Die forschenden Pharma-Unternehmen behalten ihre Innovationskraft bei. Für das Jahr 2014 planen sie die Markteinführung von 27 Innovationen mit neuen Wirkstoffen, davon acht aus bio- bzw. gen-technologischer Entwicklung. Die Rahmenbedingungen stimmen die Branche zwar verhalten optimistisch. Die Politik sollte aber alles vermeiden, was die Bereitschaft der Unternehmen wieder schmälert, Risiken einzugehen.



Die Prognosen der forschenden Pharma-Unternehmen für 2013 haben sich bestätigt und damit in den Gesamttrend der letzten vier Jahre eingereiht: (s. Tabelle)

  • Der Inlandsumsatz ist nur marginal gestiegen und hat in 2013 gerade einmal das Niveau von 2010 erreicht.
  • Die starke Auslandsnachfrage hat weiterhin das Exportgeschäft beflügelt (ca. + 4 %).
  • der Personalstand ist auf niedrigerem Niveau knapp gehalten (77.600 Stellen).
  • Investitionen in Sachanlagen haben sich auch auf einem niedrigeren Niveau eingependelt (rund 900 Millionen €)
  • Leichte Steigerung bei F&E-Aufwendungen nach dem Rückgang in 2010/11 auf rund 5,5 Mrd. €.


Entwicklung von Umsatz, FuE-Aufwendungen, Investitionen und Personal der vfa-Mitgliedsunternehmen

Stand: Januar 2014 (© vfa)

Stand: Januar 2014

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All das belegt, dass der Pharma-Standort Deutschland in den letzten vier Jahren auch von seiner Substanz gelebt hat. Es ist vor allem die die gestiegene Nachfrage aus dem Ausland (Exportaktivität), welche die Belastungen unserer Industrie durch die ordnungspolitisch fragwürdigen „Kostendämpfungsinstrumente“ in Deutschland abgefedert haben, gerade auch in Bezug auf unsere Investitionen.

Wir und auch unabhängige Experten sind der Überzeugung, dem Pharma-Standort Deutschland haben diese Instrumente volkswirtschaftlich im Ergebnis mehr geschadet als genutzt. (Wifor, Basys)

Wenn uns eines gelungen ist in der zurückliegenden Legislaturperiode, dann ist es auch ein etwas besseres Verständnis für die Bedeutung der industriellen Gesundheitswirtschaft für die Gesellschaft und die Wirtschaft in der Politik zu verankern.

Ausblick auf das Jahr 2014

Und auch deshalb sind unsere Unternehmen für 2014 verhalten optimistisch.

Zum einen haben wir unsere Innovationskraft nicht verloren. Im nächsten Jahr planen wir die Markteinführung von 27 Innovationen mit neuen Wirkstoffen (im Vorjahr: 30), davon 8 aus bio- bzw. gen-technologischer Entwicklung.

Neue Mittel gegen multiresistente Keime (zwei neue Breitband-Antibiotika und zwei neue Medikamente gegen Tuberkulose) - deren Bekämpfung hat übrigens auch Eingang in den Koalitionsvertrag gefunden-, für eine noch höhere Heilungsquote bei Hepatitis C, für mehr Schutz vor Krankheitsschüben bei Multipler Sklerose sowie wirksamere Mittel gegen mehrere Formen von Krebs dürften zu den wichtigsten medizinischen Neuerungen 2014 zählen.

Auch trägt die pharmazeutische Industrie ihren Teil zur Umsetzung des Nationalen Aktionsplans für Menschen mit seltenen Erkrankungen bei, der vor einem halben Jahr verabschiedet wurde z.B. erwarten wir neue Medikamente gegen Infektionen bei Frühgeborenen, erblichen Muskelschwund oder das Morquio A-Syndrom – eine Krankheit, die zu deformierten Knochen führt.

Gesundheits- und wirtschaftspolitische Rahmenbedingungen

Optimistischer schauen wir auch deshalb in die Zukunft, weil Gesundheitsminister Gröhe in einem seiner ersten Interviews verkündet hat, dass Deutschland auch weiterhin in der Weltspitze bei der Arzneimittelforschung mitspielen solle. (Quelle BamS vom 5.1.14)

So ist auch im Koalitionsvertrag ein Innovationsdialog festgeschrieben, der eine ressortübergreifende Zusammenarbeit des Gesundheits-, Wirtschafts- und Forschungsministeriums garantieren soll.

Arzneimittelpolitik ist nicht nur Versorgungspolitik sondern auch Industriepolitik und muss deshalb auch im Kontext mit Gesundheit, Wirtschaft und Wissenschaft gesehen werden.

Dass diese ressortübergreifende Betrachtungsweise zunehmend an Akzeptanz gewinnt, zeigt sich auch daran, dass sich andere Verbände, z.B. der BDI aber auch die Gewerkschaften - insbesondere die IG BCE, zunehmend für ein besseres Verständnis der Bedeutung der industriellen Gesundheitswirtschaft einsetzen.

