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Pharmaforschung wirkt: Auch wirtschaftlich

„Forschung ist gefährlich: man könnte etwas Neues entdecken“, hat Gerhard Kocher, Schweizer Politologe und Gesundheitsökonom, das Wesen der Forschung einst formuliert. Natürlich ist das ironisch gemeint, denn der Sinn und Zweck von Forschung liegt ja eben darin, unbekanntes Terrain zu betreten, Neues zu entdecken.

Ein Labormitarbeiter begutachtet aus der Nähe Teströhrchen in einer Fertigungsanlage

Das gilt in besonderem Maße für die Pharmaindustrie, wo die Unternehmen viel Geld, Zeit und jede Menge Know-how in die Forschung und Entwicklung (F&E) für neue Arzneimittel investieren. Auch wenn nur die wenigsten der von ihnen erfundenen Wirkstoffkandidaten den weiten Weg bis zum zugelassenen Medikament und zum Patienten schaffen, steht am Ende doch immer das Ziel, innovative Therapien für meist schwere und lebensbedrohliche Krankheiten zu finden oder bestehende Behandlungsmöglichkeiten weiter zu verbessern. Vor diesem Hintergrund haben die forschenden Pharma-Unternehmen in Deutschland seit Beginn dieses Jahrtausends jährlich durchschnittlich 30 innovative Arzneimittel mit neuen Wirkstoffen auf dem Markt eingeführt.

Forschungsintensivste Industrie Deutschlands

Diese Suche nach dem Neuen ist von enormer wirtschaftlicher Bedeutung. Deutlich wird dies vor allem an einer Zahl: Jedes Jahr geben die Unternehmen allein hierzulande über 5 Milliarden Euro für Forschung aus. Die Pharmaindustrie ist damit - wenn man Umsatz und Ausgaben in Relation setzt - die forschungsintensivste Industrie Deutschlands!


17.000 Forscherinnen und Forscher helfen Medizin und Wirtschaft

Der positive wirtschaftliche Fußabdruck der forschenden Pharmaindustrie zeigt sich vor allem darin, dass die Unternehmen selbst hochwertige Forschungsarbeitsplätze bieten – die Beschäftigten in diesem Bereich (mit akademischen wie Lehrberufen) sind in der Regel sehr qualifiziert. Die Pharmaforschung und -entwicklung sichert zudem indirekt zahlreiche Arbeitsplätze bei Lieferanten und Dienstleistern, beispielsweise bei Unternehmen für Laborausrüstung oder bei Dienstleistern für bestimmte Testreihen. Mit ihren Produkten leistet die Branche außerdem einen wesentlichen Beitrag zu Investitionen, Export und Wachstum und trägt nicht zuletzt in erheblichem Maße zum Steueraufkommen und zur Sozialversicherung in Deutschland bei.

Noch tiefer wird der wirtschaftliche Fußabdruck, wenn man die Pro-Kopf-Aufwendungen der Pharma-Unternehmen für ihre rund 17.500 Forschungsbeschäftigten anschaut: Je Mitarbeiter wendet die Pharmaindustrie rund 35.000 Euro – vfa-Mitgliedsunternehmen sogar 75.000 Euro – für die Forschung in den Unternehmen auf. Das ist doppelt so viel wie im Durchschnitt der deutschen Industrie. Zum Vergleich: Im Automobilbau betragen die Forschungsaufwendungen pro Kopf rund 27.000 Euro, im Maschinenbau rund 10.000 Euro.

Pharma-Standort Deutschland schlägt sich gut in Europa

Ihre wirtschaftliche Stärke demonstriert die Pharmaforschung auch, wenn man sie aus der Europa-Perspektive betrachtet. So entfällt rund ein Viertel der gesamteuropäischen Ausgaben für Pharma-Forschung auf deutsche Unternehmen. Nahezu gleichauf mit der Schweiz belegen hiesige Pharmaunternehmen damit einen Spitzenplatz in der Forschung.

