Jeden Monat gehen 45 Millionen Arzneimittelpackungen aus Großbritannien in die EU, 37 Millionen finden ihren Weg vom Kontinent auf die Insel. Keine Zahl zeigt besser, wie eng die Verflechtungen zwischen Großbritannien und den anderen EU-Ländern sind. Gerade im Arzneimittelsektor spielt das Vereinigte Königreich weltweit eine wichtige Rolle. Entsprechend hoch ist bislang noch sein Gewicht innerhalb der EU. Sichtbares Zeichen ist der Sitz der europäischen Zulassungsbehörde EMA in London. Doch auch das ändert sich gerade. Nach dem Brexit-Votum der Briten muss die Behörde im März 2019 nach Amsterdam umziehen.

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Sachfragen ungeklärt

Der Brexit wird damit zum mehrfachen Stresstest für Pharma-Unternehmen! Sämtliche Zulassungen und Genehmigungen für Medikamente, aber auch für klinische Studien, bei denen der Rechteinhaber in Großbritannien sitzt, müssen auf ein EU-Land übertragen werden. Und das unter Zeitdruck, weil Ende März nächsten Jahres der Brexit nach den EU-Verträgen wirksam wird und gleichzeitig die europäische Arzneimittelbehörde umzieht. Während viele Fragen im Arzneimittelsektor schnell geklärt werden müssen, kommt die Politik bei den Verhandlungen über die grundsätzliche Gestaltung des BREXIT seit Monaten nicht von der Stelle. Das bremst zusätzlich. Denn wenn es im Großen und Ganzen nicht weitergeht, liegt die Klärung vieler Sachfragen auf Eis.

Vorsichtige Entflechtung

Die sehr enge Verflechtung bei der Herstellung und beim Vertrieb von Medikamenten und bei der Durchführung von klinischen Studien zwischen Europa und Großbritannien lässt sich nicht auf Knopfdruck beenden: Eine vorsichtige Entflechtung in lebenswichtigen Bereichen, wie dem der Arzneimittelversorgung, ist der bessere und verantwortungsvollere Weg. Von daher wäre eine verlängerte Übergangsfrist für das Wirksamwerden des BREXIT aus Sicht der forschenden Pharma-Unternehmen dringend erforderlich!



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Zu diesem Thema sprach Deutscjhlandfunk mit unserem Geschäftsführer Forschung/Entwicklung/Innovation, Dr. Siegfried Throm. Den entsprechenden Beitrag können Sie hier nachhören: https://www.deutschlandfunk.de/grossbritannien-eu-brexit-gefahr-fuer-die.766.de.html?dram:article_id=428959