Wie bewerten Sie den aktuellen Fall „Lunapharm“?

Patienten müssen sich jederzeit darauf verlassen können, dass sie wirksame und sichere Medikamente erhalten, die aus der legalen Lieferkette kommen. Basis dafür sind zum einen verantwortungsvolle Akteure, also Hersteller, Großhandel, Apotheker und Aufsichtsbehörden und zum anderen ein funktionierendes Kontrollsystem. Jedem Verdacht, dass dieses System keine Sicherheit bietet, muss umfassend nachgegangen werden. Missstände sind nicht zu tolerieren und unverzüglich abzustellen.

Im vorliegenden Fall ging es um Parallelimporte, also um die Einfuhr von Medikamenten nach Deutschland, die eigentlich im Gesundheitssystem anderer EU-Länder vertrieben wurden. Wie steht der vfa zu Parallelimporten?

Den Handel von Medikamenten zwischen Gesundheitssystemen verschiedener Länder durch darauf spezialisierte Händler sieht der vfa kritisch. Dieser sogenannte „Parallelhandel“ kann die Arzneimittelqualität und die Arzneimittelsicherheit gefährden. Denn Handelswege über verschiedene Gesundheitssysteme hinweg sind manipulationsanfälliger als die direkte Belieferung eines Gesundheitssystems.
Trotzdem wird der Parallelhandel bis heute hierzulande sogar gesetzlich gegenüber dem normalen Vertrieb bevorzugt: durch die sogenannte „Importförderklausel“. Diese verpflichtet Apotheker, eine Quote beim Verkauf von parallelimportierten Medikamenten zu erfüllen. Wie einige Krankenkassen und Apotheker auch, ist der vfa dafür, diese Förderklausel zu streichen.
Historisch wurde die Importförderklausel einmal als ein Preisdämpfungsinstrument eingeführt. Zwischenzeitlich greifen aber in Deutschland neue Preisregulierungen, die u.a. 2011 mit dem Arzneimittelmarktneuordnungsgesetz (AMNOG) eingeführt wurden, so dass es auch keine ökonomischen Gründe mehr für die Importförderklausel gibt.

Was tun die forschenden Pharma-Unternehmen denn selbst, damit Medikamente aus zweifelhafter Quelle nicht mehr die Patienten in Deutschland erreichen?

Pharmaunternehmen haben selbst starkes Interesse daran, dass ihre hochwertigen Produkte die Patienten sicher erreichen. Deshalb wählen sie sehr genau aus, wem sie ihre Produkte liefern.
Sie wirken schon heute abgestimmt mit den anderen Akteuren des Vertriebs an der Sicherung der Lieferketten mit. Und dieses Zusammenspiel wird in Zukunft noch effektiver: Ab Februar nächsten Jahres wird ein vernetztes digitales Sicherungssystem in Europa etabliert, das die Versorgung noch besser vor dem Eindringen gefälschter oder gestohlener Medikamente schützt. Den deutschen Teil davon wird „securPharm“ betreiben – eine vom vfa, weiteren Pharmaverbänden sowie Apotheker- und Großhändler-Verbänden getragene Organisation. Dieses System ermöglicht, Packungen vor der Abgabe an den Patienten darauf hin zu prüfen, ob sie echt und nicht gestohlen sind. Zusätzlich werden die Hersteller Packungen mit einem Erstöffnungsschutz ausstatten, so dass Packungsmanipulationen leicht erkannt werden können.