• Rund 2.000 Krebsmedikamente aus Labors von Pharma-Unternehmen sind weltweit in klinischer Erprobung. Sie sollen Patienten mit häufigen wie seltenen Krebsarten zu einer besseren Behandlung verhelfen.
  • Mit fast allen Krebsmedikamenten, die für die Patienten neu zur Verfügung stehen, konnten schon zuvor unter Beteiligung deutscher Kliniken und Arztpraxen Erfahrungen gewonnen werden.
  • 11 forschende Pharma-Unternehmen unterhalten in Deutschlands Labors für neue Krebsmedikamente.


Berlin (vfa). "Neue Medikamente, mit denen Krebspatienten besser behandelt werden können, haben für die forschende Pharmaindustrie weiterhin hohe Priorität. Denn Krebserkrankungen sind hierzulande die zweithäufigste Todesursache und in einigen anderen Ländern Europas sogar die häufigste." Das erklärte Birgit Fischer, die Hauptgeschäftsführerin des Verbands der forschenden Pharma-Unternehmen (vfa), heute in Berlin mit Blick auf den Weltkrebstag am 4. Februar. Fast 2.000 Medikamente befinden sich derzeit weltweit in der Erprobung in Studien - viele davon erstmalig, andere erneut, um sie auch für weitere Krebsarten einsetzbar zu machen (Quelle: PharmaProjects Database). "Mit der Entwicklung neuer Medikamente kann die Pharmabranche einen Beitrag dazu leisten, Betroffenen Hoffnung zu geben und andere vor Krebserkrankungen zu bewahren."

"In den letzten Jahren konnten Patienten zum Teil schon erhebliche Fortschritte in der Behandlung ihrer Krankheit erfahren, etwa solche mit Melanom, Brust- und Prostatakrebs oder bestimmten Leukämien und Lymphomen", so Fischer weiter. Immer mehr Menschen überleben ihre Krebserkrankung, und zwei Drittel von ihnen kehren wieder ins Arbeitsleben zurück.

2016 wurde das Arsenal der Mittel gegen Krebs in Deutschland um zehn neue Medikamente erweitert (ein elftes wurde nach kurzer Zeit aus wirtschaftlichen Gründen wieder vom Markt genommen). Dazu kamen vier neue Darreichungsformen und neun Zulassungserweiterungen für weitere Krebsmedikamente. Und die Therapiemöglichkeiten könnten schon bald weiter ausgedehnt werden: Für 27 Medikamente haben Unternehmen bei der europäischen Arzneimittelagentur EMA die Zulassung beantragt, und vier sind schon zugelassen, werden nur noch nicht vermarktet.


Gegen häufige und gegen seltene Krebsarten


Die Unternehmen richten ihre Entwicklungsarbeit sowohl gegen häufige Krebsformen (wie Brust- oder Prostatakrebs) als auch gegen seltene Krebsarten (wie akute myeloische Leukämie oder Gliom) aus. Zu den in den letzten Jahren viel genannten Immunonkologika - also Medikamenten, die das Immunsystem in den Kampf gegen den Tumor einbeziehen - zählen rund 13 % der Arzneimittel in Entwicklung; die übrigen wirken auf andere Weise.

Die hohe Zahl von Projekten ist medizinisch sinnvoll, weil hinter dem Sammelbegriff "Krebs" mindestens 200 verschiedene Krankheiten stehen, die großenteils eine unterschiedliche Therapie erfordern. Und auch nominell gleiche Tumoren wie Brustkrebs oder Lungenkarzinom können auf unterschiedliche Medikamente ansprechen. Zudem hat es sich bewährt, für die Behandlung mehrere Medikamente mit unterschiedlichem Wirkprinzip zu kombinieren oder nacheinander einzusetzen, da Krebszellen schnell gegen ein bestimmtes Wirkprinzip resistent werden können.

Deutschlands Beitrag zu neuen Krebsmedikamenten

Viele Pharma- und Biotech-Unternehmen arbeiten auch in ihren deutschen Labors an neuen Krebsmedikamenten, darunter elf vfa-Mitglieder (siehe https://www.vfa.de/standortkarte/?fid=KR). Bei der Erprobung von Krebsmedikamenten in den letzten Studien vor der Zulassung wirken fast immer deutsche Kliniken und Arztpraxen mit. So haben Pharma-Unternehmen allein 2015 150 neue klinische Studien zur Krebstherapie begonnen, an denen auch deutsche medizinische Einrichtungen beteiligt waren.

Grundlagenforschung und industrielle Pharmaforschung

Die Grundlagenforschung hat in den letzten Jahrzehnten Enormes geleistet, um molekulare Angriffspunkte bei Krebserkrankungen aufzuklären. Doch es waren in der Regel Pharmaforscher, die die Wirkstoffe erfunden haben, die den Krebs tatsächlich über diese Angriffspunkte bekämpfen - und die sie so optimiert haben, dass sie nicht dem übrigen Körper dabei schweren Schaden zufügen.

Bestmöglich kommt die Onkologie vor allem dadurch voran, dass Grundlagen- und angewandte Forschung gut zusammenarbeiten, so dass Grundlagen-Erkenntnisse schnell von der angewandten Forschung aufgegriffen und Erfahrungen aus der medizinischen Praxis rasch in die Grundlagenforschung zurückgespielt werden. Diese Zusammenarbeit wird durch staatliche Forschungsprogramme auf nationaler Ebene - wie das Deutsche Konsortium für Translationale Krebsforschung - und europäischer Ebene - wie im Rahmen der Innovative Medicines Initiative - befördert.

Weitere Informationen:
www.vfa.de/neue-krebs-medikamente.html


Der vfa ist der Verband der forschenden Pharma-Unternehmen in Deutschland. Er vertritt die Interessen von 43 weltweit führenden Herstellern und ihren über 100 Tochter- und Schwesterfirmen in der Gesundheits-, Forschungs- und Wirtschaftspolitik. Die Mitglieder des vfa repräsentieren rund zwei Drittel des gesamten deutschen Arzneimittelmarktes und beschäftigen in Deutschland mehr als 76.000 Mitarbeiter. Mehr als 16.000 davon arbeiten in Forschung und Entwicklung. Folgen Sie uns auf Twitter: www.twitter.com/vfapharma