Impfung und öffentliche Gesundheit: Einer geimpft – viele geschützt!

Impfungen nützen nicht nur den Geimpften. Sie schützen auch deren Kontaktpersonen, tragen zum Abebben von Epidemien bei und ermöglichen manchmal sogar die Ausrottung einer Krankheit. Deshalb sind Impfungen von größter Bedeutung für die öffentliche Gesundheit und Ausgaben für Impfprogramme gut investiert.


Impfkampagne der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZGA) im Jahr 2016 (© vfa)
Schutz für Kontaktpersonen
Schon für Kinder sind Windpocken keine schöne Erfahrung. Für ungeborene Kinder sind sie jedoch lebensgefährlich. Ähnliches gilt für die Röteln, die bei Ungeborenen u. a. Herz- und Gehörschäden verursachen können. Dies macht deutlich, dass jeder Geimpfte nicht nur sich selbst, sondern auch ungeimpfte Kontaktpersonen schützt. Das gilt auch für die echte Grippe, an der laut Robert Koch-Institut jährlich in Deutschland 8.000 bis 11.000 vor allem alte Menschen sterben.

Schutz vor Epidemien
Krankheiten, die stets nur von Mensch zu Mensch übertragen werden, können sich in einer Region nicht halten, wenn es dort genügend Geimpfte in der Bevölkerung gibt. Das gilt auch dann, wenn die Krankheit aus Nachbargebieten erneut eingeschleppt wird – nach kurzer Zeit verschwindet sie wieder. Ein solcher Impfschutz für eine ganze Region heißt Herdenimmunität.

Wie hoch für eine Herdenimmunität der Anteil der Geimpften an der Bevölkerung – also die Durchimpfungsrate – sein muss, ist je nach Krankheit verschieden. Bei Masern wären über 95 % erforderlich, doch sind es in Deutschland bei Grundschulkindern bisher nur 92,6 % (Stand 2013; laut RKI 2015) – und in einigen älteren Jahrgängen ist die Rate noch weitaus geringer. Deshalb kommt es immer wieder zu regionalen Epidemien wie 2015 in Berlin, 2011 in Bayern oder 2008 in Baden-Württemberg.

Ausrottung von Krankheiten
Mit den schlechten Impfraten gegen Masern durchkreuzte Deutschland die Pläne der Weltgesundheitsorganisation WHO, Europa bis 2015 masernfrei erklären zu können und bis dahin auch eine weltweite Reduktion um 95 % gegenüber den Fallzahlen von 2000 zu erzielen.

Die internationale Eradikation der Masern hat aber große Bedeutung, weil jede tausendste Masernerkrankung mit Hirnhautentzündung einhergeht, die oft mit Tod oder bleibenden Schäden endet. Internationale Besucher der Fußballeuropameisterschaft 2008 wurden deshalb vor der Maserngefahr in Deutschland gewarnt.

Zweimal ist es bereits gelungen, Krankheiten durch Impfungen aus Europa zu vertreiben: Die Pocken konnten bis 1980 ausgerottet werden sogar weltweit; und seit 2002 ist Europa auch offiziell frei von Polio, der Kinderlähmung. Letzteres ist den Schluckimpfungskampagnen (in der DDR ab 1960, in der Bundesrepublik ab 1962) zu verdanken. Mittlerweile tritt Polio nur noch in einigen Ländern Afrikas und Asiens auf (siehe Blätterseite 4).

Gute Kosten-Nutzen-Relation
Weil jede Impfung gleich mehreren Personen zu Gute kommt, haben Impfungen eine ausgesprochen gute Kosten-Nutzen-Relation. Für Impfungen (Impfstoff und Arzthonorar, Regel- und Satzungleistungen) werden in Deutschland von den gesetzlichen Krankenkassen etwa 1,27 Milliarden Euro pro Jahr ausgegeben (Stand 2014 laut Bundesministerium für Gesundheit). Das sind nur rund 7 Promille ihrer gesamten Ausgaben. Zusätzlich zu dem, was die STIKO empfiehlt (siehe Blätterseite 1), erstatten einige Kassen auch verschiedene Reiseimpfungen.

Entwicklung der Impfraten in den letzten Jahren

In Deutschland sind die Impfungen zwischen 2007 und 2010 um 25 Prozent zurückgegangen und stagnieren seither bei etwas unter 35 Millionen verordneten Impfdosen pro Jahr bei gesetzlich Krankenversicherten. Das WHO-Ziel einer Durchimpfungsrate von 95% bei Masern in Deutschland wird bislang verfehlt. Die Zahl der Grippeimpfungen im Bereich der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) ist zwischen 2009 und 2016 stetig gefallen, von 18,7 Millionen auf nur noch 12,2 Millionen Impfungen. Der jährliche Verbrauch an Impfstoffen gegen Pneumokokken (die u. a. Lungenentzündung hervorrufen können) erhöht sich bei der GKV in den letzten Jahren leicht und hat 2016 3,2 Millionen Impfdosen erreicht.

Seit 2011 angestiegen ist bei der GKV auch der Verbrauch von Impfdosen für die HPV-Impfungen gegen Gebärmutterhalskrebs: von rund 519.000 auf rund 800.000 Impfdosis-Einheiten. Das ist besonders bemerkenswert, weil in dieser Zeit das Impfschema von drei auf nur noch zwei erforderliche Impfungen umgestellt wurde; mit den heute verordneten Impfdosen also mehr Mädchen vollständig immunisiert werden können als früher.