Gegen mehr als 120 Krankheiten

Fortschritte auf verschiedenen Gebieten der Medizin

Die kommenden Medikamente dürften die Medizin in ganz unterschiedlichsten Gebieten verbessern. Einige Trends sind im folgenden dargestellt.

Krebserkrankungen

Gegen Krebserkrankungen richten sich 111 der genannten Projekte (34 % von allen). Das reflektiert nicht nur die Häufigkeit und Gefährlichkeit dieser Krankheiten (jährlich ca. 500.000 Neuerkrankungen [laut Robert-Koch-Institut] und 230.000 Todesfälle [laut Statistischem Bundesamt]), sondern auch, dass die intensive Grundlagenforschung zu Krebs seit Ende der 1980er-Jahre viele Ansatzpunkte für die Behandlung herausgearbeitet hat, an denen Pharmaforscher ansetzen konnten.

Auf diesen basieren unter anderem zahlreiche Krebsmedikamente, die Tumorzellen daran hindern, auf die Signale vermehrungsfördernder Botenstoffe zu reagieren (die sogenannten Antihormon-Therapeutika und Signalhemmer) oder sich Anschluss an den Blutkreislauf zu verschaffen (die sogenannten Angiogenese-Hemmer). Weitere Signal- wie Angiogenese-Hemmer sind in Entwicklung. Einige Signalhemmer greifen an neuen, bisher noch nicht für die Krebstherapie genutzten Signalwegen in den Zellen an, so die Hedgehog- und die PI3k-Inhibitoren.

Eine Krebspatientin im Bett.

Forschungs- und Entwicklungsarbeit für Menschen mit Krebs ist und bleibt die größte medizinische Herausforderung unserer Zeit.

Andere sollen funktionsuntüchtig gewordene Bremsen im Zellteilungszyklus wiederherstellen (die CDK-4/6-Inhibitoren) oder bestimmte zelleigene Proteine wie Bcl-2 stilllegen, die die die Zellen in die unkontrollierte Vermehrung treiben.

PARP-Inhibitoren wiederum (von denen bislang erst einer zugelassen ist) stören eine überlebenswichtige Funktion der Tumorzellen, die DNA-Reparatur.

Immunonkologika

Zunehmend werden auch Medikamente entwickelt, die nicht die Tumorzellen selbst bekämpfen, sondern das Immunsystem des Patienten aktivieren, sogenannte Immunonkologika. Denn das menschliche Immunsystem wäre eigentlich zur Krebsbekämpfung fähig, wenn die Tumorzellen das nicht zu verhindern wüssten. Zu den Medikamenten, die dem Immunsystem helfen, die Oberhand zurück zu gewinnen, zählen die sogenannten Checkpoint-Inhibitoren. Sie verhindern, dass Tumore Immunzellen „einschläfern“ können. Erste Checkpoint-Inhibitoren sind seit kurzem gegen Melanom und Lungenkrebs zugelassen. Die Anwendung dieser Mittel – und die von weiteren, ähnlichen Präparaten – soll in den nächsten Jahren auf eine Reihe von Krebsarten ausgedehnt werden.

Kommende Immunonkologika setzen aber auch an anderen Stellen des Immunsystems an. So weckt ein Medikament (ein TLR-9-Hemmer) das Immunsystem, indem es ihm einen Bakterien- oder Virenangriff vorgaukelt. Das erhöht seine Kampfbereitschaft gegen den Tumor.

Ebenfalls als Medikament klassifiziert werden patienteneigene Immunzellen vom Typ T-Zellen, die außerhalb des Körpers gentechnisch so modifiziert werden, dass sie die Krebszellen des Patienten besser erkennen können. Nachdem sie vermehrt und dem Patienten zurückinfundiert wurden, bekämpfen sie die Tumorzellen. Ein erstes Medikament dieser Art könnte bis 2019 die Zulassung zur Behandlung verschiedener Lymphome und von akuter lymphatischer Leukämie (ALL) erhalten.

Gegen ALL ist auch ein Medikament im Zulassungsverfahren, dessen Wirkstoff (ein abgewandelter Antikörper) Immunzellen direkt an Tumorzellen heften kann, was deren Zerstörung einleitet. Weitere Medikamente dieser Art gegen andere Tumorarten könnten nach 2019 folgen.

