Pharmaforscher aus Deutschland genießen internationales Ansehen, und immer wieder werden die Ergebnisse ihrer Arbeit auch prämiert. Jüngstes Beispiel ist die Verleihung des Deutschen Zukunftspreises 2015 durch Bundespräsident Joachim Gauck an die Forscher Ardeschir Ghofrani (Universität Gießen) sowie Reiner Frey und Johannes-Peter Stasch (Bayer Pharma) für ein neuartiges Medikament gegen zwei Formen von Lungenhochdruck am 03.12.2015 in Berlin.

Gewinner des Deutschen Zukunftspreises des Bundespräsidenten 2015 (vlnr): Ardeschir Ghofrani (Universität Gießen) sowie Johannes-Peter Stasch und Reiner Frey (Bayer Pharma). Sie entwickelten gemeinsam ein Medikament gegen Lungenhochdruck. (© Deutscher Zukunftspreis)


Der in Wuppertal erfundene Wirkstoff des Medikaments, Riociguat, wurde in Zusammenarbeit mit forschenden Ärzten der Universität Gießen zu einem Medikament gegen verschiedene Formen von Lungenhochdruck entwickelt. Bei diesen Patienten ist die Lunge geschädigt und das Herz durch erschwerte Pumparbeit stark belastet, was zu einem stark verminderten Leistungsvermögen führt; unbehandelt führt Lungenhochdruck zum Tod.

Das Gießener Team um Ghofrani hatte zuvor schon an der klinischen Entwicklung von Medikamenten gegen eine Form von Lungenhochdruck durch andere Firmen mitgewirkt; diese sind schon seit einiger Zeit zugelassen. Darunter sind auch solche, die zwei ursprünglich gegen Erektionsstörungen eingesetzte Wirkstoffe (Sildenafil, Tadalafil) für die Lungenhochdruck-Therapie anwendbar machten. Für die wissenschaftliche Grundlagenforschung hat Ardeschir Ghofrani 2004 den Paul-Martini-Preis erhalten.

Im Jahr 2009 hat schon mal ein Pharma-Team den Deutschen Zukunftspreis erhalten: Frank Misselwitz, Dagmar Kubitza und Elisabeth Perzborn (Bayer Pharma) erhielten ihn für die Entwicklung eines neuen Gerinnungshemmers, der unter anderem zur Schlaganfallprophylaxe eingesetzt wird. Auch damals kam der Wirkstoff, Rivaroxaban, aus Wuppertal.

Die Entwickler eines anderen Gerinnungshemmers aus Deutschland gehörten 2010 zu den Finalisten für den Deutschen Innovationspreis 2010, den die WirtschaftsWoche mit Accenture, EnBW und Evonik vergibt. Ihr Medikament enthält den Wirkstoff Dabigatran etexilat, der unter Leitung von Norbert Hauel bei Boehringer Ingelheim in Biberach erfunden wurde.

Mehrfach erhielten Medikamente aus deutschen Labors auch den nationalen Prix Galien de la recherche pharmaceutique als „best pharmaceutical agents“, eine der höchsten Auszeichnungen für neue Medikamente aus aller Welt. Dazu gehörte – 2013 in Deutschland und 2015 in Polen – das Brustkrebsmedikament mit dem Wirkstoff Pertuzumab, den Penzberger Forscher von Roche erfunden hatten. Der von Trion Pharma, München, entwickelte trifunktionale Antikörper Catumaxomab gegen bestimmte Krebserkrankungen im Bauchraum wurde damit 2010 in Deutschland und 2012 in den Niederlanden ausgezeichnet. Und ein Medikament gegen rheumatische Erkrankungen mit dem Antikörper-Wirkstoff Adalimumab erhielt ihn 2007 in den USA. Zu seiner Erfindung hatten Ludwigshafener Forscher der Firma Knoll (später Abbott, heute AbbVie) um Dr. Achim Müller maßgeblich beigetragen.


Arzneimittelinnovationen aus Deutschland

Die prämierten Medikamente sind Teil eines breiteren Stroms von Innovationen, die sich auf die Arbeit in deutschen Industrielabors zurückführen lassen. Bei einigen stammt von diesen der Wirkstoff, in anderen Fällen wurde die spezielle Darreichungsform hier entwickelt (beispielsweise ein transdermales Pflaster gegen Parkinson). Die Labors werden hier teils von Firmen mit deutschem, teils von solchen mit ausländischem Hauptsitz betrieben.

Die folgende Grafik zeigt Beispiele für solche Medikamente:

Die Grafik zeigt Medikamente, die seit dem Jahr 2000 zugelassen wurden. Eins der Medikamente (mit dem Wirkstoff Linagliptin) wird in Deutschland nicht vermarktet. Stand: 31.05.2015 (© vfa)


Ein pdf der Grafik lässt sich hier herunterladen.


Kommende Fortschritte der Medizin

Auch in Zukunft können deutsche Industrielabors wesentlich zum internationalen medizinischen Fortschritt beitragen: Allein bis 2019 könnten noch 21 weitere Medikamente die Zulassung erreichen, deren Wirkstoffe wesentlich in Industrielabors in Deutschland entdeckt wurden. Das ergibt sich aus einer Erhebung des vfa bei seinen Mitgliedsfirmen vom August 2015.

Mittelfristig dürften aus Deutschland vor allem neue Medikamente gegen Krebs, Diabetes, Entzündungs- und Herz-Kreislauf-Krankheiten kommen. Aber auch Antibiotika sowie Mittel gegen Demenz und verschiedene Frauenkrankheiten werden hierzulande entwickelt: