"Mein Arzt hat mir ein neues Medikament verschrieben. Dazu hatte ich noch ein paar Fragen, die ich im Beipackzettel nicht beantwortet fand. Also habe ich mir die Website des Herstellers angeschaut. Zu meinem Medikament habe ich keine Informationen gefunden, obwohl einiges zu meiner Krankheit aufgeführt war. Mir fiel aber auf, dass es Seiten gibt, zu denen man nur Zugang mit einem Passwort bekommt, wenn man Arzt ist. Warum hat nicht jedermann Zugang zu diesen Seiten?"

Häufig ist der Zugang zu diesen passwordbeschränkten Webseiten nur so genannten Fachkreisen vorbehalten, wozu auch Ärzte gehören. Dieser beschränkte Zugang zu solchen Webseiten beruht auf Vorgaben des Heilmittelwerbegesetzes. Danach ist es dem pharmazeutischen Unternehmer verboten, für rezeptpflichtige Arzneimittel gegenüber Patienten zu werben. Dabei ist unter Werbung jede Information zu verstehen, die geeignet ist, den Verkauf eines bestimmten Medikaments zu fördern. Diese Verkaufsförderungsabsicht wird nach heutigem Recht regelmäßig unterstellt, wenn der Name des Arzneimittels erwähnt wird, auch wenn die Information einen sachlich-informativen Gehalt hat.

Daher konnten Sie Ihr Medikament auf der Website des Unternehmens nicht finden. Auf den zugangsbeschränkten Seiten werden die Ärzte über die Anwendung und Wirkungsweise auch dieser rezeptpflichtigen Medikamente im Zusammenhang mit den Krankheiten, bei denen sie eingesetzt werden, informiert. Dort erhalten Sie auch ausführliche Informationen über den jeweiligen Wirkstoff der einzelnen Medikamente und neue wissenschaftliche Erkenntnisse.

Die forschenden Arzneimittelhersteller setzen sich dafür ein, dass in Zukunft eine sachgerechte Information gegenüber dem Patienten auch durch den Hersteller, also aus erster Hand, erlaubt wird. Jüngere Rechtsprechung aus dem Jahr 2004 weist den richtigen Weg: So hielt das Oberlandesgericht München die Wiedergabe einer Gebrauchsinformation eines verschreibungspflichtigen Arzneimittels im allgemein zugänglichen Teil einer Website eines Arzneimittelherstellers für zulässig; ebenso gestattete das Oberlandesgericht Frankfurt/Main den barrierefreien Zugang für jedermann zu einer von einem unabhängigen Dritten zusammengestellten Arzneimitteldatenbank.