Nutzen für die Patienten

Für die Patienten sind die vielen Ansätze, die gegen Krebs verfolgt werden, eine gute Nachricht. Denn zum einen steigen mit jedem Ansatz die Chancen, dass ihr Krebs auch dann langfristig in Schach gehalten werden kann, wenn ein erstes Medikament seine Wirkung verliert. Zum zweiten werden neue Medikamenten-Kombinationen möglich, die auch die auch dann eine Tumorkontrolle ermöglichen, wenn ein einzelnes Medikament nichts ausrichten kann. Und schließlich wird es in manchen Fällen möglich sein, eine bisher wenig zielgenaue Behandlung durch eine zu ersetzen, die genau auf die Eigenheiten der jeweiligen Krebsart abgestellt ist.

Von den in der Erhebung erfassten Projekten richten sich die meisten (nämlich 17) gegen den nicht-kleinzelligen Lungenkrebs (NSCLC), gefolgt von Brustkrebs (10) und Multiplem Myelom (7), einem Krebs, der im blutbildenden Knochenmark entsteht. Die übrigen Projekte verteilen sich auf eine große Zahl z. T. recht seltener Krebsarten, darunter die schwer behandelbaren Glioblastome und Karzinome der Bauchspeicheldrüse (je 2 Projekte).

Mittelfristig ist es das Ziel, Patienten mit frühzeitig erkanntem Krebs möglichst zu heilen und in Fällen von fortgeschrittenem oder schon metastasiertem Krebs diesen dauerhaft unter Kontrolle zu halten, so dass die Patienten damit noch lange leben können. Mit den genannten Medikamenten könnte man diesem Ziel für einige weitere Krebsarten ein gutes Stück näher kommen.

Dr. Johannes Wimmer ist Arzt in einer Hamburger Klinik und der derzeit wohl meist­ge­frag­te In­ter­net­me­di­zi­ner Deutsch­lands.

Entzündungskrankheiten

58 Projekte (18 %) richten sich gegen Entzündungskrankheiten. Bei diesen Krankheiten kommt es durch ein fehlgesteuertes Immunsystem zu Entzündungen, ohne dass diese von Krankheitserregern hervorgerufen würden; sie heißen auch Autoimmunkrankheiten. Zu diesen Krankheiten zählen u. a. Asthma, Multiple Sklerose, rheumatoide Arthritis (oft Gelenkrheuma genannt), Morbus Bechterew, Schuppenflechte (Psoriasis), die Darmerkrankungen Morbus Crohn und Colitis ulcerosa sowie Lupus, eine Krankheit, die sich u. a. durch Gelenkschmerzen, Hautrötung und Nierenschäden bemerkbar macht. Zwar wurden in den letzten Jahren bereits Fortschritte bei diesen Krankheiten erzielt. Dennoch besteht nach wie vor Bedarf für neue Medikamente, da die schon verfügbaren nicht bei allen Patienten ausreichend wirksam sind.

Gleich zehn Projekte gelten der Behandlung der schubförmigen oder der sekundär progredienten Multiplen Sklerose. Sie alle greifen an der einen oder anderen Stelle ins Immunsystem ein.

In fünf Projekten geht es um die Verbesserung der Asthma-Therapie. Hier soll es insbesondere Fortschritte für Patienten geben, die trotz herkömmlicher Asthma-Medikation immer wieder Anfälle erleiden. Mehrere Mittel sind monoklonale Antikörper, die beispielsweise ein Übermaß an Eosinophilen (bestimmten Immunzellen, die an allergischen Reaktionen beteiligt sind) zurückdrängen sollen.

Dr. Johannes Wimmer ist Arzt in einer Hamburger Klinik und der derzeit wohl meistgefragte Internetmediziner Deutschlands.

Infektionskrankheiten

50 Projekte (15 %) dienen der Behandlung oder Vorbeugung von Infektionskrankheiten. Auf diesem Feld werden neue Medikamente sowohl gegen von jeher schwer behandelbare Krankheiten als auch gegen resistenter Stämme bislang gut behandelbarer Keime benötigt.

Gegen Grippeviren (hier eine Computergrafik) werden neue Impfstoffe entwickelt, auch gegen die sogenannte Schweinegrippe (Influenza A/H1N1).

Deutlich verstärkt gegenüber den letzten Jahren zeigt sich insbesondere die Impfstoff-Forschung. So sind Schutzimpfungen gegen mehrere Krankheiten in Entwicklung oder im Zulassungsverfahren, gegen die man bislang nicht impfen kann: Dengue-Fieber, Ebola, Noroviren, Clostridium difficile, Staphylococcus aureus (einschließlich MRSA), Tuberkulose und Cytomegalie-Viren (CMV). CMV können insbesondere bei Organtransplantierten eine Lungenentzündung hervorrufen. Auch ein Malariaimpfstoff ist dabei, der speziell für Kinder gedacht ist, die in Gebieten mit Malaria tropica leben. Er senkt das Risiko eines lebensbedrohlichen Krankheitsverlaufs um mindestens ein Drittel.

Ein Kind wird geimpft.

Impfstoffe helfen dem Körper, sich gegen Viren zur Wehr zu setzen.

Gegen Hepatitis C gab es in den letzten Jahren bereits große Fortschritte. Doch sollen noch fünf weitere Medikamente verfügbar werden, mit denen Patienten auch von bisher sehr schwer behandelnden Subtypen der Viren zuverlässig geheilt werden können.

Für die HIV-Therapie sind fünf weitere Medikamente in Entwicklung, die u. a. noch zwei weitere Wirkprinzipien einführen sollen: die Attachment- und die Reifungs-Inhibition. Mit jedem neuen Wirkprinzip vergrößern sich die Chancen, dass HIV-Viren bei den Patienten dauerhaft in ihrer Vermehrung blockiert werden können. Eines der Medikamente wird zusätzlich auf seine Eignung zur HIV-Vorbeugung erprobt.

Gegen bakterielle Infektionen könnten vfa-Unternehmen bis 2019 acht therapeutische Medikamente herausbringen. Darunter sind zwei neue Antibiotika, die sich ausdrücklich gegen sogenannte gramnegative Bakterien richten – auch solche mit bestimmten Resistenzen, gegen die seit längerem neue Behandlungsmöglichkeiten gesucht werden. Zwei weitere neue Antibiotika richten sich speziell gegen den Darmkeim Clostridium difficile, der schwere Durchfälle hervorruft. Ebenfalls speziell gegen diesen Keim wird ein Medikament erprobt, das zwei monoklonale Antikörper enthält. Zwei inhalierbare Antibiotika werden speziell für Atemwegsinfektionen entwickelt, die etwa bei intubierten Patienten auftreten können; sie basieren auf bekannten Wirkstoffen.

Visualisierung von Erregern der Schlafkrankheit

Forschende Pharma-Unternehmen entwickeln immer öfter auch Medikamente gegen tropische Armutskrankheiten wie die Afrikanische Schlafkrankheit. Die Computergrafik zeigt Erreger dieser unbehandelt tödlichen Krankheit im menschlichen Blut.

Mehrere Medikamente werden zur Behandlung von Krankheiten entwickelt, die vor allem in Schwellen- und Entwicklungländern vorkommen. Hierfür kooperieren die Unternehmen in der Regel mit Product Development Partnership-Organisationen. Bis 2019 könnten so neue Medikamente gegen die afrikanische Schlafkrankheit und die lateinamerikanische Chagas-Krankheit verfügbar werden. Speziell für Kleinkinder werden Kautabletten bzw. kleine Tabletten zur Bekämpfung von bodenübertragenen Spul- und Peitschenwürmern und von Bilharziose entwickelt. Ein Medikament wird speziell gegen die Form von Malaria entwickelt, die durch den Erreger Plasmodium vivax vor allem in Asien, Ozeanien, Mittel- und Südamerika hervorgerufen wird.

Insgesamt sind 14 Projekte (4 % von allen) auf die Bekämpfung von Infektionskrankheiten ausgerichtet, die vor allem die Schwellen- und Entwicklungsländer betreffen.


Herz-Kreislauf-Krankheiten

Herz-Kreislauf-Krankheiten sind trotz großer Fortschritte in der Vorbeugung und Behandlung immer noch Todesursache Nr. 1 in Deutschland mit etwa 354.000 Toten im Jahr 2013; von diesen starben 52.500 Menschen an einem akuten Herzinfarkt und fast 72.000 an einem Schlaganfall (einschließlich aller Formen von Hirninfarkt und -blutungen).

Ohne Titel

Ein Mann lässt seine Herzfunktion überprüfen. Neue Medikamente sollen Risikopatienten noch besser vor Herzinfarkten und Schlaganfällen schützen.

Insgesamt könnten 25 Projekte zu Herz-Kreislauf-Krankheiten bis 2019 zum Abschluss kommen. Fünf davon zielen auf eine Vermeidung von Herzinfarkten und Schlaganfällen durch Senkung des Cholesterinspiegels gerade auch bei solchen Patienten, denen mit bisherigen Medikamenten nicht zureichend geholfen werden konnte; dazu kommen drei weitere Projekte, die dazu einen (schon zugelassenen) Entzündungs- oder Gerinnungshemmer einsetzen. Vier Projekte dienen der Linderung verschiedener Formen von Lungenhochdruck, der unbehandelt lebensbedrohlich sein kann. Der besseren Behandlung der akuten und der chronischen Herzinsuffizienz gilt jeweils ein Projekt. Gegen letztere dürften in den kommenden Jahren weitere folgen, denn mehrere Unternehmen beschäftigen sich verstärkt mit dieser immer häufiger auftretenden Alterskrankheit.

Blutungskrankheiten

Es könnten bis zu sechs Medikamente gegen Blutungskrankheiten herauskommen. Zwei davon sind Gegenmittel, die die Wirkung bestimmter Gerinnungshemmer sofort aufheben können, wenn Blutungen zu stillen sind.

Weitere Medikamente in Erprobung sollen es Patienten mit angeborener Hämophilie A oder B ermöglichen, künftig mit weniger Injektionen als bei herkömmlichen Präparaten trotzdem den nötigen Gerinnungsschutz zu erhalten. Ein weiteres Projekt gilt der Blutungsneigung in Folge einer Lebererkrankung (Thrombozytopenie).


Diabetes Typ 2

Bereits rund 7 Millionen Menschen in Deutschland leiden an Diabetes Typ 2, dem sogenannte Altersdiabetes; und jährlich kommen weitere hinzu. Diese Erkrankung, die am außer Kontrolle geratenen Blutzuckerspiegel zu erkennen ist, kann zu Komplikationen wie Herz-Kreislauf- und Nierenkrankheiten sowie Erblindung und Amputationen führen. In sechs Projekten wird auf der Basis bereits etablierter Wirkprinzien nach besseren Möglichkeiten der Blutzuckerkontrolle gesucht; in drei weiteren nach Möglichkeiten, Folgeschäden an den Blutgefäßen und erhöhte Risiken für Herzinfarkt und Schlaganfall zu vermeiden.

App für Diabetiker.

Viele Blutzuckermessgeräte für Diabetiker funktionieren mittlerweile im Zusammenspiel mit zusätzlicher Hardware, bspw. Smartphones.


Arthrose

Deutlich zugenommen haben dafür die Projekte für Patienten mit Arthrose (auch Osteoarthrose genannt); in der aktuellen Erhebung werden vier gezählt. An dieser Krankheit leiden allein in Deutschland rund 5 Millionen Patienten dauerhaft und wohl weitere 10 Millionen zeitweilig; sie ist auch die mit Abstand häufigste Ursache für den Einsatz künstlicher Hüft- und Kniegelenke und wird durch die demographische Entwicklung weiter zunehmen. Bislang kann sie medikamentös nicht aufgehalten werden.

Zwei der untersuchten Medikamente greifen in die Knorpeldegenerationprozesse ein, zwei andere streben insbesondere eine wesentliche Linderung der Arthroseschmerzen an.


Neurodegenerative Erkrankungen

Bei vier Projekten geht es um neurodegenerative Erkrankungen – konkret um die Alzheimer-Demenz. Auch diese tritt in Deutschland aufgrund der zunehmenden Lebenserwartung immer häufiger auf. Derzeit gibt es rund 800.000 bis 900.000 Betroffene.

