"Kann es sein kann, dass ein Darmkrebspatient ein Medikament selber bezahlen muss, welches er im Krankenhaus nach der Operation verordnet bekommen hat? Leider hat mir mein Hausarzt nach Entlassung mitgeteilt, dass es sich bei dem in der Klinik verordneten und zugelassenen Selen-Medikament um ein Arzneimittel handelt, das die Kassen nicht erstatten. Ist dies richtig und warum?"

Mit dem GKV-Gesundheitsmodernisierungsgesetz (GMG) sind ab 01.01.2004 grundsätzlich nur noch verschreibungspflichtige Arzneimittel zu Lasten der gesetzlichen Krankenversicherung verordnungsfähig. Rezeptfreie Arzneimittel, das heißt solche, die der Patient ohne Kassenrezept in der Apotheke selbst erwerben kann, werden von den Krankenkassen nicht mehr erstattet. Einige wenige rezeptfreie Medikamente, die als Standardtherapeutika bei ausgewählten schwerwiegenden Erkrankungen eingesetzt werden, sind von dieser Regelung ausgenommen. Diese sind Bestandteil einer so genannten Ausnahmeliste, die seit 16.03.2004 in Kraft ist und regelmäßig aktualisiert wird. Der Gemeinsame Bundesausschuss, ein Selbstverwaltungsgremium, das aus Vertretern der Ärzteschaft und der Krankenkassen besteht, legt fest, welche rezeptfreien Standardtherapeutika bei schwerwiegenden Erkrankungen ausnahmsweise verordnet werden dürfen.

Mit dem Ausschluss rezeptfreier Arzneimittel aus der Erstattungsfähigkeit der Krankenkassen möchte der Gesetzgeber erreichen, dass die Krankenkassen finanziell entlastet werden und weiterhin in der Lage bleiben, alle die Arzneimittel dem Patienten erstatten zu können, die für ihn besonders wichtig sind. Das umfasst alle verschreibungspflichtigen Medikamente für ernste, schwerwiegende und lebensbedrohliche Krankheiten. Aus Sicht des VFA ist diese Regelung geeignet, zu einer sinnvollen Prioritätensetzung der vorhandenen knappen Ressourcen der Krankenkassen beizutragen.

Für Ihren Fall bedeutet dies, dass sich die Erstattungsfähigkeit zugelassener selenhaltiger Medikamente am Verschreibungsstatus des konkreten Präparates orientiert. Da es sowohl rezeptfreie als auch verschreibungspflichtige Selen-Medikamente gibt, sind zwei Erstattungsfälle zu unterscheiden:

Rezeptpflichtige Selen-Medikamente

Bei nachgewiesenen Mineralstoff(Selen)mangelzuständen, die ernährungsmäßig nicht behoben werden können, und bei medizinisch begründeter Indikation kann der Arzt Mineralstoffpräparate auf Kassenrezept verordnen. Dies ist in entsprechenden Richtlinien festgelegt worden, die dem Arzt als Orientierungshilfe bei der Ausgestaltung der Arzneiverordnung dienen und die Einhaltung des Wirtschaftlichkeitsgebotes sicherstellen. Handelt es sich also bei dem Medikament, das in der Klinik verordnet wurde, um ein rezeptpflichtiges Präparat, darf es nur unter der Voraussetzung auf Kassenrezept verordnet werden, dass zuvor allgemeine nicht medikamentöse Maßnahmen genutzt wurden (z. B. diätetischer Art, Lebensführung, körperliches Training usw.) und hierdurch das Behandlungsziel nicht erreicht werden konnte.

Nicht rezeptpflichtige Selen-Medikamente

Da der Wirkstoff Selen auf der oben genannten Ausnahmeliste nicht aufgenommen wurde, sind alle rezeptfreien Selen-Präparate nunmehr vom Patienten selbst zu bezahlen.

Erkundigen Sie sich daher bei Ihrem behandelten Arzt oder beim Apotheker über den Verschreibungsstatus Ihres Selen-Medikamentes. Damit erhalten Sie selbst Auskunft über die Erstattungsfähigkeit des Medikamentes durch die Krankenkassen.