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Gegen die Virusinfektion Ebola, die derzeit in Westafrika viele Todesopfer fordert, gibt es noch keine zugelassenen Medikamente – weder Impfstoffe noch Mittel zur Behandlung. Aber an einer Reihe solcher Medikamente und Impfstoffe gegen Ebola wird schon seit einigen Jahren gearbeitet. Sie werden von Pharma- und Biotech-Unternehmen wie auch öffentlichen Forschungseinrichtungen entwickelt, in vielen Fällen mit finanzieller Unterstützung aus dem US-amerikanischen Verteidigungsetat. Mehrere Medikamente sind so weit entwickelt, dass sie mit Gesunden oder Kranken erprobt werden können. Eine der Studien mit Kranken musste allerdings schon nach wenigen Wochen wieder eingestellt werden, weil die Zahl von Patienten in der Studienregion stark absank.

Welche Projekte es gibt, zeigen die folgenden Tabellen:


Projekte für Medikamente zur Behandlung von Ebola
experimentelles MedikamentUnternehmenPartnerPhase
FavipiravirToyama/MediVectorInserm, Medecins Sans FrontieresPhase II in Guinea (gegen Grippe in Japan schon zugelassen)
Brincidofovir (Breitband-Virustatikum)ChimerixWellcome Trust, Univ. OxfordErprobung in Phase II abgebrochen (siehe Mitteilung), da nicht genügend Teilnehmer rekrutierbar (Entwicklung gegen CMV- und Adenovirus-Infektionen wird fortgeführt)
TKM-Ebola-GuineaTekmiraNIAID; NIH; USARMIIDPhase II
AVI-7537 (synthetisches Oligonucleotid)Sarepta TherapeuticsBD-TxPhase I
ZMapp (Mix von drei monoklonalen Antikörpern)Mapp BiopharmaceuticalNIH; USAMRIID; DARPA; DTRA; Icon Genetics (Halle, Deutschland) und Kentucky BioProcessing (USA); Amgen und Bill & Melinda Gates Foundation (für anderes Produktionsverfahren)Phase I/II
BCX-4430BioCryst PharmaceuticalsNIAID; NIH; US Department of Health and Human Services' Biomedical Advanced Research and Development Authority u.a.Phase I
Anti-Ebola F(ab')2 (EMER-IT) (polyklonale Antikörper vom Pferd)Fab’entechpräklinische Phase
BCX-4430BioCryst PharmaceuticalsNIAID; NIH; US Department of Health and Human Services' Biomedical Advanced Research and Development Authority u.a.Phase I
rOAS (rekombinantes Enzym)KinetaNIAIDpräklinische Phase
Defilovir (Gentherapie)DefyrusCRTIpräklinische Phase
MMCatLMC (Virustatikum)Mariam Medicalpräklinische Phase (Phase I geplant)
OS-2966 (monoklonaler Antikörper)OncoSynergy / CMC Biologicspräklinische Phase
GBV-006 (Kombination zweier nicht genannter, zugelassener Wirkstoffe)GlobavirStanford Universitypräklinische Phase
Interferon alfa-N3 (aus Leukozyten)Hemispherx BiopharmaUSAMRIIDpräklinische Phase (zur Warzenbehandlung schon zugelassen)
Rintatolimod (doppelsträngige RNA als Agonist des Toll-like Rezeptors 3)Hemispherx BiopharmaUSAMRIIDpräklinische Phase
Ranpirnase (eine RNase)TamirBiopräklinische Phase (gegen Papillomviren schon in Phase I)
JK-05Sihuan PharmaceuticalAMMSpräklinische Phase
anti-Ebola-D-PeptideNavigenpräklinische Phase (Leitstrukturoptimierung)
3 Wirkstoffe, die das Immunsystem adressierenTakedapräklinische Phase (gegen Entzündungskrankheiten schon in klinischer Entwicklung)
Polyklonale Antikörper aus Pferdeserum + -Vaxfectin-AdjuvansVical und AnGes MGNIAIDpräklinische Phase
Neue WirkstoffeNovartisNIAIDWirkstofferfindung


