Malaria gehört weltweit mit jährlich mehr als 200 Millionen Erkrankten und etwa 800.000 Toten immer noch zu den größten Gesundheitsproblemen und ist auch ein wichtiger Armutsfaktor. Mehr als drei Milliarden Menschen sind infektionsgefährdet; insbesondere für Kleinkinder und Schwangere ist die Malaria lebensbedrohend. Aber die Weltgesundheitsorganisation WHO, Hersteller von Medikamenten, öffentlich-private Organisationen zur Produktentwicklung, Hilfsorganisationen und akademische Forschungseinrichtungen arbeiten mit Erfolg daran, die Zahl der Toten und Erkrankten zu senken.

Die Experten beim Parlamentarischen Abend zur Malaria (von links nach rechts): Dr. Paul Aliu (Novartis), Prof. Dr. Jürgen May (Bernhard-Nocht-Institut), Dr. Silvia Schwarte (WHO), Dr. Jörg Möhrle (MMV) und Prof. Dr. Peter Hammann (Sanofi-Aventis) (© DAS e.V.)



Das wurde auf einem parlamentarischen Abend von vfa und Deutscher Afrika Stiftung am 14. April 2011 in Berlin deutlich. Klar wurde aber auch: Diese und die weiteren im Kampf gegen Malaria aktiven Einrichtungen brauchen die Hilfe der Politik bei der Koordination, um weitere Erfolge erzielen zu können.

Malaria wird durch verschiedene Einzeller der Gattung Plasmodium hervorgerufen, die von Anopheles-Stechmücken übertragen werden. Die Krankheit kommt in tropischen und subtropischen Ländern rund um den Globus vor, doch sind mit Abstand die meisten Toten in Afrika zu beklagen.

Bettnetze und Kombipräparate drängen die Malaria zurück
Die gefährlichste Form der Malaria – die Malaria tropica – ist gut behandelbar, seit es zuverlässige Kombinationspräparate auf Basis des Pflanzenstoffs Artemisinin gibt. An ihrer Entwicklung haben forschende Pharma-Unternehmen mitgewirkt, sie produzieren diese auch geben sie in ärmeren Ländern zu Sonderkonditionen ab. Zu einem wichtigen Element der Malariabekämpfung hätten sich auch insektizidbeschichtete Bettnetze entwickelt, berichtete Dr. Silvia Schwarte von der WHO beim parlamentarischen Abend. Einige Länder hätten dank ihrer Anstrengungen einen deutlichen Rückgang der Malaria zeigen können, etwa Ruanda und Sambia.

Fortschritte gebe es auch speziell bei der Malariabehandlung von Kindern, seit ein wirksames Kombinationspräparat speziell für Kinder verfügbar sei – die Minitabletten lassen sich auf einem Löffel mit wenig Flüssigkeit zerdrücken und können dann auch von Kleinkindern leicht eingenommen werden. Davon berichtete Dr. Paul Aliu von Pharmaunternehmen Novartis, das dieses Medikament mit entwickelt hat.

Für ein weiteres notorisches Problem der Malariabekämpfung zeichne sich ebenfalls eine Lösung ab, so Aliu, nämlich für die Sicherstellung der Verfügbarkeit der Medikamente vor Ort. Häufig sei diese bislang nicht gegeben gewesen, weil nicht rechtzeitig Nachschub bestellt wurde. Das Projekt „SMS for Life“ auf Basis von Mobilfunk, der auch in vielen Entwicklungsländern mittlerweile längst alltäglich geworden ist, schafft Abhilfe: Dabei geben Krankenstationen und Apotheken sowie Arzneimittelzwischenlager wöchentlich ihre Medikamentenbestände per SMS mit einem einfachen Buchstabencode an ihren Zulieferer durch. Im Rahmen eines Pilotprojektes, für das ein Mobilfunkbetreiber SMS-Gratispakete spendete, konnte so die Zahl der „out of stock“-Fälle drastisch gesenkt werden.

Trotz all dieser erfreulichen Fortschritte gebe es aber noch große Hindernisse zu überwinden, wie wiederum Dr. Silvia Schwarte von der WHO erläuterte: So würde die Wirkungsweise und Sinnhaftigkeit von Bettnetzen nicht überall von der Bevölkerung begriffen. Bei der Medikamentenversorgung sei die weite Verbreitung von minderwertigen Nachahmerpräparaten und gefälschten Präparaten ein Problem. Besorgniserregend sei ferner das Auftreten erster Teilresistenzen gegen den Wirkstoff Artemisinin in Südostasien: Artemisinin-basierte Kombinationspräparate seien hier noch wirksam, doch müssten sie erheblich länger als früher eingenommen werden, bis die Malaria überwunden ist. Auch sei der Finanzbedarf zur Malariabekämpfung erheblich höher als die derzeit insbesondere durch den Globalen Fonds bereitgestellten Mittel.

Malariamedikamente von morgen
Gleich mehrere Gründe machten es nötig, unbedingt heute schon in die Entwicklung künftiger Malariamedikamente zu investieren, erklärte Dr. Jörg Möhrle von der in Genf ansässigen Produktentwicklungsgesellschaft Medicines for Malaria Venture (MMV): Zum einen müsse man damit rechnen, dass die Erreger gegen jedes Medikament früher oder später resistent werden. Zum anderen seien fast sämtliche bislang verfügbaren Medikamente nicht zur Bekämpfung aller Erregerarten geeignet; ein Defizit bestehe insbesondere an Mitteln gegen die vor allem in Asien und im westpazifischen Raum auftretende Erregerart Plasmodium vivax. Zum dritten richteten sich die bisherigen Präparate fast ausnahmslos nur gegen eins der Entwicklungsstadien des Erregers im menschlichen Blut; andere Stadien blieben für Bekämpfungsstrategien bislang ungenutzt.