Die Medikamente werden daraufhin getestet, ob sie die Alzheimer-Demenz wirksamer hinauszögern können als die bisherigen. Drei dieser Medikamente fördern entweder den Abbau der mit Alzheimer einher gehenden Beta-Amyloid-Ablagerungen zwischen den Gehirnzellen oder verhindern ihre Entstehung.

Damit finden sich weniger Projekte in fortgeschrittener Entwicklung, als es die enormen Anstrengungen in der Laborforschung der Pharmafirmen erwarten lassen: Gleich 17 vfa-Mitglieder forschen beispielsweise auf dem Alzheimer-Feld. Leider mussten in den letzten Jahren viele Projekte bereits in den Phase I oder II beendet werden, weil sich nicht die erhoffte Wirkung – eine Besserung der beeinträchtigten Gedächtnis- und Denkleistung – einstellte. Aber neue Konzepte bieten die Chance, doch noch erfolgreich zu sein.

Eine junge Frau hat ihren Arm um eine alte Frau gelegt.

Neue Alzheimer-Präparate sollen wesentlich wirksamer ins Krankheitsgeschehen eingreifen als bisherige und so die geistigen Fähigkeiten über längere Zeit bewahren.


Psychische Erkrankungen

Sechs Projekte beschäftigen sich mit psychischen Erkrankungen, darunter zwei mit Depressionen und zwei mit Schizophrenie. Für beide Erkrankungen besteht Bedarf an noch wirksameren und zugleich nebenwirkungsärmeren Medikamenten. Denn in Deutschland leiden vier Millionen Patienten an einer behandlungsbedürftigen Depression und jeder Hundertste an Schizophrenie. Unter anderem hat ein von dem Narkose-Mittel Ketamin abgeleitetes Antidepressivum die Phase III erreicht. Mittel dieser Klasse sollen auch bislang behandlungsresistente Depressionen lindern.


Seltene Krankheiten

Insgesamt 42 Projekte (13 %) haben in der Europäischen Union den Orphan-Drug-Status erhalten, weil sie die Therapie von seltenen Krankheiten (den orphan diseases) erstmals ermöglichen oder signifikant verbessern könnten.

Bei allen Projekten mit Orphan-Drug-Status tritt die jeweilige Krankheit an sich selten auf. Ein Orphan-Drug-Status wird nicht vergeben, wenn ein Medikament für eine kleine Subgruppe von Patienten mit einer an sich häufigen Krankheit entwickelt wird.

Der Anteil der Orphan-Drug-Projekte in den Entwicklungsprogrammen der vfa-Mitgliedsunternehmen ist seit vielen Jahren weitgehend konstant (siehe Diagramm):

Etwa jedes achte Projekt hat die Entwicklung eines Orphan Drugs zum Ziel. Das zeigt, dass die Entwicklungstätigkeit für Patienten mit solchen Krankheiten auf Langfristigkeit angelegt ist; es zeigt aber auch, dass die mancherorts befürchtete Fokussierung auf Orphan Drugs zu Lasten von Patienten mit häufigeren Erkrankungen nicht stattgefunden hat.

Fortschritte für Frauen und Männer

Die weitaus meisten Projekte betreffen Krankheiten, die bei Männern wie Frauen auftreten. An den Studien sind deshalb auch Patienten beiderlei Geschlechts beteiligt.

17 Projekte (5 %) werden speziell für Frauen entwickelt: gegen Krebserkrankungen an Brust, Eierstock und Gebärmutterschleimhaut, gegen Endometriose, Myome (gutartige Tumore der Gebärmutter) und Reizdarmsyndrom, zur Vermeidung von Frühgeburten und zur Verhütung. Berücksichtigt man noch Multiple Sklerose (10 Projekte), Lupus (4 Projekte) und Osteoporose (2 Projekte), die überwiegend bei Frauen auftreten, sind es sogar 8 %.

Neun Projekte (3 %) werden ausschließlich oder fast ausschließlich für männliche Patienten durchgeführt: Sechs betreffen Prostatakrebs, die übrigen lindern Formen von Hämophilie (der angeborenen Blutgerinnungsschwäche, die fast nur bei Männern auftritt).