Stand: 19.04.2015 Quellen: PharmaProjects Database, IFPMA, Pressemitteilungen der Hersteller, Recherchen des vfa; alle Angaben ohne Gewähr

AMMS: Chinese Research Academy of Military Medical Sciences
BD-Tx: Joint Product Management Office of BioDefense Therapeutics
CRTI: Chemical, Biological, Radiological, Nuclear Research and Technology Initiative (Kanada)
DARPA: US Defense Advanced Research Projects Agency
DTRA: US Defense Threat Reduction Agency
FDA: Food and Drug Administration = US-amerikanische Arzneimittelbehörde
NIAID: National Institute of Allergy and Infectious Diseases (USA)
NIH: National Institutes of Health (USA)
USAMRIID: US Army Medical Research Institute for Infectious Diseases


Wie einige der Ebola-Medikamente wirken, beschreibt ein anderer Artikel.


Projekte für Impfstoffe gegen Ebola
ChAd3-ZEBOV (Impfstoff auf Basis von Adenoviren, wirkt auf T-Zellen)GlaxoSmithKlineNIHPhase III in Liberia (parallel dazu auch Phase-II-Studie)
rVSV-EBOVNewLink Genetics und MSDPublic Health Agency of Canada; DTRAPhase III (drei Studien) in Liberia (in gleicher Studie wie cAd3-EBO Z), in Guinea und in Sierra Leone
Ad26-EBOV (Impfstoff auf Adenovirus-Basis) + MVA-EBOV(rekombinanter Impfstoff)1Janssen (Crucell) + Bavarian NordicNIAIDPhase I, u.a. in Ghana, Tansania, Uganda und Kenia
Ad5-Ebov (rekombinanter Impfstoff auf Basis von Adenoviren)Tianjin CanSino BiotechnologyBioengineering Institute der cheinesischen Academy of Military Medical Sciences (AMMS)Phase I in China
EBOV GP (Impfstoff mit gentechnisch hergestelltem Glykoprotein)NovavaxPhase I in Australien
VesiculoVax (trivalenter Impfstoff auf Basis des Vesicular Stomatitis-Virus)Profectus BioSciencesNIAIDpräklinische Phase
INO-4200 (DNA-Impfstoff) InovioDoD; DTRA; NIAIDpräklinische Phase
Adenovirus-basierter oraler ImpfstoffVaxartpräklinische Phase
ImpfstoffMemcinepräklinische Phase
Impfstoff mit NanopartikelnGreffexpräklinische Phase
Nanovircide-ImpfstoffNanoviricidesUSAMRIIDpräklinische Phase
Impfstoff auf Basis der alphavaccine replicon vector (ArV)-TechnologieAlphaVaxUSAMRIIDpräklinische Phase
FiloVLP-VaccineIntegrated BioTherapeutics, AgenusNIAID; AMRIIDpräklinische Phase
ImpfstoffImmunovaccinepräklinische Phase
GOVX-E301 und -E302 (gentechnische Impfstoffe mit einem Ebola-Glykoprotein in virus-like particles)GeoVaxpräklinische Phase
ImpfstoffProtein Sciencespräklinische Phase (noch nicht mit Affen erprobt)
gentechnischer NoBola-ImpfstoffPentamer Pharmaceuticalspräklinische Phase
ImpfstoffFIT Biotechpräklinische Phase
ITV-1Immunotech Laboratoriespräklinische Phase
ImpfstoffNovartis VaccinesUSAMRIIDImpfstoff-Erfindung

1 Impfstoffe werden um einige Wochen versetzt appliziert

Stand: 19.04.2015 Quellen: PharmaProjects Database, IFPMA, Pressemitteilungen der Unternehmen, Recherchen des vfa; alle Angaben ohne Gewähr


DoD: Department of Defense (USA)
DTRA: US Defense Threat Reduction Agency
NIAID: National Institute of Allergy and Infectious Diseases (USA)
NIH: National Institutes of Health (USA)
USAMRIID: US Army Medical Research Institute for Infectious Diseases


