"In der Apotheke habe ich erfahren, dass das neue Medikament, das mir der Arzt gegen meinen hohen Blutdruck verschrieben hat, über 100 Euro kostet. Mein bisheriges Medikament kostete nur 25 Euro. Wie kommt dieser hohe Preis zustande - die chemischen Bestandteile in dem Mittel kosten doch sicher nur einen Bruchteil davon?"

Sie haben Recht: Die Inhaltsstoffe sind es in der Regel nicht, die den Preis eines innovativen Arzneimittels ausmachen. Es sind vielmehr die immens hohen Forschungs- und Entwicklungsausgaben.

Um ein neues, gut wirksames Medikament zu entwickeln, werden zunächst Zehntausende von Substanzen getestet. So genannte "Leitsubstanzen" werden identifiziert und optimiert, und die viel versprechendsten Substanzen werden dann in verschiedenen Schritten auf ihre Wirkungen und Nebenwirkungen getestet.

Im Schnitt wird nur aus einer von 5.000 bis 10.000 Substanzen letztendlich ein Medikament. Bis dahin vergehen in der Regel zehn bis zwölf Jahre. In dieser Zeit hat die Entwicklung des Medikaments rund 800 Millionen Dollar verschlungen. Diese enormen Kosten müssen von den letztendlich erfolgreichen Präparaten am Markt erwirtschaftet werden. Denn die Arzneimittelherstellter erhalten im Gegensatz zu vielen anderen Branchen praktisch keine Subventionen. Dafür bleiben dem Hersteller meist nur wenige Jahre, bis der Patentschutz ausläuft und Nachahmerpräparate, die so genannten Generika, zur Verfügung stehen. Da die Generikahersteller keine eigenen Studien zur Sicherheit und Wirksamkeit ihrer Medikamente machen, können sie diese natürlich billiger anbieten. Deswegen sind neue innovative Arzneimittel in der Regel teurer als bereits seit langem verfügbare Medikamente.