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Die forschende Pharmaindustrie in Deutschland – eine wirtschaftliche Bestandsaufnahme

Arzneimittel zu entwickeln und zu produzieren, setzt Wissen, Neugier und die nötige Infrastruktur voraus. All das ist nicht selbstverständlich, aber in Deutschland vorhanden. Das hilft der Medizin, aber auch der Wirtschaft: Uns zeichnen Forschungsstärke und Produktionsexpertise aus. Und das ist ein Grund, warum wir im Export so erfolgreich sind.

Eine junge Frau mit Kittel, Helm und Schutzbrille steht an der Steuerungseinheit inmitten einer von zahllosen Rohren durchzogenen Fertigungsanlage.

Motor mit hoher Drehzahl

Die forschende Pharmaindustrie ist ein wesentlicher Treiber für die deutsche und europäische Wirtschaft. Die Branche – darunter sämtliche großen und international erfolgreichen Unternehmen – unterhält hierzulande zahlreiche Produktionsstandorte, beschäftigt zehntausende von Mitarbeitern, investiert deutlich mehr als andere Industrien in Forschung und Entwicklung (F&E) und ist damit ein Wachstumsmotor, der mit Wissen angetrieben wird:
Sie verlangt von ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern ein umfassendes Know-how, intensiven Informationsaustausch und Lust auf Neues.
Deshalb spielen forschende Pharmaunternehmen bei Innovationen und Investitionen ganz vorne mit.

Forschung ist unsere Profession

Eine Forscherin mit Kittel, Haube und Schutzbrille begutachtet ein Testgerät unter einer großen beleuchteten LupeEntscheidend für die forschende Pharmaindustrie ist die Suche nach besseren Therapien, und das bedeutet die Suche nach neuen Wirkstoffen. Als forschungsintensivste Industrie Deutschlands wenden wir im Jahr mehr als 6 Milliarden Euro für F&E auf. Das sind rund 14% des Gesamtumsatzes, ein im Branchenvergleich überaus hoher Wert. Damit trägt die Branche erheblich dazu bei, die Zielvorgaben der Europäischen Kommission für F&E-Ausgaben zu erreichen: für das Jahr 2020 hat die EU vorgegeben, dass drei Prozent des Bruttoinlandsproduktes (BIP) in Forschung und Entwicklung fließen sollen. Darüber hinaus investierten die forschenden Pharmaunternehmen gut 1,5 Milliarden Euro in Gebäude und Anlagen. Die Erfahrungen der Mitarbeiter und das hohe Ausbildungsniveau machen Deutschland zu einem weltweit geschätzten Entwicklungsstandort für anspruchsvolle Pharmaprodukte. Das zeigen unter anderem die 584 Patente, die 2018 von der gesamten Pharmaindustrie in Deutschland beim Europäischen Patentamt neu angemeldet wurden.

Wirtschaftliche Kraft strahlt aus

Die Pharmaindustrie zeigt eine deutlich stärkere Widerstandskraft gegenüber konjunkturellen Einbrüchen als andere Branchen. So wirkten sich das zunehmend gedämpfte wirtschaftliche Umfeld sowie die daraus resultierenden konjunkturellen Schwankungen auf die gute Stimmung der Pharmaindustrie weniger stark aus als in anderen industriellen Branchen Deutschlands. Dies gilt umso mehr für die forschende Pharmaindustrie: Ihre Wirtschaftskraft - im Jahr 2018 lag der Umsatz in Deutschland bei 45,4 Milliarden Euro - strahlt dabei auch in andere Wirtschaftssektoren aus. So kommen zu den direkten ökonomischen Effekten indirekte hinzu, die sich insbesondere in den Zulieferketten der Unternehmen positiv niederschlagen.

Luftaufnahme eines Frachtschiffs, das sich auf hoher See befindet und mit verschiedenfarbigen Containern beladen ist.

Exportschlager Pharma

Nicht nur im Inland tragen die forschenden Pharmaunternehmen zu sichtbaren und nachhaltigen Wertschöpfungseffekten bei, sondern auch auf europäischer Ebene und darüber hinaus. Mit einem Auslandsumsatz von 21,2 Milliarden Euro im Jahr 2018 lag die Exportquote der forschenden Pharmaunternehmen bei 46,7% und nahezu auf dem Niveau des Verarbeitenden Gewerbes – dort betrug der Anteil des Auslandsumsatzes zuletzt 48,6%. Die starke Abhängigkeit von ausländischen Märkten bringt aber auch besondere Herausforderungen mit sich: So ist es für die Branche im internationalen Wettbewerb von großer Bedeutung, dass politische Entscheidungsträger der EU ein Umfeld fördern, welches die pharmazeutische Forschung, Entwicklung und Investitionen unterstützt.

Zukunftsfähige Arbeitsplätze

Die forschende Pharmaindustrie schafft und sichert qualifizierte und hochwertige Arbeitsplätze sowohl für Akademiker als auch für Fachkräfte mit Berufsausbildung. 2018 arbeiteten fast 80.000 Menschen in einem forschenden Pharmaunternehmen. Viele weitere Jobs werden indirekt über Aktivitäten mit Zulieferern und Geschäftspartnern geschaffen, aber auch durch Ausgaben, die die Pharma-Beschäftigten privat tätigen. Dies hat zur Folge, dass jeder Job, den der Industriezweig bietet, fünf weitere Arbeitsplätze nach sich zieht – ein Multiplikator, der in kaum einem anderen Industriesektor zu finden ist. Damit trägt die Branche zur hohen Beschäftigungsquote in Deutschland bei.

Weichen stellen, Potenziale ausschöpfen

Wenngleich die Rahmenbedingungen für die forschende Pharmaindustrie grundsätzlich gut sind, bedarf es kontinuierlich der richtigen politischen Weichenstellung, um die Potenziale der Branche voll ausschöpfen zu können. Dafür werden in diesem Bereich hochqualifizierte Mitarbeiter benötigt, wobei zunehmend umfangreiche Kenntnisse in IT, Big Data und Künstlicher Intelligenz von Bedeutung sind.

Die langjährige, aber auch risikoreiche Entwicklung eines Arzneimittels verursacht hohe Kosten. Verlässliche und innovationsfreundliche Rahmenbedingungen sind daher eine Grundvoraussetzung für die forschenden Pharmaunternehmen am Standort Deutschland. Vor allem braucht die Branche eine steuerliche Forschungsförderung, die in der Praxis funktioniert!

Der Schwung und die Ideen junger Unternehmen ist ein Treiber für Fortschritt in Deutschland: Nicht nur in der Pharmaindustrie. Insbesondere in der Wachstumsphase fehlt es aber solchen Start-ups in Deutschland immer noch an Wagniskapital und damit an notwendigen Mitteln, um mit innovativen Geschäftsmodellen erfolgreiche Unternehmen zu schaffen. Daher ist ein besserer Zugang zu Wagniskapital ein Muss, damit die forschende Pharmaindustrie auch weiterhin zukunftsfähig bleibt und ihre Rolle als wichtiger Motor der deutschen Wirtschaft ausfüllen kann.