Seit Beginn des 20. Jahrhunderts sorgten neue Impfstoffe und die ersten ursächlich wirkenden Medikamente, wie z.B. Chemotherapeutika und Antibiotika gegen Krankheitserreger, für Erfolge bei der Bekämpfung von Infektionskrankheiten.
Alle Antibiotika wie zum Beispiel das Penicillin bekämpfen krankheitserregende Bakterien, indem sie den Stoffwechsel der Bakterien stören. Die Bakterien werden vergiftet bzw. ihre Vermehrung wird gestoppt. Menschliche Zellen werden nicht angegriffen. Die Wirkungsweise der Antibiotika ist jedoch von Wirkstoffklasse zu Wirkstoffklasse sehr verschieden. Und im Laufe der Zeit wurden immer neue Wirkstoffklassen gefunden.
Syphilis - noch im 20. Jahrhundert Millionen von Opfern
Ein gutes Beispiel für die Entwicklung eines Antibiotika-Wirkstoffes ist der Kampf gegen die Syphilis. Seit der Neuzeit galt die Syphilis, die nach der Entdeckung Amerikas nach Europa eingeschleppt wurde, als eine der am meisten gefürchteten Infektionskrankheiten der Menschheit. Vergleichbar mit Aids verlief diese Geschlechtskrankheit chronisch und meist tödlich. Noch zu Anfang des 20. Jahrhunderts fielen weltweit Millionen Menschen dieser Krankheit zum Opfer. Dem Berliner Forscher Paul Ehrlich (1854 - 1915) gelang es als erstem, ein wirksames Mittel gegen die Syphilis zu finden.
Er nutzte dazu das Prinzip der selektiven Vergiftung bei Zellen. Ehrlich entdeckte, dass sich manche Zellen mit einem Farbstoff einfärben ließen, andere jedoch nicht. So zog Ehrlich aus seinen Versuchen den Schluss, dass diese Reaktion auch mit Arzneiwirkstoffen möglich sein könnte. Weitere Versuche zeigten, dass sich bestimmte Substanzen zwar an Bakterien, aber nicht an menschliches Gewebe anhefteten.
Von diesem Ergebnis ausgehend entwickelte Ehrlich einen Wirkstoff, der nur die Krankheitserreger, aber nicht die gesunden Zellen des menschlichen Organismus als Angriffspunkt suchte. Unter der Arbeitsbezeichnung "Verbindung 606" wurde diese Entdeckung Ehrlichs weiter vorangetrieben und war ein großer Schritt in die Richtung der modernen antibakteriellen Therapie. Im weiteren Verlauf der Forschung wurde der Wirkstoff in Ampullen an eine große Zahl von ausgewählten Ärzten versandt mit der Bitte, diesen Wirkstoff zu testen und Berichte über dessen Wirkung zu schreiben.
Dieses Mittel gegen Syphilis gilt damit nicht nur als das erste Medikament, das eine umfassende klinische Prüfung durchlaufen hat, sondern auch als eines der ersten Chemotherapeutika überhaupt. Dank der bisherigen intensiven Forschungsarbeit von Paul Ehrlich gelang es nun, ab 1910, innerhalb von fünf Jahren in Deutschland die Zahl der Neuerkrankungen um die Hälfte zu senken.
Längere Lebenserwartung dank wirksamer Arzneimittel
Die Bekämpfung der Syphilis und anderer hoch ansteckender Krankheiten, wie z.B. Tuberkulose, durch wirksame Arzneimittel wie Chemotherapeutika und Antibiotika führten zu einem Anstieg der Lebenserwartung und zur Verbesserung der Lebensqualität in den europäischen Industrieländern.
Erst seit Beginn des 20. Jahrhundert konnte man von echten Erfolgen in der Arzneimittelforschung sprechen, zunächst vor allem durch die Entwicklung von Medikamenten und Impfstoffen gegen Infektionskrankheiten.
Bis heute geht weltweit immer noch ein großer Teil aller Todesfälle auf Infektionskrankheiten zurück. Der Kampf gegen Infektionserreger und die Entwicklung neuer Medikamente werden auch deshalb immer weitergehen müssen, weil bekannte Infektionserreger immer wieder neue, gegen Impfungen resistente Formen bilden. Es tauchen aber auch neue, bisher unbekannte Erreger auf, wie z.B. Ebola oder SARS.