Umständen auch dort gespeichert. Näheres erfahren Sie hier: https://www.heise.de/ct/artikel/2-Klicks-fuer-mehr-Datenschutz-1333879.html

Deutschland verliert bei klinischen Studien an Boden

Deutschland steht derzeit auf dem 5. Rang bei klinischen Arzneimittel-Studien von Pharma-Unternehmen. Das zeigt eine Auswertung des öffentlichen Studienregisters Clinicaltrials.gov durch den vfa. Die meisten der hierzulande durchgeführten Arzneimittelstudien betreffen Krebserkrankungen und Entzündungskrankheiten.

Krankheiten

Eine Auswertung der Studien (= klinischen Prüfungen) nach den damit adressierten Krankheiten zeigte für das Jahr 2019(1) folgendes Bild:

550 Studien betrafen die Therapie von 210 verschiedenen Krankheiten (14 mehr als im Jahr zuvor); das zeigt die enorme medizinische Bandbreite des Studiengeschehens. Am häufigsten ging es um die Erprobung neuer Behandlungen gegen Krebserkrankungen (150) oder Entzündungskrankheiten wie Asthma, Morbus Crohn, Colitis Ulcerosa, Psoriasis oder Multiple Sklerose (127). Darauf folgten mit einigem Abstand Studien zur Therapie von Stoffwechselkrankheiten (außer Diabetes Typ 2) (35) und Infektionskrankheiten (28). In 12 Studien (2018 waren es noch 26 Studien) wurden Behandlungsmöglichkeiten für Diabetes Typ 2 und Folgeerkrankungen erprobt.

Dass Deutschland an so vielen Studien zu Entzündungskrankheiten beteiligt ist, ist ungewöhnlich. Die ebenfalls studienstarken EU-Länder Frankreich und UK wirkten in der Vergangenheit nur an halb so vielen Studien mit, Spanien an einem Drittel weniger.

Verteilung der Studien auf die verschiedenen Phasen

Für die Phasen-Zugehörigkeit der industrie-iniitierten klinischen Studien mit deutscher Beteiligung ergibt sich für 2019 das folgende Bild:

Phase I: 20,0 %
Phase II: 32,3 %
Phase III: 43,1 %
Phase IV: 4,5 %

Dabei wurden Phase I/II-Studien unter Phase II, Phase II/III-Studien unter Phase III mitgezählt.

Deutsche medizinische Einrichtungen waren also vor allem an Phase-III-Studien mit bereits gut vorerprobten Medikamenten beteiligt.

Wert klinischer Studien für die medizinische Versorgung

Der Wert klinischer Studien besteht nicht nur darin, dass sie zur Entwicklung neuer Therapien beitragen. Für viele Teilnehmer:innen, denen die bisher verfügbaren Therapien nicht mehr helfen, bedeutet es eine Chance, im Rahmen einer Studie mit einem neuen Medikament behandelt zu werden. Alle auch für Teilnehmende, die der Vergleichsgruppe zugelost wurden, gilt, dass sie vor, während und nach der Studie in aller Regel umfassender untersucht und intensiver betreut werden, als das in der Routineversorgung möglich ist. Außerdem halten sich Kliniken und Praxen, die an Studien mitwirken, medizinisch auf dem aktuellen Stand, und das kommt den Patient:innen dort innerhalb und außerhalb der Studien zu Gute.

Die folgende Grafik zeigt die 30 deutschen Städte, in denen 2018 die meisten von Unternehmen veranlassten klinischen Studien durchgeführt wurden.

Die Grafik lässt sich auch als pdf herunterladen.

Die Zusammenarbeit von Pharma-Unternehmen und Ärzten ist essenziell

Möglich ist die Erprobung von Medikamenten in Studien nur, weil Unternehmen eng mit behandelnden Ärztinnen und Ärzte in medizinischen Einrichtungen zusammenarbeiten können; und weil einige von deren Patienten nach umfassender Aufklärung interessiert sind, an den Studien mitzuwirken. Die finanziellen Leistungen, die vfa-Unternehmen an Einrichtungen und Fachkräfte zahlen, die an ihren Studien mitwirken, gehen in die jährlichen Zahlungsveröffentlichungen gemäß Transparenzkodex ein.

Internationale Studienregister

Mehrere Register sind für die Recherche nach klinischen Studien interessant. Hier Informationen zu drei solchen Registern.

Clinicaltrials.gov ist ein öffentlich zugängliches Online-Register und eine Ergebnisdatenbank für medizinische Studien aus aller Welt. Es wird von den U.S. National Institutes of Health, also staatlich, betrieben. Hier werden sowohl Studien von Unternehmen wie auch von forschenden Ärzten und Krankenhäusern registriert und nach Beendigung der Studien um Ergebniszusammenfassungen ergänzt. Neben klinischen Studien enthält es auch andere Studienarten wie Anwendungsbeobachtungen und Registerstudien. Zudem sind hier auch Studien zu Diagnostika und medizintechnischen Geräten zu finden.

Clinicaltrialsregister.eu ist ein von der EU betriebenes öffentliches Online-Register, in das automatisch alle in der EU genehmigten klinischen Studien mit Arzneimitteln aufgenommen werden. Es wird von der europäischen Arzneimittelbehörde EMA (European Medicines Agency) betrieben. Es enthält auch Ergebniszusammenfassungen der seit Mai 2004 in der EU genehmigten klinischen Studien.

Ergebnisse von klinischen Studien, die seit August 2004 mit Beteiligung einer Arztpraxis oder Klinik in Deutschland durchgeführt wurden, finden sich in der öffentlichen Datenbank PharmNet.Bund, das im Auftrag der Bundesregierung vom Deutschen Institut für Medizinische Dokumentation und Information (DIMDI) in Zusammenarbeit mit den Arzneimittelbehörden BfArM (Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte) und PEI (Paul-Ehrlich-Institut) betrieben wird.

(1) Eine entsprechende Auswertung für 2020 liegt noch nicht vor.