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Pharmaforschung: Injektion für Innovation und Wachstum

Forschung findet Wege, damit Dinge neu und besser werden. Das gilt auch für die Pharmaforschung. Sie sucht nach neuen Therapien um Krankheiten zu verhindern, zu heilen oder zu lindern. Das hilft Patientinnen und Patienten und ihren behandelnden Ärzten. Aber es hilft auch Deutschland: Denn für ein rohstoffarmes Land sind die Ergebnisse der sogenannten „wissensgetriebenen Wirtschaft“ besonders wichtig.

Ein Labormitarbeiter begutachtet aus der Nähe Teströhrchen in einer Fertigungsanlage

Pharmaforschung verlangt viel Wissen, Zeit und Geld. Die forschenden Pharmaunternehmen investieren jede Menge Know-how, jahrelange Arbeit und Millionen Euro und Dollar in die Entdeckung und Entwicklung neuer Arzneimittel. Auch wenn nur die wenigsten der von ihnen erfundenen Wirkstoffkandidaten den weiten Weg bis zum zugelassenen Medikament und zum Patienten schaffen, steht am Ende immer das Ziel, innovative Therapien für schwere, z.T. lebensbedrohliche Krankheiten zu finden oder bestehende Behandlungsmöglichkeiten weiter zu verbessern. Vor diesem Hintergrund haben die forschenden Pharma-Unternehmen in Deutschland seit Beginn dieses Jahrtausends jährlich durchschnittlich 30 innovative Arzneimittel mit neuen Wirkstoffen auf dem Markt eingeführt.

Forschungsintensivste Industrie Deutschlands

Diese Suche nach dem Neuen ist aber nicht nur für Ärzte und Patienten sehr wichtig, sondern auch von enormer wirtschaftlicher Bedeutung. So geben die Pharma- und Biotech-Unternehmen allein hierzulande jedes Jahr über 6 Milliarden Euro für Forschung aus. Setzt man Umsatz und Ausgaben in Relation, ist Pharma damit die forschungsintensivste Industrie Deutschlands.


17.000 Forscherinnen und Forscher helfen Medizin und Wirtschaft

Der starke Fokus der Branche auf Forschung und Entwicklung schlägt sich auch in der Beschäftigung nieder: Die forschenden Pharmaunternehmen bieten zahlreiche hochwertige Forschungsarbeitsplätze an. Sowohl die akademischen Beschäftigten in diesem Bereich als auch die große Zahl an Fachkräften mit einer beruflichen Ausbildung sind in der Regel hoch qualifiziert. Die Pharmaforschung und -entwicklung sichert zudem indirekt zahlreiche Arbeitsplätze bei Lieferanten und Dienstleistern, beispielsweise bei Unternehmen für Laborausrüstung oder bei Dienstleistern für Testreihen. Mit ihren Produkten leistet die Branche außerdem einen wesentlichen Beitrag zu Investitionen, Export und Wachstum und trägt nicht zuletzt in erheblichem Maße zum Steueraufkommen und zur Sozialversicherung in Deutschland bei.


Die Intensität und Bedeutung der Pharmaforschung zeigt sich auch in den Pro-Kopf-Aufwendungen der Pharma-Unternehmen für ihre 17.000 Forschungsbeschäftigten: Je Mitarbeiter wendet die Pharma- und Biotech-Industrie rund 35.000 Euro – vfa-Mitgliedsunternehmen sogar 75.000 Euro – für die Forschung auf. Das ist doppelt so viel wie im Durchschnitt der deutschen Industrie. Zum Vergleich: Im Automobilbau betragen die Forschungsaufwendungen pro Kopf rund 27.000 Euro, im Maschinenbau rund 10.000 Euro.

Pharma-Standort Deutschland schlägt sich gut in Europa

Ihre Stärke demonstriert die Pharmaforschung auch, wenn man sie aus der europäischen Perspektive betrachtet. So entfällt rund ein Viertel der gesamteuropäischen Ausgaben für Pharma-Forschung auf Unternehmen in Deutschland. Hiesige Pharma- und Biotech-Unternehmen belegen damit nahezu gleichauf mit der Schweiz einen Spitzenplatz bei den Forschungsausgaben.


