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Zur Diskussion um die Impfpflicht

Seit vielen Jahren gibt es in Deutschland keine gesetzliche Impfpflicht mehr, doch wird sie nun wieder diskutiert. Der vfa hält es für den besseren Weg, weiter auf Überzeugung und gut erreichbare Impfmöglichkeiten zu setzen statt auf Zwangsmaßnahmen.

Nahaufnahe einer Impfpass-Seite mit einem Eintrag zu Masern

Das Infektionsschutzgesetz sieht nur noch für besondere Fälle vor, dass Impfungen vorgeschrieben werden können; doch wird davon bislang kein Gebrauch gemacht. Allerdings verlangen einige Kindertagesstätten und Schulen Impfnachweise für die betreuten Kinder. Angesichts der großen Bedeutung von Impfungen für die Allgemeinheit wird jedoch immer wieder eine Impfpflicht für Deutschland gefordert, wie es sie in einigen anderen Ländern noch oder wieder gibt. In Deutschland sprach sich schon 2006 der Deutsche Ärztetag für eine Pflichtimpfung gegen Masern aus. Im Februar 2015 wurde sie erneut von Gesundheitspolitikern in die Diskussion gebracht und seither weiter diskutiert, beispielsweise bei der öffentlichen Anhörung "Nationale und internationale Impfstrategien" des Deutschen Ethikrats im Februar 2019. Aktuell wird von Bundes- und Landesministerien eine Impfpflicht gegen Masern erwogen, von Ärztepräsident Frank Ulrich Montgomery eine Pflicht für alle STIKO-empfohlenen Impfungen. Der Deutsche Ethikrat rät, sich an den tatsächlichen Defiziten zu orientieren und zuende zu denken, welche Konsequenzen eine Impfpflicht mit sich brächte.

Der vfa hält es für besser, weiter auf Überzeugung statt auf Zwangsmaßnahmen zu setzen. In diesem Sinne arbeitet auch die Plakatkampagne „Deutschland sucht den Impfpass“ der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZGA); und Entsprechendes steht auch im Präventionsgesetz von 2015.

Die bestehenden Impflücken können durch ein Maßnahmenbündel geschlossen werden. Sinnvolle Ansätze wären insbesondere:

  • ein politisches Bekenntnis zum Impfen und das Abstimmen eines „Nationalen Aktionsplans“ mit konkreten Impfzielen und Verantwortlichkeiten,
  • die Ausweitung der Aufklärungsaktivitäten der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA), des Robert Koch-Instituts (RKI) und anderer Institutionen,
  • der Ausbau von Erinnerungssystemen der Krankenkassen,
  • die Implementierung eines professionellen Impfmanagements bei allen Kinder-, Haus- und Frauenärzten, so dass das gesamte Praxisteam für Impffragen geschult ist und klare Abläufe für die Impfberatung und -dokumentation bestehen,
  • Einbeziehung des Impfens in die Qualitätsmanagement-Systeme der Arztpraxen,
  • Verankerung des Impfens als fester Bestandteil der ärztlichen Ausbildung,
  • Ausbau der Weiterbildung und finanzielle Anreize für niedergelassene Impfärzte, die im Patientenkontakt aktuelles Wissen vermitteln,
  • Stärkung des öffentlichen Gesundheitsdienstes, der u.a. Impfangebote für Jugendliche und junge Erwachsene da organisieren kann, wo sie sich ohnehin aufhalten,
  • Ausbau ergänzender Impfangebote durch Betriebsärzte, um auch Personen zu erreichen, die selten zum Arzt gehen.
  • Zusätzliche Impfangebote für Erwachsene durch geschulte Apotheker, um weitere Personengruppen zu erreichen.

Zur Erhöhung der Impfraten werden also mehr Koordination, Engagement und finanzielle Mittel benötigt. Diesen Weg sollte die Bundesregierung konsequent einschlagen.