Perspektive 2019

Neue Medikamente in Sicht

Viele Patienten und Ärzte hoffen auf bessere Behandlungsmöglichkeiten. Fernreisende hoffen darauf, dass man sich vor bestimmten Infektionskrankheiten endlich schützen kann. Die Chancen dafür sind gut: Bis Ende 2019 können gegen mehr als 120 Krankheiten neue Medikamente herauskommen, etwa gegen verschiedene Krebsarten und Entzündungs-, Infektions- und Herz-Kreislauf-Krankheiten. Unter diesen sind auch eine Reihe von Impfstoffen. Das zeigt eine Erhebung des vfa, des Verbands der forschenden Pharma-Unternehmen, bei seinen Mitgliedsunternehmen vom August 2015.

Im Rahmen dieser Erhebung berichteten die vfa-Unternehmen von 328 Arzneimittel-Projekten, die bis Ende 2019 zu einer in Deutschland gültigen oder Zulassungserweiterung führen können (oder zu einer Zulassung in einem Schwellen- oder Entwicklungsland, wenn die Krankheit vor allem dort vorkommt):

  • In 67 % dieser Projekte wird ein Medikament mit neuem (d. h. noch nicht zugelassenem) Wirkstoff entwickelt.
  • In 15 % der Projekte wird für einen schon zugelassenen Wirkstoff eine neue Darreichungsform entwickelt. Das kann beispielsweise ein Nasenspray statt einer Tablette sein oder eine Tablette, die zwei Wirkstoffe kombiniert.
  • Bei 18 % der Projekte wird ein bereits zugelassenes Medikament darauf geprüft, ob es gegen eine weitere Krankheit eingesetzt werden kann.

Alle diese Projekte durchlaufen derzeit die Erprobung mit Patienten (die sogenannten Phasen II oder III der klinischen Entwicklung) oder das Zulassungsverfahren für Deutschland bzw. Europa.

In den kommenden vier Jahren könnte das Sortiment deutscher Apotheken um viele neue Medikamente erweitert werden.

In den Projekten wird mit 251 verschiedenen Wirkstoffen oder Wirkstoffkombinationen gearbeitet; 178 Wirkstoffe sind neu, waren also bisher noch nie Bestandteil eines zugelassenen Medikaments. Die Zahl der Projekte übertrifft die der Wirkstoffe, weil Unternehmen Wirkstoffe oft gleichzeitig gegen mehrere Krankheiten erproben.

Deutsche Kliniken und Praxen

An den klinischen Studien für 83 % der genannten Projekte waren oder sind deutsche Kliniken oder Arztpraxen beteiligt. Nur wenige Projekte werden entweder vollständig außerhalb Deutschlands durchgeführt, oder über die Teilnahme deutscher Kliniken wurde noch nicht entschieden. Auch in den nächsten Jahren wird es also nur wenige Medikamente geben, an deren Entwicklung keine deutschen Ärzte und Patienten beteiligt waren. Das zeigt, dass die forschenden Pharma-Unternehmen Deutschland als Standort für die klinische Erprobung von Arzneimitteln schätzen.

Schwerpunkte

Die Projekte, von denen die vfa-Firmen berichtet haben, betreffen mehr als 120 Krankheiten. Wie schon in den letzten Jahren dient ein Drittel aller Projekte (34 %) der Verbesserung der Krebstherapie. 18 % der Projekte betreffen Entzündungskrankheiten wie rheumatische Erkrankungen, Multiple Sklerose, Lupus, entzündliche Darmerkrankungen oder Asthma. 15 % entfallen auf die Prävention oder Therapie von Infektionskrankheiten; deutlich mehr als bei der Erhebung von 2013 (12 %). An vierter Stelle stehen die Herz-Kreislauf-Erkrankungen, auf die wie schon vor zwei Jahren 8 % der Projekte entfallen.

Insgesamt geht es bei fast allen Projekten um schwere, teilweise sogar lebensbedrohliche Erkrankungen. Nur 1 % der Projekte beschäftigen sich mit leichten Erkrankungen oder mit Lebensgestaltung (konkret: mit überaktiver Blase, Reizdarmsyndrom und Verhütung). Das zeigt, dass die forschenden Pharma-Unternehmen unverändert ihre Prioritäten an schweren Erkrankungen ausrichten.

Erfolg, auch wenn einzelne Projekte nicht ihr Ziel erreichen

Wie von jeher in der Pharmaforschung normal, werden wahrscheinlich noch einige der in der Erhebung aufgeführten Projekte vorzeitig beendet werden müssen – etwa weil das erprobte Medikament noch Schwächen in der Wirksamkeit oder Verträglichkeit zeigt. Andere Projekte werden länger dauern als derzeit erwartet, etwa weil Studienergebnisse zusätzliche Untersuchungen nötig machen.

Da aber zu vielen medizinischen Aufgabenstellungen (etwa dem Schutz vor Dengue-Fieber oder der Senkung exzessiv hoher Cholesterinspiegel) mehrere konkurrierende Projekte durchgeführt werden, sind die Chancen gut, dass die neuen Therapien, die anhand dieser Erhebung prognostiziert werden können, trotz des Ausscheidens einzelner Medikamentenprogramme erreicht werden können.