Denn die Zahlen und Fakten des letzten Jahres haben belegen können, dass die pharmazeutische Industrie eine „Infrastrukturindustrie“ ist. Wir lösen mit unserer Wertschöpfungskette von der Forschung über die Produktion bis hin zur Distribution auch in den vor- und nachgelagerten Branchen hohe Beschäftigungs- und Wertschöpfungseffekte aus.

Oder anders ausgedrückt, die Branche wirkt wie eine „Wachstumspille“ für den Standort Deutschland und schafft vor allem über den steigenden Exportanteil der vfa-Mitgliedsunternehmen einen Beitrag für die deutsche Volkswirtschaft.

Was heißt das jetzt alles konkret für das Jahr 2014?

Inlandsumsätze

Bezüglich der Inlandsnachfrage haben sich die Erwartungen der Unternehmen im Vergleich zum Vorjahr nicht wesentlich verändert. Etwas mehr als die Hälfte der Unternehmen rechnet 2014 mit leichten bis mittleren Steigerungen ihres Inlandsumsatzes.

Bei der Abfrage wurde die Reduktion des Herstellerrabatts zu Beginn des Jahres 2014 berücksichtigt. Hierbei handelt es sich um einen einmaligen positiven „Preiseffekt“, der zusammen mit der erwarteten Nachfragesteigerung zu einem Arzneimittelmarktwachstum von ungefähr 5% bis 6% führen wird. Davon entfällt etwa die Hälfte auf den darunter liegenden Nachfrage-Struktureffekt, also das Mengenwachstum durch Mehrverbrauch. Die andere Hälfte entsteht durch die Reduktion des Zwangsrabatts.

Export

Fast die Hälfte der Unternehmen geht von einem Exportzuwachs aus. Im Vorjahr war dies nur knapp ein Drittel. Allerdings wird der Zuwachs ganz überwiegend als moderat eingeschätzt.
Wir stehen damit vor einer in Deutschland über die letzten Jahre gewachsenen strukturellen Besonderheit: die zunehmende Abhängigkeit unserer Industrie vom Export (für die gesamte Industrie liegt die Exportquote bei 67 %).
Damit aus dieser Exportabhängigkeit kein Fallstrick für die Versorgung der deutschen Patienten mit innovativen Arzneimitteln und keine Schwächung des Pharmastandortes Deutschland wird, sollte politisch alles vermieden werden, was die Bereitschaft von Unternehmen in Deutschland schmälert, Risiko zu tragen – das verlangt z.B. auch eine kluge nicht überziehende Regulierung des Arzneimittelmarktes.
Denn Deutschland ist Leit- und Referenzmarkt für Innovationen. Und deshalb ist die Akzeptanz von Innovationen im Heimatmarkt und eine schnelle Diffusion in die Versorgung auch maßgeblich für den Erfolg im Exportgeschäft. Nicht nur „made in Germany“, sondern auch „used in Germany“ entscheiden über den wirtschaftlichen Erfolg.

F&E-Aufwendungen

Erfreulich ist der Trend in unseren Unternehmen, die F&E-Aufwendungen in Deutschland weiter zu steigern. 37,5 Prozent der Unternehmen planen, ihre Aufwendungen im nächsten Jahr zu erhöhen. Der Anteil der Unternehmen, die reduzieren wollen, ist gleich geblieben (ein Viertel), jedoch ist das geplante Ausmaß der Kürzungen geringer. Gleichzeitig planen über die Hälfte der Unternehmen (52,4 %) auch die F&E-Aufwendungen im Ausland zu erhöhen.

Heute unterhalten 23 von 44 Mitgliedsfirmen ihre Laborforschung auch in Deutschland. Von den neuen Wirkstoffen, die international in Studien sind, kommen 12 Prozent aus diesen Labors.

Investitionen in Infrastruktur

„Made in Germany“ bleibt wichtig, und das zeigt sich durch eine ebenfalls erhöhte Investitionsbereitschaft. 38,5 Prozent der Firmen planen, mehr in Infrastruktur (Sachanlagen) zu investieren. Im Vorjahr waren dies nur 25,9 Prozent. Allenfalls leicht reduzieren wollen nur 15,4 Prozent (im Vorjahr 18,5 Prozent).

Die grundsätzliche Bereitschaft unserer Branche, ihre in Deutschland erzielten Erlöse auch vermehrt hierzulande zu reinvestieren, nimmt nach einer Phase der Stagnation in den zurückliegenden drei bis vier Jahren wieder Fahrt auf. Bei der Produktion von Biopharmazeutika ist Deutschland weltweit nach den USA die Nummer 2.

Beschäftigte

Damit einher geht auch ein erfreulicher Optimismus bezüglich der Beschäftigtenzahlen. Die Zahl der Beschäftigten wird voraussichtlich in 2014 wieder steigen. 44,0 Prozent der Unternehmen wollen ihr Personal aufstocken, davon 12,0 Prozent deutlich. Zwar plant auch knapp ein Drittel (32,0 Prozent) der Unternehmen Personalabbau. Dies sind jedoch weniger als im Vorjahr (38,5 Prozent), und das Ausmaß des Personalabbaus soll geringer ausfallen.

