• Pharma-Unternehmen haben 2016 die Behandlungsmöglichkeiten um 30 Medikamente mit neuem Wirkstoff erweitert.
  • Hinzu kommen Medikamente mit neuen Wirkstoffkombinationen und neuen Darreichungsformen, die die Behandlungsmöglichkeiten etwa für kleine Kinder verbessert haben.
  • Ein weiteres Medikament mit neuem Wirkstoff wurde zunächst eingeführt, aber wieder vom Markt genommen, nachdem ihm kein Zusatznutzen zuerkannt wurde.


Berlin (vfa). Die Behandlungsmöglichkeiten für viele Patienten mit unterschiedlichsten Krankheiten haben sich 2016 durch neue Medikamente weiter verbessert. Bis Ende 2016 wurde das Sortiment um 30 Medikamente mit neuem Wirkstoff erweitert (ohne Biosimilars).

Birgit Fischer, die Hauptgeschäftsführerin des Verbands der forschenden Pharma-Unternehmen, kommentierte: "2016 war erneut ein Jahr mit hohem Output der industriellen Pharmaforschung. Mit den neuen Medikamenten kann vielen Patienten besser geholfen werden. Damit diese Medikamente tatsächlich in der Versorgung ankommen, brauchen wir innovationsfreundliche Rahmenbedingungen."

Es hätte in der Bilanz sogar noch ein Medikament mehr sein können, doch ein Krebsmittel wurde schon nach einigen Monaten wieder vom Markt genommen - in Reaktion auf die frühe Nutzenbewertung des Gemeinsamen Bundesausschusses G-BA, in der ihm kein Zusatznutzen zuerkannt wurde.

Ein Drittel der Medikamente mit neuem Wirkstoff ist gegen verschiedene Krebserkrankungen gerichtet: Neun dienen der Therapie, eines zur Schutzimpfung gegen Gebärmutterhalskrebs und weitere urogenitale Tumorarten. Dazu Fischer: "Der hohe Anteil der Krebsmedikamente an den Neueinführungen ist insbesondere dem enormen Erkenntnisfortschritt über Ursachen und Prozesse von Krebserkrankungen zu verdanken, auf dem die Pharmaforscher der Unternehmen aufsetzen konnten. Auch für das kommende Jahr erwarten wir wieder viele neue Krebsmedikamente. Das ist auch gut so, weil Krebs die zweithäufigste Todesursache in Deutschland ist."

Unter den Neueinführungen sind auch zwei Antibiotika. "Das zeigt," so Fischer, "dass forschende Pharma-Unternehmen auf diesem Gebiet wieder stärker als in den 2000er-Jahren an Neuentwicklungen arbeiten. Doch wird noch ein weiterer Ausbau dieser Aktivität nötig sein, damit die Medizin der Resistenzbildung von Keimen voraus bleibt."

Viele Patienten mit den angeborenen Gerinnungsstörungen Hämophilie A oder B benötigen lebenslang alle paar Tage eine Infusion mit Gerinnungsfaktoren. In diesem Jahr kamen erstmals Medikamente mit Faktoren heraus, die länger im Blut verweilen und deshalb seltener verabreicht werden müssen als die bisherigen. Das bedeutet eine Entlastung für die Patienten. Auch auf diesem Gebiet ist im kommenden Jahr mit weiteren Neueinführungen zu rechnen.


Orphan Drugs


Von den genannten Medikamenten mit neuen Wirkstoffen waren zehn Orphan Drugs, also Medikamente gegen seltene Erkrankungen. Sie werden unter anderem gegen angeborene Stoffwechselstörungen, gegen seltene Krebsarten wie Neuroblastom und neurologische Probleme wie die Tag-Nacht-Rhythmusstörung bei Blinden eingesetzt. "An jeder dieser Krankheiten leiden in der EU weniger als einer von 2.000 Bürgern - an der Stoffwechselkrankheit erythropoetische Protoporphyrie beispielsweise EU-weit nur 10.000 Patienten. Das bestätigt einmal mehr den Wert der europäischen Orphan Drugs-Verordnung aus dem Jahr 2000, die dafür gesorgt hat, dass forschende Pharma-Unternehmen auch häufiger Patienten mit seltenen Krankheiten in ihren Entwicklungsprogrammen berücksichtigen."


Fortschritt durch neue Kombinationen und Darreichungsformen


Fortschritte für Patienten haben Pharma-Unternehmen auch mit Medikamenten erzielt, die bekannte Wirkstoffe in neuer Kombination oder neuer Darreichungsform verfügbar machen. So wurden für die Dauertherapie von HIV-Patienten neue Kombinationsmedikamente herausgebracht, die die Einnahme mehrerer Einzelmedikamente ersetzen. Ein Zytostatikum konnte durch Einarbeitung des Wirkstoffs in Liposomen für die Behandlung von Patienten mit Bauchspeicheldrüsenkrebs einsetzbar gemacht werden. Zwei weitere Medikamente sind nun auch in altersgerechten Darreichungsformen verfügbar, die bei Säuglingen und Kleinkindern eingesetzt werden können.

Grafiken und weitere Informationen

Grafiken und eine Tabelle aller Medikamente mit neuem Wirkstoff von 2016 finden sich unter: www.vfa.de/pm-bilanz2016

Informationen zu Antibiotika: www.vfa.de/neue-antibiotika

Informationen zu Hepatitis-C-Medikamenten: www.vfa.de/hepatitis-c

Der vfa ist der Verband der forschenden Pharma-Unternehmen in Deutschland. Er vertritt die Interessen von 44 weltweit führenden Herstellern und ihren über 100 Tochter- und Schwesterfirmen in der Gesundheits-, Forschungs- und Wirtschaftspolitik. Die Mitglieder des vfa repräsentieren rund zwei Drittel des gesamten deutschen Arzneimittelmarktes und beschäftigen in Deutschland mehr als 76.000 Mitarbeiter. Mehr als 16.000 davon arbeiten in Forschung und Entwicklung. Folgen Sie uns auf Twitter: www.twitter.com/vfapharma