Mit dem Alter steigt das Risiko für eine Reihe von Krankheiten: Bluthochdruck, koronare Herzkrankheit, Schlaganfälle, Osteoporose, Prostatavergrößerung, Herzinsuffizienz u. a. Auch werden durch die nachlassende Immunabwehr einige Infektionskrankheiten für ältere Patienten gefährlicher, etwa Grippe oder Lungenentzündung. Für die Patienten ist es ein Segen, dass man diese Krankheiten inzwischen medikamentös behandeln oder ihnen vorbeugen kann. Andererseits muss aber eine medikamentöse Therapie bei älteren Patienten besonders sorgfältig geplant und überwacht werden, damit sie wirklich nutzt und nicht schadet. Dabei helfen Angaben der Hersteller in den Fachinformationen und Handreichungen wie die PRISCUS-Liste oder die FORTA-Klassifikation.

Viele ältere Patienten müssen täglich mehrere Medikamente einnehmen (© vfa)
Zwar wirken Medikamente bei Senioren nicht grundsätzlich anders als bei Patienten mittleren Alters. Ältere Patienten haben aber oft eine eingeschränkte Nieren- oder Leberfunktion, was bei vielen Präparaten bei der Dosierung berücksichtigt werden muss. Auch nehmen ältere Patienten oft mehrere Medikamente gleichzeitig ein, was zu Wechselwirkungen führen kann.

Pharmafirmen untersuchen das und nehmen die Ergebnisse in die ständig aktualisierte Fachinformation zum jeweiligen Medikament auf. Fachinformationen sind kurze Zusammenfassungen der für die Zulassung eingereichten Belege für die Sicherheit und Wirksamkeit eines Medikaments, die vom Hersteller in Abstimmung mit den Behörden für Ärzte und Apotheker verfasst werden. Die Fachinformation zu einem bestimmten Medikament können Ärzte und Apotheker beispielsweise unter www.fachinfo.de abrufen. Für EU-weit zugelassene Medikamente sind diese über die Suchfunktion unter www.emea.europa.eu/ema/ allgemein zugänglich.


Klinische Studien mit Senioren

Alle Medikamente müssen mit den Patientengruppen geprüft werden, die für eine Anwendung in Frage kommen. Bei einigen Medikamenten erfolgt dies in speziellen Studien mit Senioren. Einige Beispiele:

  • "Bruton's Tyrosine Kinase Inhibitor Ibrutinib as Maintenance Treatment in Elderly Patients With Primary CNS Lymphoma" (siehe www.clinicaltrials.gov, Identifier: NCT02623010)
  • „Saxagliptin Compared to Glimepiride in Elderly Type 2 Diabetes Patients, With Inadequate Glycemic Control on Metformin” (siehe www.clinicaltrials.gov, Identifier: NCT01006603)
  • „Treatment of Older Adults With Acute Lymphoblastic Leukemia“ (www.clinicalTrials.gov, Identifier: NCT00973752)
  • “Study to Evaluate GSK Biologicals' Herpes Zoster Vaccine GSK1437173A in Adults Aged >= 70 Years” (www.clinicalTrials.gov Identifier: NCT01165229)
  • „Treatment of Hypertension in Patients 80 Years of Age or Older“ (www.nejm.org/doi/full/10.1056/NEJMoa0801369)



Einige Medikamente wurden und werden sogar ausdrücklich für den Einsatz bei Senioren entwickelt, etwa wirkverstärkte Grippeimpfstoffe (um Schwächen des Immunsystems auszugleichen) oder Einweg-Insulinpens für Diabetiker (zur einfachen Handhabung).

Die Unternehmen kümmern sich also zunehmend um die besondere Situation von Senioren.


Polypharmazie

Die gleichzeitige Anwendung mehrerer Medikamente muss sorgfältig geplant werden, damit es nicht zu vermeidbaren Wechselwirkungen zwischen Präparaten kommt, die dazu führen, dass die Therapie nicht ausreichend wirkt oder schlecht vertragen wird. Mögliche Wechselwirkungen erkennen die Wissenschaftler des Herstellers häufig schon aufgrund der Wirkprinzipien und der Abbauprozesse für das jeweilige Medikament.

Zusätzlich werten Sie berichtete Fälle von Wechselwirkungen aus, die bei klinischen Studien, bei Anwendungsbeobachtungen und im therapeutischen Alltag aufgetreten sind. Die Pharmaunternehmen informieren über diese Wechselwirkungen in den Packungsbeilagen und den Fachinformationen (s. o.).

Treten in der Praxis bei Patienten Wechselwirkungen auf, so sind es so gut wie immer längst bekannte Wechselwirkungen; selten handelt es sich um in der Medizin noch unbekannte Effekte. Deshalb ist es sehr wichtig, dass Ärzte und Apotheker gut über das Risiko von Wechselwirkungen bei bestimmten Kombinationen unterrichtet sind.


Handreichungen für den Arzt

In den letzten Jahren haben mehrere Mediziner Handreichungen ausgearbeitet, die Ärzten speziell bei der Behandlung älterer Patienten bei der Vermeidung von Problemen mit Verträglichkeit der Medikation helfen sollen. Dazu gehören insbesondere die
PRISCUS-Liste sowie die FORTA-Klassifikation.

Beide Handreichungen sind dazu gemacht, dass ältere Patienten eine gute Behandlung erhalten und unnötige Risiken vermieden werden. Sie können beitragen, die Aufmerksamkeit von Ärzten, Apothekern und Pflegekräften für die besonderen Anforderungen bei vielen Senior-Patienten zu schärfen. Sie können diesen dabei helfen, sich auch in der oft unvermeidlichen Hektik des Praxisalltags genügend Zeit für die individuelle Medikamentenauswahl, für Dosisanpassungen und Patientenschulungen zu nehmen. Wir hoffen deshalb, dass diese Handreichungen im Gesundheitswesen noch weiter als heute schon bekannt und eingesetzt werden.