Ausblick:

Wir haben die Chance auf eine Trendumkehr. Diese „Trendumkehr“ ist von besonderer volkswirtschaftlicher Bedeutung, denn jeder von uns investierte Euro generiert zusätzlich einen weiteren Euro im Umfeld und jeder von uns geschaffene neue Arbeitsplatz schafft 2 bis 3 Arbeitsplätze bei den unserer Wertschöpfungskette vor- und nachgelagerten Industrien und Zulieferern.
Wir sind bezogen auf die Rahmenbedingungen verhalten optimistisch. Die Politik sollte aber alles vermeiden, was die Bereitschaft unserer Unternehmen wieder schmälert, Risiken einzugehen.
Deshalb wünschen sich die forschenden Pharma-Unternehmen: eine kluge nicht überziehende Regulierung des Arzneimittelmarktes (AMNOG 2.0).
Die aktuellen pharmapolitischen Gesetzesinitiativen, wie

  • die Erhöhung des Herstellerrabatts von 6 auf 7 Prozent
  • die Fortführung des Preismoratoriums bis Ende 2017

sind aus unserer Sicht nach wie vor ordnungspolitisch verfehlt, auch im Sinne der EU Transparenzrichtlinie, und sollten in ihrer Laufzeit verkürzt und bezogen auf das Preismoratorium zusätzlich mit einem Inflationsausgleich bedacht werden.

Wir begrüßen die Aufhebung des Bürokratiemonsters „Bestandsmarkt-Nutzenbewertung“, erwarten aber, dass diese vollumfänglich entfällt (inkl. Gliptine).

Wir stehen zu den Vereinbarungen des Koalitionsvertrages. Jetzt aber sind beim aktuellen Gesetzgebungsprozess beunruhigende Signale erkennbar, die einen ordnungspolitisch fundamentalen Punkt betreffen. Es besteht die konkrete Gefahr, dass scheinbare technische Änderungsanträge tatsächlich die Grundstruktur des AMNOG radikal ändern. Bislang verhandeln wir hier in Deutschland Rabatte für unsere Arzneimittel und nicht Preise, weil wir eine staatliche Preisfestsetzung in Deutschland strikt ablehnen. Doch gerade dies soll durch eine kurzfristige Aktion passieren, es sollen keine Rabatte sondern Preise verhandelt werden – das bedeutet ein staatliches Monopol auf Preise. Dies hätte fundamentale Auswirkungen auf unsere Industrie und wäre ein wirtschafts- wie ordnungspolitisch verfehltes Signal. Wir hoffen, dass hier Vernunft einkehrt.

Wir haben in Deutschland die Kompetenz und die Kapazität, um aus Ideen wirksame Medikamente zu machen. Dennoch vermissen wir nach wie vor eine steuerliche Forschungsförderung. Jede politische Initiative in diesem Bereich wäre ein starkes Zukunftssignal und würde Deutschland international noch wettbewerbsfähiger machen.

Laut Mitte Januar getätigter Äußerungen des neuen Wirtschaftsministers Gabriel, geht es ihm darum, „dass die Politik staatliches Handeln und einen staatlichen Ordnungsrahmen mit marktwirtschaftlichen Prozessen intelligent kombiniert“. (Handelsblatt vom 17.1.14)


Zusammenfassung:
  • Der Pharma-Standort Deutschland hat in den vergangenen vier Jahren auch von seiner Substanz gelebt, da die „Kostendämpfungsinstrumente“ dem Industrie-Standort Deutschland volkswirtschaftlich keinen „Zusatznutzen“ gebracht haben.


  • Vor allem die gestiegene Nachfrage aus dem Ausland (Exportaktivität) hat die Belastungen unserer Industrie durch die ordnungspolitisch fragwürdigen „Kostendämpfungsinstrumente“ in Deutschland abgefedert, auch in Bezug auf Investitionen.


  • Es ist uns aber auch gelungen, in der Politik ein besseres Verständnis für die Bedeutung der industriellen Gesundheitswirtschaft für die Gesellschaft, die Wissenschaft und die Wirtschaft zu erreichen.


  • Damit gewinnen unsere Unternehmen an Zuversicht zurück und sind für 2014 verhalten optimistisch.
  • - Wir erwarten sowohl für seltene, aber auch für die sogenannten Volkskrankheiten neue und bessere Behandlungen
    - Für die Inlandsnachfrage erwarten wir eine Steigerung im mittleren einstelligen Bereich unter Berücksichtigung des Einmaleffektes durch die Reduktion des Herstellerrabatts
    - Weiterhin aufgehellte Perspektiven bzgl. Auslandsnachfrage
    - Steigerung der Investitionen in Sachanlagen und F&E
    - Erholung der Beschäftigtenzahlen
    - In Deutschland erzielte Mehrerlöse werden auch in Deutschland reinvestiert.


  • Eine kluge, nicht überziehende Regulierung des Arzneimittel-marktes sowie eine steuerliche Forschungsförderung kann die-se Entwicklung positiv verstärken.