Die Alterung der Bevölkerung in den Industrieländern, die steigende Weltbevölkerung sowie im Durchschnitt steigende Einkommen führen dazu, dass sich die Pharmazeutische Industrie konjunkturresistenter entwickelt als andere Wirtschaftszweige, wie etwa die Chemische Industrie und das Verarbeitende Gewerbe. Diese These wird mit Hilfe typischer Konjunkturindikatoren bestätigt.

Eine Branchenanalyse der Forschungsstelle Pharmastandort Deutschland beim Institut der deutschen Wirtschaft Köln kommt dabei unter anderem zu den folgenden Ergebnissen:

Außenhandel
Verladung von Medikamenten auf dem Flughafen Köln/Bonn (© Bayer Schering Pharma AG)
Der Auslandsumsatz des Verarbeitenden Gewerbes und der Chemischen Industrie bewegt sich mit dem allgemeinen Konjunkturverlauf: Die Wirtschaftskrise führte in den Jahren 2008 und 2009 in diesen Branchen zu einem deutlichen Einbruch der Auslandsumsatzzahlen. Dies gilt nicht für die Pharmaindustrie. Hier kann vielmehr von stabilisierenden Auslandsumsätzen in der Krise gesprochen werden.

Produktion
Seit 2004 präsentiert sich die Pharmazeutische Industrie als ein Wachstumsmotor, der auch mit dem Einsetzen der aktuellen Krise nicht an Fahrt verliert. Während die Pharma-Unternehmen ihre Produktion seit 2008 bis Mitte 2009 fast durchgängig aufrechterhalten konnten, zeigt sich in den Referenzbranchen ein anderes Bild: Deren Produktion geht nahezu gleichgerichtet mit dem allgemeinen Konjunkturverlauf zurück.

Auftragseingang
Der Auftragseingangsindex der Pharmazeutischen Industrie reagiert vergleichsweise ruhig auf die aktuelle Wirtschaftskrise. Diese Beobachtung lässt sich unter anderem auf den von konjunkturellen Entwicklungen unabhängigen medizinischen Bedarf zurückführen.

Investitionen
Dieser Indikator konnte sowohl inhaltlich, d.h. beschränkt auf die aktivierten Bruttozugänge an Sachanlagen, als auch zeitlich (1995 bis 2007) nur sehr eingeschränkt betrachtet werden. Es zeigt sich, dass die Investitionen in der Pharmabranche kontinuierlich steigen und dabei fast unabhängig von Konjunktureinbrüchen sind. In der Chemischen Industrie zeigt sich dagegen eine flachere Wachstumsdynamik bei einer gleichzeitig stärkeren Abhängigkeit von gesamtwirtschaftlichen Entwicklungen.

Beschäftigung
In der längerfristigen Betrachtung zeigt die Pharmaindustrie eine deutlich positivere Beschäftigungsentwicklung als etwa die Chemische Industrie oder das Verarbeitende Gewerbe. Am aktuellen Rand hat die Pharmazeutische Industrie allerdings mit deutlichen Beschäftigungsrückgängen zu kämpfen. Diese sind jedoch zumindest teilweise mit konjunkturunabhängigen Sondereinflüssen zu erklären. So ist etwa in den letzten zwei Jahren der arztbezogene Außendienst im Rahmen von Restrukturierungsmaßnahmen in Reaktion auf die Gesundheitsreform 2007 stark betroffen gewesen.


Die Pharmaindustrie setzt sich hinsichtlich ihrer konjunkturellen Entwicklung deutlich von den gewählten Referenzgruppen ab. Die Ergebnisse stehen jedoch unter dem Vorbehalt, dass die amtliche Statistik nicht nur konsistente Zeitreihen liefert; hierdurch wird die Interpretation der Daten erschwert.