Viel versprechende Substanzen melden die Hersteller gleich nach den ersten Testrunden, dem Screening, zum Patent an. Bis der patentierte Wirkstoff in Form eines Arzneimittels auf den Markt kommt, kann es jedoch noch länger als ein Jahrzehnt dauern. Viele Stoffe werden nie zu Arzneimitteln. Sie bestehen die folgenden Prüfungen nicht, weil sie zum Beispiel nicht die gewünschte Wirkung zeigen, der Körper sie nicht aufnehmen kann oder die Nebenwirkungen zu groß sind. Doch erst wenn das Arzneimittel auf dem Markt ist, kann es die Ausgaben für Forschung und Entwicklung wieder einbringen und einen Ertrag erwirtschaften.

Patente schützen eine Erfindung 20 Jahre lang, d. h. in dieser Zeit darf nur der Eigentümer die Erfindung wirtschaftlich nutzen. In besonderen Fällen kann der Hersteller für weitere fünf Jahre ein Exklusivvermarktungsrecht erhalten. Auf Grund der langen Zeit zwischen der Erteilung des Patents für den Wirkstoff und der Markteinführung des Arzneimittels hat der Hersteller in der Regel nur wenige Jahre, um einen angemessenen Ertrag für seine geistige Leistung zu erwirtschaften. Um so wichtiger ist ein wirksamer und sicherer Patentschutz für forschende Arzneimittelhersteller.

Investoren, die eine Standortentscheidung zu treffen haben, messen dem Wert und der Sicherheit des Patentschutzes am jeweiligen Standort große Bedeutung bei.

Wer Patentschutz beantragt, muss seine Idee offenlegen. Jeder kann die Unterlagen einsehen. Die Erfindung steht damit den Forschungen anderer zur Verfügung und zur gesellschaftlichen Diskussion. Das zeitlich begrenzte Monopol eines Patents zur wirtschaftlichen Nutzung einer Erfindung bietet dem Erfinder Anreiz, das Wagnis der Entwicklung einer Innovation einzugehen. Besitzrechte am Gegenstand des Patents hat er nicht.

Das gilt auch für Patente in der Gentechnik, die für forschende Arzneimittelhersteller unverzichtbar sind: Die Gentechnik ist eine Schlüsseltechnologie für den therapeutischen Fortschritt. Wenn ein Hersteller auf der Basis eines Gens ein neues Medikament herstellt oder mit Hilfe genetisch veränderter Tiere nach neuen Therapieformen sucht, braucht er die Sicherheit, dass er das Ergebnis seiner Arbeit auch vermarkten kann.

Ohne ein Patent kann kein Unternehmen die hohen Forschungs- und Entwicklungskosten tragen. Die Forschungs- und die Therapiefreiheit der Ärzte werden durch den Patentschutz im Arzneimittelbereich nicht berührt.