In der Bundesrepublik waren bis 1983 Pockenschutzimpfungen Pflicht, in der DDR bis 1980. Darüber hinaus waren in der DDR die einschlägigen Kinder- und Jugendschutzimpfungen verpflichtend. Heute gibt es in Deutschland keine gesetzliche Impfpflicht mehr. Das Infektionsschutzgesetz sieht nur noch für besondere Fälle vor, dass Impfungen vorgeschrieben werden können; doch wird davon bislang kein Gebrauch gemacht. Allerdings verlangen einige Kindertagesstätten und Schulen Impfnachweise für die betreuten Kinder. Angesichts der großen Bedeutung von Impfungen für die Allgemeinheit wird jedoch immer wieder eine Impfpflicht für Deutschland gefordert, wie es sie in einigen anderen Ländern auch heute noch gibt. So wurden im März 2008 zwei belgische Elternpaare zu Gefängnis und einer Geldstrafe verurteilt, weil sie ihre Kinder nicht gegen Polio impfen ließen. In Deutschland sprach sich schon 2006 der Deutsche Ärztetag für eine Pflichtimpfung gegen Masern aus; und im Februar 2015 wurde sie erneut von Gesundheitspolitikern in die Diskussion gebracht. Seither war die Forderung an verschiedener Stelle immer mal wieder zu hören.

Der vfa ist gegen eine Impfpflicht. Er hält es für besser, auf Überzeugung statt auf Zwangsmaßnahmen zu setzen. Auch das Bundesgesundheitsministerium und die zuständigen Landesministerien setzen konsequent auf Aufklärung und Appelle. In diesem Sinne arbeitet die Plakatkampagne „Deutschland sucht den Impfpass“ der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZGA); und Entsprechendes steht auch im Präventionsgesetz von 2015.


Entwicklung der Impfraten in den letzten Jahren

In Deutschland sind die Impfungen zwischen 2007 und 2010 um 25 Prozent zurückgegangen und stagnieren seither bei etwas unter 35 Millionen verordneten Impfdosen pro Jahr bei gesetzlich Krankenversicherten. Das WHO-Ziel einer Durchimpfungsrate von 95% bei Masern in Deutschland wird bislang verfehlt. Die Zahl der Grippeimpfungen im Bereich der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) ist zwischen 2009 und 2016 stetig gefallen, von 18,7 Millionen auf nur noch 12,2 Millionen Impfungen. Der jährliche Verbrauch an Impfstoffen gegen Pneumokokken (die u. a. Lungenentzündung hervorrufen können) erhöht sich bei der GKV in den letzten Jahren leicht und hat 2016 3,2 Millionen Impfdosen erreicht.

Seit 2011 angestiegen ist bei der GKV auch der Verbrauch von Impfdosen für die HPV-Impfungen gegen Gebärmutterhalskrebs: von rund 519.000 auf rund 800.000 Impfdosis-Einheiten. Das ist besonders bemerkenswert, weil in dieser Zeit das Impfschema von drei auf nur noch zwei erforderliche Impfungen umgestellt wurde, so dass mit den heute verordneten Impfdosen mehr Mädchen vollständig immunisiert werden können als früher.