Diese Innovationskraft schlägt sich auch im medizinischen Bereich deutlich nieder. So liegt Deutschland bei Industrie-finanzierten klinischen Studien in Europa aktuell auf Platz 2 und rangiert weltweit auf Rang 3. Auch bei der Biotech-Produktion ist Deutschland weltweit spitze – hier ist es Position 2, gemessen an der Zahl unterschiedlicher Medikamente.


Pharma: Ein Katalysator für Wissenstransfer

Zusätzlich zu den großen wirtschaftlichen Effekten wirkt die Pharmaforschung als Katalysator für einen intensiven Wissenstransfer, der wiederum neue Ideen und Produkte generiert. So ist die Pharma-Industrie in ein Netz zahlloser Kooperationen mit Wissenschaftlern, Universitätsinstituten und außeruniversitären Forschungseinrichtungen eingebunden, beispielsweise mit der Max-Planck-Gesellschaft und dem Fraunhofer Institut. Darüber hinaus schreibt die Pharmaindustrie jedes Jahr zahlreiche Forschungspreise und Stipendien zur Stärkung der Forschung aus und vergibt Spenden an medizinische Einrichtungen. Schließlich arbeitet die Branche eng mit innovativen Start-ups zusammen und finanziert mit Millionenbeträgen deren erste Schritte. Der Austausch an Wissen, der auf all diesen Ebenen des Netzes stattfindet, macht zu guten Teilen die Innovationskraft Deutschlands aus.

Forschung ist die beste Medizin

Letztlich kommen die Anstrengungen der Pharmaforschung und -entwicklung den Patienten zugute. Sie haben den Nutzen in Form von neuen und immer effektiveren Therapien. Hoch wirksame Arzneimittel tragen aber oft auch wesentlich dazu bei, die Folgekosten von Krankheiten zu senken. Die Gesundheit und Genesung des Einzelnen wie auch der Schutz der Bevölkerung durch Impfungen als Ergebnis einer hoch entwickelten und produktiven Pharmaforschung sind entscheidende Faktoren zur finanziellen Entlastung des Gesundheitssystems und zur Steigerung der Produktivität durch schnelle Wiederherstellung der Arbeitsfähigkeit und Verhinderung von Frühverrentungen – auch dies ein Beleg für den tiefen wirtschaftlichen Fußabdruck der Pharmaforschung.

Nahaufnahme eines Kunden bzw. Patienten in einer Apotheke, dem ein mit einem Kittel bekleideter Arm auf die Schulter klopft

Stärken stärken: Was die Politik tun kann

Auch die Bundesregierung setzt auf Forschung und Innovation und hat dafür im Herbst 2018 die „Hightech-Strategie 2025“ verabschiedet.

Wenn man Anlauf nimmt, sollte man auch springen

Auch die Zahl naturwissenschaftlich interessierter Schüler und Studenten ist in Deutschland viel zu gering, um auch künftig in der globalen wissensgetriebenen Wirtschaft vorne mitspielen zu können. Eine dem PISA-Prozess vergleichbare nationale Kraftanstrengung wäre hier durchaus die richtige Schlussfolgerung.

Der Wechsel zwischen Unternehmen und Universität – und zwar in beide Richtungen – sollte in Deutschland viel selbstverständlicher und leichter werden. Da stehen noch zahlreiche Vorschriften im Weg. Solange solche Doppelkarrieren ein „Störfaktor“ im Dienstrecht sind, hat Deutschland ein internationales Wettbewerbsproblem.

Auch das leidige Thema Wagniskapital ist leider ein deutscher Dauerbrenner. Wir können zwar froh sein, dass immer wieder Privatleute viel Geld in Start-ups investiert haben, als noch gar nicht klar war, ob sie Erfolg haben würden. Aber die Finanzierung von Zukunft in Deutschland kann nicht von einer Art Mäzenatentum abhängen, sondern muss durch ausreichend vergebenes Risikokapital bei Banken - und seien es Förderbanken – gewährleistet sein.