Medikamente für Kinder und Jugendliche

Bei fast der Hälfte der Projekte (155; 48 %) steht heute schon fest, dass die Medikamente auch für – und deshalb mit – Minderjährigen entwickelt werden; bei 55 Projekten laufen diese Studien bereits. In der Mehrzahl der Fälle dürfte die Zulassung für Minderjährige allerdings erst nach 2019 erfolgen, da die Erprobung für Minderjährige in Phase-II- und -III-Studien meist erst nach positivem Abschluss der Studien mit Erwachsenen durchgeführt werden. Damit sollen unnötige Studien vermieden werden.

Dass nicht noch mehr Projekte auch Zulassungen für Kinder oder Jugendliche anstreben, liegt am hohen Stellenwert, den Krankheiten des mittleren und vorgerückten Alters in der Pharmaforschung haben, etwa Alzheimer oder Osteoarthrose. Diese Krankheiten kommen bei Minderjährigen nicht vor.

Ein schlafendes Mädchen auf der Intensivstation.

Wie es die EU in ihrer Verordnung für Kinderarzneimittel 2007 vorgesehen hat, werden Medikamente auch dann für Kinder oder Jugendliche entwickelt, wenn es nicht um „typische“ Kinderkrankheiten geht. So finden sich beispielsweise Projekte zur Behandlung von akut dekompensierter Herzinsuffizienz, Hepatitis C, neuropathischen Schmerzen, Schizophrenie und Leukämien. Ein Mittel gegen Frühgeburten soll auch für schwangere Jugendliche verfügbar werden. Krebsmedikamente werden inzwischen auch dann für Minderjährige entwickelt, wenn bei diesen andere Krebsarten als bei Erwachsenen auftreten, die jedoch auf dem gleichen molekularen Krankheitsprozess beruhen.

Daneben wird es aber auch Fortschritte für Kinder und Jugendliche auf Gebieten geben, in denen von jeher Medikamente für Minderjährige mitentwickelt werden – etwa bei Asthma, bakteriellen Infektionen oder Erbkrankheiten. Auch bei den meisten neuen Impfstoffen ist die Erprobung für Minderjährige eingeplant.


Personalisierte Medizin

Es ist ein alte Erfahrung, dass manche Patienten auf ein bei vielen Menschen bewährtes Medikament nicht oder nur mit erheblichen Nebenwirkungen ansprechen. Dafür werden vielfach genetische Unterschiede zwischen den Patienten (seltener auch Unterschiede in ihrer medizinischen Vorgeschichte) als Ursache vermutet; für einige Medikamente ist das inzwischen auch schon bestätigt, und ein entsprechender Vortest empfohlen bzw. vorgeschrieben (vgl. www.vfa.de/personalisiert).

Eine Frau hält eine Chip zwischen den Fingern und schaut prüfend.

Bei einigen Medikamenten lässt sich mit Hilfe eines Vortests (etwa einem Gentest wie im Bild) vorhersagen, welches von mehreren möglichen Medikamenten für den einzelnen Patienten am besten geeignet ist. Das ist das Prinzip der Personalisierten Medizin.

Bei 40 % der hier erfassten Projekte (drei Prozent mehr als vor zwei Jahren) wird begleitend nach messbaren zellulären, molekularen oder genetischen Eigenheiten der Patienten gesucht (sogenannten Biomarkern), an denen sich die Wirksamkeit und/oder Verträglichkeit der betreffenden Medikamente im Einzelfall vorhersagen lässt. Bei 122 dieser 130 Projekte (94 %) sind auch deutsche Kliniken beteiligt.

Ziel der Forschung ist, dem Arzt „Tandems" aus Medikament und geeignetem Vortest anbieten zu können, damit er im Rahmen der Personalisierten Medizin seine Therapieentscheidungen auf eine solide Grundlage stellen und erfolglose Behandlungsversuche vermeiden kann. Sicherlich werden nur aus einem Teil der Biomarker-Suchen letztendlich solche Tandems resultieren. Doch dürften diese im Behandlungsalltag stetig an Bedeutung gewinnen.