Deshalb arbeite MMV eng mit forschenden Pharma-Unternehmen sowie akademischen Einrichtungen bei der Erforschung und Entwicklung neuer Medikamente zusammen. Einen Großteil der Finanzierung steuerten große Stiftungen wie die Bill and Melinda Gates Foundation bei; die Firmen brächten aber auch eigene Finanzmittel, vor allem aber Manpower, technische Ressourcen, Knowhow und ihre Substanzbibliotheken in die Kooperationen ein.

So sei das bereits erwähnte kindgerechte Medikament Ergebnis einer solchen Zusammenarbeit. Weitere Präparate befänden sich in der klinischen Erprobung, vor allem aber gebe es etliche Projekte zur Erfindung neuer Wirkstoffe im Labor (Link: http://www.mmv.org/research-development/science-portfolio).

Um neue Malaria-Wirkstoffe zu erfinden, könne ein Unternehmen auf unterschiedliche Weise vorgehen, erläuterte Prof. Dr. Peter Hammann vom Unternehmen Sanofi-Aventis, Frankfurt a.M., das selbst mehrere Projekte vorantreibt. Zum einen könne man schon vorhandene Wirkstoffe weiterentwickeln, damit die veränderten Moleküle trotz Resistenzmechanismen gegen ihre Vorläufer wirksam sind. Zum Anderen könne man auch nach Wirkstoffen mit neuen Wirkprinzipien suchen. Letzteres sei naturgemäß aufwendiger und habe geringere Erfolgschancen, aber mit solchen Wirkstoffen könne man möglicherweise länger als mit anderen ohne Resistenzprobleme behandeln.

Es liege bei dieser Vorgehensweise nahe, Hemmstoffe gegen solche Proteine des Malariaerregers zu erfinden, die keinerlei Ähnlichkeit mit menschlichen Proteinen haben, denn solche Hemmstoffe stören mutmaßlich den menschlichen Stoffwechsel nicht. Schneller komme man jedoch voran, so Hammann, wenn man genau das Gegenteil tue und sich auf Erregerproteine konzentriere, die menschlichen Proteinen ähnelten. Wenn nämlich im Rahmen eines anderen Arzneimittelprojektes schon einmal Hemmstoffe gegen das menschliche Protein entwickelt worden seien, dann könne man diese als Prototypen für Malariawirkstoffe verwenden. Forscher müssten ihren atomaren Aufbau dann „nur“ noch die Spezifika des Erregerproteins anpassen. Auch dies sei eine langwierige Arbeit, aber sie sei immer noch schneller zu realisieren als die Erfindung eines Wirkstoffs gegen ein für Pharmaforscher gänzlich unbekanntes Protein.

Impfstoffe
Neben therapeutischen Medikamenten werden auch Impfstoffe entwickelt. Während alle Versuche dieser Art bis in die späten 1990er-Jahre scheiterten, gebe es mittlerweile mehrere aussichtsreiche Kandidaten in klinischer Erprobung, so berichtete Prof. Dr. Jürgen May vom Hamburger Bernhard-Nocht-Institut. Der bislang am weitesten fortgeschrittene Impfstoff „RTS,S“ (erfunden von Forschern der Firma GlaxoSmithKline) werde schon in der letzten klinischen Phase (Phase III) vor der Zulassung getestet. Er sei speziell für Kleinkinder gedacht und zeige ermutigende Resultate: Er sei imstande, die Todesrate und die Zahl schwerer Malariainfektionen erheblich zu senken, auch wenn er keinen absoluten Schutz vor einer Infektion bieten könne. Der Impfstoff beeinträchtige auch nicht die Ausbildung der natürlichen Malaria-Immunität, die Menschen, die einige Jahre lang in Malariagebieten gelebt haben, vor schweren Malariaverläufen schützt. Dies sei sehr wichtig, denn man müsse davon ausgehen, dass der durch den Impfstoff hervorgerufene Schutz nicht lebenslang anhalte.

Weitere Impfstoffe befänden sich in früheren Erprobungsstadien. Deutsche Einrichtungen wie das Bernhard-Nocht-Institut oder die Universität Tübingen seien an der Erprobung über afrikanische Partnereinrichtungen wie das Albert-Schweitzer-Hospital in Lambarene, Gabun, beteiligt.

Koordination nötig
Es wurde deutlich, dass das Engagement gegen die Malaria eine breite Basis hat und auch forschende Pharma-Unternehmen als Lieferanten zuverlässiger Medikamente und als Erfinder künftiger Präparate und Impfstoffe eine wichtige Rolle spielen, in der sie auch ihre spezifischen Kompetenzen einbringen.

In der Diskussion der Referenten mit Teilnehmern aus der Politik und von Hilfsorganisationen wurde aber auch klar, dass die einzelnen Akteure keine Gesamtkoordination oder -priorisierung leisten können.

Es ist deshalb eine wichtige Aufgabe für die Politik, das Engagement von forschenden Unternehmen, akademischen Einrichtungen, Hilfsorganisationen und betroffenen Ländern künftig stärker zu koordinieren. Darüber hinaus sollten die Forschungs- und die klinischen Entwicklungseinrichtungen vor Ort, insbesondere in Afrika, gezielt gefördert und ausgebaut werden, was gleichfalls vor allem eine Herausforderung für die deutsche und europäische Entwicklungszusammenarbeit sei.