"In den Medien heißt es, dass Patienten mit chronischen Erkrankungen ein Prozent des Bruttoeinkommens, die Anderen zwei Prozent des Bruttoeinkommens selbst zu tragen haben. Welches Einkommen ist gemeint, das der Familie oder das des betroffenen Patienten? Und auf das Einkommen aus welchem Jahr bezieht sich das? Bei vielen Betroffenen und Familien ändert sich doch von Jahr zu Jahr das Einkommen."

Ausgangswert für die Berechnung der seit Januar 2004 geltenden Zwei-Prozent-Zuzahlungsobergrenze stellt das jährliche Familien-Bruttoeinkommen dar. Es errechnet sich aus dem monatlichen Einkommen sowie den Sonderzahlungen, wie Weihnachts- und Urlaubsgeld plus ein eventuelles Einkommen aus Miete und Zinsen. Nach Auskunft von Krankenkassen findet eine rückwirkende Berechnung des Jahreseinkommens statt. Der Einkommenssteuerbescheid für das betreffende Befreiungsjahr ist nachzureichen. Bei Ehepaaren und Familien dürfen für die Berechnung dieser Belastungsobergrenze Freibeträge für die Kinder und die nicht berufstätige Ehefrau abgezogen werden, wodurch sich das jährliche Bruttoeinkommen vermindert. Konkret heißt das, dass sich das anrechnungsfähige Haushaltseinkommmen bei Familien oder Ehepaaren durch Kinderfreibeträge pro mitversicherten Kind um 3.864 Euro und durch den Freibetrag für den nicht arbeitenden Ehepartner um 4.536 Euro verringert.

Mit dem Einkommensnachweis (Gehaltsbescheinigung, Renten- oder Arbeitslosenbescheid) und allen Belegen für bereits gezahlte Zuzahlungen einschließlich der Praxisgebühr kann bei der jeweiligen Krankenkasse die Befreiung von weiteren Zuzahlungen beantragt werden. Diese Zuzahlungsbefreiung gilt nur für ein Kalenderjahr.

Kinder und Jugendliche bis 18 Jahre sind - mit Ausnahme der Fahrkosten - von allen Zuzahlungen befreit.

Für chronisch Kranke gilt bekanntlich die Grenze von einem Prozent des Bruttoeinkommens. Als chronisch krank gilt, wer mindestens ein Jahr lang einen Arztbesuch pro Quartal wegen derselben Krankheit nachweisen kann und zusätzlich eines der folgenden drei Kriterien erfüllt:

  • Entweder es liegt eine Pflegebedürftigkeit der Pflegestufe 2 oder 3 vor,

  • oder es liegt ein Grad der Behinderung oder eine Erwerbsminderung von mindestens 60 Prozent vor

  • oder es ist eine kontinuierliche medizinische Versorgung notwendig, ohne die nach ärztlicher Einschätzung eine lebensbedrohliche Verschlimmerung der Erkrankung, eine Verminderung der Lebenserwartung oder eine dauerhafte Beeinträchtigung der Lebensqualität durch die von der Krankheit verursachte Gesundheitsstörung zu erwarten ist. Medizinische Versorgung bedeutet hier ärztliche oder psychotherapeutische Behandlung, Arzneimitteltherapie oder die Versorgung mit Heil- und Hilfsmitteln. Darüber wird eine ärztliche Bescheinigung ausgestellt. Dann kann die Krankenkasse eine Herabsetzung der Belastungsgrenze von zwei auf ein Prozent der jährlichen Bruttoeinnahmen vornehmen.


Die reduzierte Belastungsgrenze bei Zuzahlungen für chronisch Kranke gilt seit 1.1.2008 nur dann, wenn sich der Patient an regelmäßiger Gesundheitsvorsorge beteiligt hat oder sich therapiegerecht verhält.

Hierbei gelten bestimmte Altersgrenzen:

  • Wer nach dem 1.4.1972 geboren ist und das 35. Lebensjahr vollendet hat, muss jedes 2. Jahr am allgemeinen Gesundheitscheck zur Früherkennung von Krankheiten, insbesondere von Diabetes, Herz-, Kreislauf- und Nierenerkrankungen teilnehmen. Wer das nicht tut und chronisch erkrankt, für den liegt die Belastungsgrenze bei 2 % vom Bruttoeinkommen.
  • Frauen, die nach dem 1.4.1987 geboren sind und das 20. Lebensjahr vollendet haben, sowie Männer, die nach dem 1.4.1962 geboren sind und das 45. Lebensjahr vollendet haben, und die an einer Krebsart erkranken, wofür Früherkennungsuntersuchungen angeboten werden, können die 1-%-Belastungsgrenze nur dann in Anspruch nehmen, wenn sie sich über die Chancen und Risiken der entsprechenden Untersuchungen von einem hierfür zuständigen Arzt haben beraten lassen. Diese Beratung muss in einem Präventionspass dokumentiert worden sein. Diese Regelung umfasst zunächst die Untersuchungen zur Früherkennung von Brust-, Darm- und Gebärmutterhalskrebs.
  • Ausgenommen von der Pflicht zur Beratung sind Versicherte
    o mit schweren psychischen Erkrankungen,
    o mit schweren geistigen Behinderungen oder
    o die bereits an der zu untersuchenden Erkrankung leiden.
  • Für Menschen, die älter sind und chronisch erkranken, gilt die 1-%-Belastungsgrenze, wenn sie eine Bescheinigung vom Arzt über ein therapiegerechtes Verhalten vorlegen.
  • Ausgenommen sind Schwerbehinderte mit einem Grad der Behinderung über 60 und Pflegebedürftige der Pflegestufen II oder III.


Sozialhilfeempfänger sind mit dem Inkrafttreten der Gesundheitsreform nicht mehr von Zuzahlungen befreit. Ihre Belastungsgrenze liegt bei ein beziehungsweise zwei Prozent des regional unterschiedlichen Regelsatzes für einen Haushaltsvorstand.