Das Programm Ebola+

Die Impfstoffentwicklung gegen Ebola wird durch ein Anfang November 2014 Förderprogramm im Rahmen der Innovative Medicines Initiative (IMI) unterstützt. IMI ist eine Public-Private Partnership der Europäischen Kommission und der europäischen Pharmaindustrie (vertreten durch den europäischen Pharmaverband EFPIA). Für das mit 280 Millionen Euro ausgestattete Förderprogramm namens Ebola+ konnten Anträge gestellt werden, die die Entwicklung, Herstellung, den Transport und die Lagerung von Ebola-Impfstoffen betreffen. Weitere IMI-Förderprogramme zu Ebola (zu Therapeutika und Diagnostika) sind in Vorbereitung.


Entwicklungsstadien

Viele therapeutische Ebola-Medikamente und Ebola-Impfstoffe befinden sich noch in der sogenannten präklinischen Phase der Entwicklung. Das bedeutet, dass an ihnen noch im Labor gearbeitet wird oder sie derzeit mit Zellkulturen und mit Tieren erprobt werden. Andere haben sich in diesen Tierversuchen bereits bewährt, so dass sie erstmals auch mit gesunden Freiwilligen erprobt werden können, in der sogenannten klinischen Phase I. In dieser Phase wird in mehreren Studien vor allem untersucht, ob der betreffende Impfstoff oder ein therapeutisches Medikament von den Studienteilnehmerinnen und -teilnehmern so gut vertragen wird, wie das vorher bei Tieren der Fall war, und wie man dosieren oder wie oft man impfen muss.

Zwei therapeutische Ebola-Medikamente haben sogar schon die nachfolgende Phase II der Erprobung mit Erkrankten erreicht. Eins davon (mit dem Wirkstoff Faviprivir) hat laut Presseberichten "ermutigende Resultate" (d.h. eine Halbierung der Mortalität) gezeigt; eine Fachpublikation dazu steht allerdings noch aus. Die Phase-II-Studie mit dem anderen Medikament (Brincidofovir) musste leider schon nach wenigen Wochen nach Beginn aus dem eigentlich erfreulichen Grund abgebrochen werden, dass angesichts der sinkenden Fallzahlen eine Rekrutierung von genügend Studienteilnehmern als nicht mehr realistisch eingeschätzt wird. Andere Studien laufen jedoch weiter. Grundsätzlich gilt: An Phase-II-Studien nehmen Patienten teil, die sich zur Mitwirkung bereit erklärt haben. Bei einer gewöhnlichen Phasse-II-Studie würden sie entweder das neue Medikament erhalten oder eine andere Behandlung, so dass hinterher direkt verglichen werden kann. Dieses Vorgehen erlaubt am besten, die beobachteten Wirkungen zu beurteilen. In den ersten Phase-II-Studien mit Ebolamedikamenten erhalten jedoch alle Studienteilnehmer das zu prüfende Medikament; die Ergebnisse werden dann mit den Behandlungserfolgen in der gleichen Einrichtung vor Studienbeginn bzw. mit Patienten, die nicht teilnehmen, verglichen.

Einen Sonderfall stellt eine im Februar 2015 begonnene Studie mit dem Medikament ZMapp dar: eine Phase I/II-Studie. Dieses Medikamente kam schon 2014 in individuellen Heilversuchen zum Einsatz, bis der vorhandene Wirkstoffvorrat aufgebraucht war. Die neue Studie wird mit Patienten durchgeführt; dabei wird die Behandlung mit ZMapp mit einer Behandlung ohne spezifisches Ebola-Medikament ("Standard of Care") verglichen. Es werden Phase-I-Daten ermittelt, zugleich wird aber auch die Wirksamkeit geprüft.

Phase-II-Studien mit Impfstoffen werden mit Gesunden durchgeführt werden. Dabei wird die Impfung mit einem Ebola-Impfstoff mit einer Placebo-Impfung oder mit der mit einem anderen Ebola-Impfstoff verglichen. Die Wirksamkeit der Impfung soll anhand der gemessenen Immunreaktion bei den Teilnehmern und möglichst auch anhand einer verminderten Ansteckungsrate ermittelt werden. Die Teilnehmer müssen wissen, dass die Teilnahme in der Studie ihnen keinen Schutz vor Ebola garantieren kann.