Diese Innovationskraft schlägt sich auch im medizinischen Bereich deutlich nieder. So liegt Deutschland bei Industrie-finanzierten klinischen Studien in Europa aktuell auf Platz 2 und rangiert weltweit auf Rang 3. Auch bei der Biotech-Produktion ist Deutschland weltweit Spitze – hier ist es Position 2, gemessen an der Zahl der Biotech-Medikamente.

Pharma: Ein Katalysator für Wissenstransfer

Zusätzlich zu den bedeutenden wirtschaftlichen Effekten ist die Pharmaforschung Katalysator für einen intensiven Wissenstransfer, der seinerseits neue Ideen und Produkte generiert. So ist die Pharma-Industrie in ein Netz zahlloser Kooperationen mit Wissenschaftlern, Universitätsinstituten und außeruniversitären Forschungseinrichtungen eingebunden, beispielsweise mit der Max-Planck-Gesellschaft, verschiedenen Helmholtz-Zentren und Fraunhofer-Instituten. Darüber hinaus schreibt die Pharmaindustrie jedes Jahr zahlreiche Forschungspreise und Stipendien zur Stärkung der Forschung aus und vergibt Spenden an medizinische Einrichtungen. Schließlich arbeitet die Branche eng mit innovativen Start-ups zusammen und finanziert mit Millionenbeträgen deren erste Schritte. Der Austausch an Wissen, der auf all diesen Ebenen des Netzes stattfindet, macht zu guten Teilen die Innovationskraft Deutschlands aus.

Forschung ist die beste Medizin

Letztlich kommen die Anstrengungen der Pharmaforschung und -entwicklung den Patienten zugute. Sie haben den Nutzen in Form von neuen und immer effektiveren Therapien. Hoch wirksame Arzneimittel tragen aber oft auch dazu bei, die Folgekosten von Krankheiten zu senken. Die Gesundheit und Genesung des Einzelnen wie auch der Schutz der Bevölkerung durch Impfungen als Ergebnis einer hoch entwickelten und produktiven Pharmaforschung sind entscheidende Faktoren zur finanziellen Entlastung des Gesundheitssystems und zur Steigerung der Produktivität durch schnelle Wiederherstellung der Arbeitsfähigkeit und Verhinderung von Frühverrentungen – ein Beleg für den tiefen wirtschaftlichen Fußabdruck von Pharmaforschung.

Nahaufnahme eines Kunden bzw. Patienten in einer Apotheke, dem ein mit einem Kittel bekleideter Arm auf die Schulter klopft

Stärken stärken: Was die Politik tun kann

Auch die Bundesregierung setzt auf Forschung und Innovation und hat dafür im Herbst 2018 die „Hightech-Strategie 2025“ verabschiedet.

Wenn man Anlauf nimmt, sollte man auch springen

Auch die Zahl naturwissenschaftlich interessierter Schüler und Studenten ist in Deutschland noch zu gering, um weiterhin in der globalen wissensgetriebenen Wirtschaft vorne mitspielen zu können. Eine dem PISA-Prozess vergleichbare nationale Kraftanstrengung wäre hier die richtige Schlussfolgerung.

Der Wechsel zwischen Unternehmen und Universität – und zwar in beide Richtungen – sollte in Deutschland selbstverständlicher und leichter werden. Da stehen noch zahlreiche Vorschriften im Weg. Solange solche Doppelkarrieren ein „Störfaktor“ im Dienstrecht sind, hat Deutschland ein internationales Wettbewerbsproblem.

Auch das leidige Thema Wagniskapital ist ein deutscher Dauerbrenner. Wir können zwar froh sein, dass immer wieder Privatleute viel Geld in Start-ups investiert haben, als noch gar nicht klar war, ob diese Erfolg haben würden. Die Finanzierung von Zukunft in Deutschland kann aber nicht von einer Art Mäzenatentum abhängen, sondern muss durch ausreichend vergebenes Risikokapital von Banken - und seien es Förderbanken – gewährleistet sein.