"Ich habe heute vom Arzt ein Rezept für ein Mittel gegen Fußkrämpfe ausgestellt bekommen. In der Apotheke erfuhr ich, dass ich das Mittel selbst bezahlen soll. Wo steht geschrieben, welche Medikamente privat bezahlt werden müssen? Bei bestimmten Impfungen ist das klar, aber wie verhält es sich mit Medikamenten? Ich würde gern immer vor dem Arztbesuch nachsehen wollen, ob ich bei Verordnung für eine bestimmte Indikation das Medikament selbst bezahlen muss. Und ob der Arzt berechtigt ist, ständig nur noch Privatrezepte auszustellen.
Ich bin in der gesetzlichen Krankenversicherung versichert und nicht von Zuzahlungen befreit."


Es ist richtig, dass bereits heute Patienten nicht alle Medikamente, die in der Apotheke vorrätig gehalten werden, von der Krankenkasse erstattet bekommen. Gesetzlich wird das geregelt in den so genannten Negativlisten und in den Arzneimittel-Richtlinien, nach denen sich jeder niedergelassene Arzt zu richten hat. Für gesetzlich Krankenversicherte, die das 18. Lebensjahr vollendet haben, sind folgende Arzneimittel von der Erstattung ausgeschlossen:

  • Arzneimittel bei Erkältungskrankheiten und grippalen Infekten,
  • Mund- und Rachentherapeutika,
  • Abführmittel und
  • Arzneimittel gegen Reisekrankheit.


Darüber hinaus sind auch so genannte unwirtschaftliche Arzneimittel von der Erstattung ausgeschlossen. Das sind solche Arzneimittel, deren Wirksamkeit nicht ausreichend durch Studien belegt ist. Über diese Wirkstoffe und die dazugehörigen Präparate kann Ihnen Ihr behandelnder Arzt oder Ihre Krankenkasse Auskunft erteilen. Sie stehen auf der so genannten Negativliste.

Seit dem 1. Januar 2004 werden grundsätzlich auch alle nicht verschreibungspflichtigen Arzneimittel nicht mehr von den gesetzlichen Krankenkassen erstattet. Ausgenommen davon sind Verordnungen für Kinder bis zum zwölften Lebensjahr und für Jugendliche mit Entwicklungsstörungen bis zum vollendeten 18. Lebensjahr. Außerdem existiert eine Ausnahmeliste, die diejenigen nicht verschreibungspflichtigen Arzneimittel benennt, die als Therapiestandard bei ausgewählten schwerwiegenden Erkrankungen dennoch erstattet werden. Auch hierzu wird Ihnen Ihr behandelnder Arzt oder Ihre Krankenkasse Auskunft erteilen. Sie erkennen die nicht verschreibungspflichtigen Arzneimittel grundsätzlich daran, dass auf der Umverpackung oder auf dem Behältnis der Begriff "Apothekenpflichtig" aufgedruckt ist, was bedeutet, dass diese Medikamente nur in Apotheken abgegeben werden dürfen.

Die genannte Ausnahmeliste ist Teil der Arzneimittel-Richtlinien. In diesen Richtlinien sind auch die so genannten Lifestyle-Arzneimittel aufgeführt. Hierbei handelt es sich um Medikamente, bei deren Anwendung eine Erhöhung der Lebensqualität im Vordergrund steht (z. B. Haarwuchsmittel). Diese Arzneimittel sind seit dem 1. Januar 2004 ebenfalls grundsätzlich von der Leistungspflicht der gesetzlichen Krankenversicherung ausgeschlossen.

Auch wenn diese Neuregelungen für die gesetzlich Krankenversicherten eine finanzielle Belastung darstellen, so ist diese aus Sicht des Verbandes Forschender Arzneimittelhersteller notwendig geworden, damit die Krankenkassen finanziell entlastet werden und somit weiterhin in der Lage sind, alle diejenigen Arzneimittel dem Patienten erstatten zu können, die für ihn lebensnotwendig sind. Das umfasst alle Medikamente für ernste, schwerwiegende und lebensbedrohliche Krankheiten.

Die Menschen werden immer älter und wollen natürlich auch über das gesamte Lebensalter hinweg immer die Medikamente erhalten, die ihnen am besten helfen, die den neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen entsprechen und immer weniger Nebenwirkungen aufweisen. Dies ist aber nur machbar, wenn eine vernünftige und ausgewogene Erstattungsregelung zu Lasten der Krankenkassen gefunden wird, die es gleichzeitig erlaubt, dass neue und innovative Arzneimittel den Patienten rechtzeitig zur Verfügung gestellt werden können.