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Zur Diskussion um die Impfpflicht

In der Bundesrepublik waren bis 1983 Pockenschutzimpfungen Pflicht, in der DDR bis 1980. Darüber hinaus waren in der DDR die einschlägigen Kinder- und Jugendschutzimpfungen verpflichtend. Heute gibt es in Deutschland keine gesetzliche Impfpflicht mehr. Auch der vfa hält es für besser, auf Überzeugung statt auf Zwangsmaßnahmen zu setzen.

Nahaufnahe einer Impfpass-Seite mit einem Eintrag zu Masern

Das Infektionsschutzgesetz sieht nur noch für besondere Fälle vor, dass Impfungen vorgeschrieben werden können; doch wird davon bislang kein Gebrauch gemacht. Allerdings verlangen einige Kindertagesstätten und Schulen Impfnachweise für die betreuten Kinder. Angesichts der großen Bedeutung von Impfungen für die Allgemeinheit wird jedoch immer wieder eine Impfpflicht für Deutschland gefordert, wie es sie in einigen anderen Ländern noch oder wieder gibt. In Deutschland sprach sich schon 2006 der Deutsche Ärztetag für eine Pflichtimpfung gegen Masern aus; und im Februar 2015 wurde sie erneut von Gesundheitspolitikern in die Diskussion gebracht. Seither war die Forderung an verschiedener Stelle immer mal wieder zu hören.

Der vfa hält es für besser, auf Überzeugung statt auf Zwangsmaßnahmen zu setzen. Auch das Bundesgesundheitsministerium und die zuständigen Landesministerien setzen konsequent auf Aufklärung und Appelle. In diesem Sinne arbeitet die Plakatkampagne „Deutschland sucht den Impfpass“ der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZGA); und Entsprechendes steht auch im Präventionsgesetz von 2015.

Die bestehenden Impflücken können durch ein Maßnahmenbündel geschlossen werden. Sinnvolle Ansätze wären insbesondere:

  • ein politisches Bekenntnis zum Impfen und das Abstimmen eines „Nationalen Aktionsplans“ mit konkreten Impfzielen und Verantwortlichkeiten,
  • die Ausweitung der Aufklärungsaktivitäten der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA), des Robert Koch-Instituts (RKI) und anderer Institutionen,
  • der Ausbau von Erinnerungssystemen der Krankenkassen,
  • die Implementierung eines professionellen Impfmanagements bei allen Kinder-, Haus- und Frauenärzten, so dass das gesamte Praxisteam für Impffragen geschult ist und klare Abläufe für die Impfberatung und -dokumentation bestehen,
  • Einbeziehung des Impfens in die Qualitätsmanagement-Systeme der Arztpraxen,
  • Verankerung des Impfens als fester Bestandteil der ärztlichen Ausbildung,
  • Ausbau der Weiterbildung und finanzielle Anreize für niedergelassene Impfärzte, die im Patientenkontakt aktuelles Wissen vermitteln,
  • Stärkung des öffentlichen Gesundheitsdienstes, der u.a. Impfangebote für Jugendliche und junge Erwachsene da organisieren kann, wo sie sich ohnehin aufhalten,
  • Ausbau ergänzender Impfangebote durch Betriebsärzte, um auch Personen zu erreichen, die selten zum Arzt gehen.

Zur Erhöhung der Impfraten werden also mehr Koordination, Engagement und finanzielle Mittel benötigt. Diesen Weg sollte die Bundesregierung konsequent einschlagen.