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mRNA-Boom am Ende? Zwangsrabatt-Diskussion wird Standortnachteil!

Der deutsche Pharmastandort hat durch die Technologieführerschaft bei mRNA nicht nur weltweite Aufmerksamkeit erfahren. Er hat sich im beinharten globalen Wettbewerb mit an die Spitze setzen können. So eine Chance aufzuholen und andere zu überholen, ergibt sich im internationalen Standortmarathon nicht alle Tage.

Es war die Biotech-Basis in Deutschland, die mit der mRNA-Technologie eine wissenschaftliche und wirtschaftliche Erfolgsstory hingelegt hat, wie es hierzulande lange keine mehr gab. Die vom Bundesgesundheitsministerium geplanten Änderungen der Erstattungsbedingungen für moderne Medikamente beenden diesen Imagegewinn unter internationalen Investoren. Und zwar ohne sachlichen Grund! Der deutschen Politik muss klar sein, dass Länder wie die USA, Frankreich oder China gerade massiv auf die Pharmaindustrie als Leitbranchen setzen, die dort wachsen sollen. Will Deutschland jetzt tatsächlich mit einem erhöhten Zwangsrabatt ins Standortrennen gehen?

Landkarte mit deutschen Standorten für Forschung, Entwicklung und Produktion von Impfstoffen und therapeutischen Medikamenten auf mRNA-Basis

„Zwangsrabatt als Handbremse im Wettbewerb“

In einem Moment als der deutsche Standort im internationalen Standortrennen gerade einen Gang hochschalten wollte, haut uns das Bundesgesundheitsministerium mit Schwung wieder die Handbremse rein und plant eine Erhöhung des Zwangsrabattes. Dabei sind wir eine Branche, auf deren volkswirtschaftlichen Beiträge es ankommt: Wir gehören zu den wichtigsten privaten Investoren in Forschung und Entwicklung hierzulande. So entstehen neue Produkte, starke Exporte, gutbezahlte Arbeitsplätze, industrielle Infrastruktur und hohe Steuereinnahmen für den Staat.

Dank des wachsenden Verständnisses von Krankheiten und der Entwicklung neuer Technologien wächst auch die Zahl innovativer Arzneimittel. Das Resultat sind neue, zum Teil bahnbrechende Behandlungsmöglichkeiten. Für Patientinnen und Patienten ist entscheidend, dass neue Medikamente nach einer gründlichen Zulassungsprüfung schnell für die Therapie verfügbar sind. Genau das leistet unser Gesundheitssystem bislang, und zwar besonders gut.

„Versorgung ist kein Experimentierfeld, auch nicht mittels Zwangsrabatt“

Die gute Versorgungssituation in Deutschland ist aber kein Naturgesetz. Wenn die Marktbedingungen hier schlechter werden, etwa durch einen erhöhten Zwangsrabatt, wird auch der deutsche Markt an Attraktivität verlieren. In diesem Fall könnte er für Pharmaunternehmen nicht mehr erste Wahl bei der Markteinführung sein. Dann könnte es sein, dass einige Innovationen in Deutschland gar nicht mehr auf den Markt kommen. Bislang war das unvorstellbar.

„Kostendämpfung bitte nur, wenn Kosten aus dem Ruder laufen“

Auch aus Sicht der Sozialversicherung ist es nicht fair, Geld bei der Pharmaindustrie mittels eines erhöhten Zwangsrabattes einzusammeln: Die Arzneimittelkosten sind nämlich kein Kostentreiber. Ihr Anteil an den Gesamtausgaben der gesetzlichen Krankenversicherung ist seit mehr als 10 Jahren konstant. Und die Spartbeiträge aufgrund älterer Kostendämpfungsmaßnahmen erreichen immer neue Rekordwerte.

Wir sind also kein Problem für die Ausgabenseite der Krankenkassen, aber eine Chance für Wirtschaftsdynamik und Steuereinnahmen des Staates!

Der Anteil der Arzneimittelausgaben an den GKV-Gesamtausgaben bewegt sich in den letzten 10 Jahren auf gleichem Niveau


Fehler nicht wiederholen

Die Investitionsentscheidungen der Unternehmen folgen den Rahmenbedingungen der Politik. Das haben wir bereits 2010 gesehen: Auf die Erhöhung des Herstellerrabatts folgte eine deutliche Abschwächung. Nach der Reduzierung des Herstellerrabatts vier Jahre später zogen die Investitionen wieder an.