Drucken
öffnen / schließen
Wenn Sie diese Felder durch einen Klick aktivieren, werden Informationen an Facebook, Twitter oder Google in die USA übertragen und unter Umständen auch dort gespeichert. Näheres erfahren Sie hier: https://www.heise.de/ct/artikel/2-Klicks-fuer-mehr-Datenschutz-1333879.html

Berliner Forschungspreis für Alternativen zu Tierversuchen (2021) verliehen

Am 9. Dezember 2021 wurde Caroline Frädrich und Prof. Dr. Josef Köhrle (beide Charité Universitätsmedizin Berlin) sowie Dr. Kostja Renko (Bundesinstitut für Risikobewertung, Berlin) der Forschungspreis für Alternativen zu Tierversuchen des Landes Berlin verliehen. Die Forschenden hatten die Jury mit einer neuen tierfreien Methode überzeugt, mit der sich Substanzen erkennen lassen, die die Stoffwechselsteuerung durch Schilddrüsenhormone stören können. Der vfa sponsert den vom Berliner Landesamt für Gesundheit und Soziales (LAGeSo) initiierten Preis.

Verleihung des Forschungspreises für Alternativen zu Tierversuchen des Landes Berlin (v.l.n.r.): Caroline Frädrich (Charité Universitätsmedizin Berlin), Michael Thiel (Präsident des Landesamts für Gesundheit und Soziales), Dr. Kostja Renko (Bundesinstitut für Risikobewertung), Prof. Dr. Josef Köhrle (Charité Universitätsmedizin Berlin)

Mit der alle zwei Jahre vergebenen und mit 30.000 dotierten Auszeichnung werden Forschungsprojekte aus Berlin oder Brandenburg gefördert, die im Sinne der 3R-Prinzipien dazu beitragen, den Einsatz von Versuchstieren zu verringern oder bei Tierversuchen die Belastung für die Tiere herabzusetzen.

Der Preis fördere „die Vernetzung der Wissenschaft auf dem Weg, Verfahren mit lebenden Tieren für wissenschaftliche Zwecke möglichst vollständig zu ersetzen, wo immer dies methodisch möglich ist“, so LAGeSo-Präsident Michael Thiel bei der Preisübergabe. Prof. Dr. Michael Höcker, Geschäftsführer Forschung & Entwicklung des vfa, erkannte eindeutig Bedarf für neue tierfreie Methoden: „Pharma- und andere Unternehmen sind interessiert, immer mehr Substanz-Prüfungen auf Alternativmethoden umzustellen, wenn diese zuverlässig sind.“ Die Berliner Landesbeauftragte für den Tierschutz, Dr. Kathrin Herrmann, ordnete den Preis in einen weiteren Kontext ein: „Die Wissenschaftler:innen, die tierfreie Forschungsmethoden entwickeln und einsetzen, sollten wesentlich mehr Wertschätzung und Förderung für ihre Pionierarbeit erhalten.“

Das prämierte Projekt

Caroline Frädrich und Prof. Dr. Josef Köhrle sind im Institut für Experimentelle Endokrinologie der Charité Berlin tätig. Dr. Kostja Renko arbeitet in der Fachgruppe Bewertungsstrategien der Abteilung Experimentelle Toxikologie und ZEBET des Bundesinstituts für Risikobewertung. Sie forschen zu sogenannten endokrinen Disruptoren – d.h. Chemikalien, die unbeabsichtigt die hormonelle Steuerung im menschlichen Körper oder bei Tieren stören, beispielsweise die Stoffwechselregulation durch Schilddrüsenhormone. Das körpereigene Enzym DIO2 spielt dabei ein wichtige Rolle, denn es stellt das Schilddrüsenhormon T3 her. Es ist außerdem für die Gehirnentwicklung entscheidend. Eine Beeinträchtigung der Enzymaktivität durch endokrine Disruptoren – beispielsweise Medikamenten-Inhaltsstoffe oder Nahrungsbestandteile – kann deshalb fatale Konsequenzen haben.

Den heute Prämierten ist es gelungen, erstmalig eine Methode zu entwickeln, die in kurzer Zeit tausende von Substanzen weitgehend automatisch darauf testen kann, ob sie die Aktivität von DIO2 stören – und das, ohne dass dafür Tiere oder radioaktive Substanzen gebraucht würden.

Bisher gibt es nur wenige Testverfahren ohne Tierversuche, um die Auswirkungen von gesundheits- und umweltschädlichen Chemikalien und Arzneimittelkandidaten auf das Schilddrüsenhormonsystem zu untersuchen. Das macht die neue Methode, die sich durch Robustheit, hoher Aussagekraft und hohen Durchsatz auszeichnet, zu einem wertvollen Instrument für die Fahnung nach endokrinen Disruptoren.

Pharma-Unternehmen und Tierversuche

Mehr zu Tierversuchen und Alternativen bei den forschenden Pharma-Unternehmen findet sich im Dossier „Tierversuche und Tierschutz in der Pharmaindustrie“.

Die Mitgliedsunternehmen des vfa seien bestrebt, Jahr für Jahr mit weniger Tieren auszukommen, so Throm. Sie arbeiteten daher auch selbst an Alternativen zu Tierversuchen. Zudem unterstützten sie wie der vfa die Entwicklung neuer tiersparender Methoden an Universitäten, Forschungs- und Fortbildungseinrichtungen. Der vfa engagiere sich beispielsweise bei der „Stiftung zur Förderung der Erforschung von Ersatz- und Ergänzungsmethoden zur Einschränkung von Tierversuchen“.