Bei einer normalen Arzneimittelentwicklung schließt sich noch eine Phase III an. In dieser werden die Ergebnisse, die in Phase II mit wenigen Teilnehmern gewonnen wurden, noch einmal mit vielen Teilnehmern überprüft (je nach Krankheit können das viele hunderte, tausende oder sogar mehrere zehntausend Teilnehmer sein). Auch wird dann ggf. ein optimiertes Anwendungsschema (Dosis, Anwendungshäufigkeit) verwendet. Es ist jedoch möglich, ein Medikament auch schon nach Abschluss der Phase II zuzulassen, wenn die Ergebnisse überzeugend sind und der Bedarf für dieses Medikament groß ist. Ob das geschieht, entscheiden jedoch allein die Arzneimittelbehörden und nicht die entwickelnden Pharma-Unternehmen und ihre Partner. Im Falle zweier Ebola-Impfstoffe finden derzeit Phase-III-Studien statt (siehe Tabelle), die allerdings direkt an Phase I angeschlossen wurden.


Entwicklungsdauer eines Ebola-Medikaments oder Impfstoffs

Angesichts der sich ausweitenden Epidemie wird allseits darauf gedrängt, die Erprobung der Ebola-Medikamente so schnell wie irgend möglich abzuschließen und die Medikamente allgemein verfügbar zu machen. Bei mehreren der fortgeschrittensten Projekte ist auch schon erkennbar, wie Firmen und Genehmigungsbehörden auf dieses Ziel hinarbeiten. Dass beispielsweise für einen Ebola-Impfstoff schon wenige Monate nach Beginn der Phase-I-Studien eine Phase II oder gar Phase III beginnt, ist ungewöhnlich und nur möglich durch intensivste Planung und Organisation in kurzer Zeit.

Dennoch lassen sich manche Entwicklungs- und Erprobungsschritte bei einem Medikament oder Impfstoff gegen Ebola nicht weiter verkürzen, und es wäre auch nicht gut, sie zu übergehen. So kann jede klinische Studie erst beginnen, nachdem sie sorgfältig konzipiert wurde und von Behörden wie Ethik-Kommissionen genehmigt und gutgeheißen wurde. Dazu gehört auch, dass Aufklärungsmaterial für alle erarbeitet wird, die sich für eine Studienteilnahme interessieren. Sie haben ein Recht darauf zu erfahren, was über das experimentelle Medikament bzw. den experimentellen Impfstoff bekannt ist und was noch nicht und welche Behandlungsalternativen es gibt; denn sie müssen auf dieser Grundlage eine informierte Entscheidung treffen können. Wichtig ist auch, intensiv auf Anzeichen möglicher Nebenwirkungen der Ebola-Medikamente zu achten. Denn niemandem wäre mit einem Impfstoff oder therapeutischen Medikament gedient, der/das zwar die Viren abwehrt, aber die Behandelten selbst in Gefahr bringt.


Behandlung mit Blut oder Blutserum von Menschen, die Ebola überlebt haben

Derzeit wird noch eine weitere Behandlungsmöglichkeit für Ebola-Infizierte erprobt, für die sich u. a. die Weltgesundheitsorganisation WHO stark gemacht hat: Die Behandlung mit Blut, Blutplasma oder daraus gewonnenen Antikörpern von Personen, die eine Ebola-Infektion überstanden haben. Blutplasma ist Blut, aus dem die Blutkörperchen entfernt wurden; darin befinden sich Antikörper, die der Körper selbst in Reaktion auf die Infektion gebildet haben.

Die Therapie mit Blutplasma beschreibt die WHO in einer Interim Guidance vom September 2014. Solch ein Vorgehen gegen Ebola ist plausibel, muss aber seine Wirksamkeit und Verträglichkeit ebenso erst zeigen wie die anderen Therapien in Entwicklung. Zudem dürfte geeignetes Spenderserum ein knappes Gut bleiben.


Weitere Informationen zu Aktivitäten forschender Pharma-Unternehmen gegen Ebola