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Die Arzneimittelindustrie im Gesundheitswesen

2009 wurde in Deutschland für Gesundheit ein deutlich höherer Anteil des Bruttoinlandsproduktes aufgewendet als in den Jahren zuvor. Grund dafür ist nicht etwa eine Explosion der Ausgaben, sondern die Entwicklung des Bruttoinlandsproduktes, das im letzten Jahr um etwa 5 Prozent gesunken ist. Die Gesundheitsausgaben sind aber insgesamt leicht gestiegen: Die Arzneimittelausgaben der GKV sind um 5,2 Prozent gestiegen, die Ausgaben für Krankenhausbehandlung um 6,4 Prozent und für ärztliche Leistungen um 6,6 Prozent. Von den Gesamtausgaben der GKV in Höhe von 170,8 Milliarden Euro entfielen im Jahr 2009 nur 4 Prozent auf die Hersteller patengeschützter Arzneimittel.

Entwicklung der Lebenserwartung in Deutschland

Nicht zuletzt dank neuer Medikamente hat sich die durchschnittliche Lebenserwartung in Deutschland in den letzten 20 Jahren bei Frauen um vier, bei Männern um fünf Jahre erhöht. So haben beispielsweise mehrere gezielt gegen Tumore gerichtete Medikamente geholfen, dass für viele Patienten die mittlere Lebenszeit nach der Diagnose Krebs z.T. deutlich länger geworden ist und in vielen Fällen ein Rückfall verhindert werden kann. Das gilt etwa bei Brust-, Darm- und Nierenkrebs, einigen Leukämien und Lymphomen. Auch der Schutz vor Krankheiten wurde verbessert, etwa durch neue Impfstoffe gegen Rotaviren, Pneumound Meningokokken. Ärzte können auch Patienten mit Diabetes oder Bluthochdruck immer besser vor lebensbedrohlichen Folgeerkrankungen bewahren. Medikamenten ist es auch zu verdanken, dass immer mehr seltene Krankheiten besser – oder überhaupt erstmals – behandelt werden können.


Steigender therapeutischer Nutzen der Arzneimittelinnovationen

Von den 122 in den letzten vier Jahren erstmalig in Deutschland zugelassenen Wirkstoffen sind – auch von kritischen Fachleuten – 90, also 74 Prozent, als Innovation oder Verbesserung mit therapeutischer Relevanz beurteilt worden. Der Anteil der neuen Wirkstoffe, die in diesem Sinne als innovativ gelten können, ist in den letzten 19 Jahren stetig angestiegen.


Wirkstoffverbesserungen sparen Kosten

Wirkstoffe, die in ihrer molekularen Struktur eingeführten Wirkstoffen ähneln, erringen vielfach therapeutische Vorteile, beispielsweise durch verbesserte Pharmakokinetik oder verminderte Nebenwirkungen. Nicht umsonst stehen zahlreiche dieser Präparate auf der „essential drug list“ der Weltgesundheitsorganisation WHO, während der Erstwirkstoff dort nicht vermerkt ist. Darüber hinaus fördern Molekülvariationen den Preiswettbewerb zwischen den patentierten Wirkstoffen einer Wirkstofffamilie. Neueste Daten des Arzneiverordnungs-Reports 2009 (S. 170) zeigen, dass Arzneimittel mit einem neuartigen Wirkstoff oder Wirkprinzip im Durchschnitt 7,25 Euro je Tagesdosis kosten, während Wirkstoffe, die mit einer Verbesserung pharmakologischer Qualitäten bereits bekannter Wirkprinzipien verbunden sind, im Durchschnitt 42 Prozent weniger kosten. Sie bieten also einen höheren Nutzen zu einem niedrigeren Preis.


Gesundheitsausgaben und Sozialprodukt

Die globale Finanz- und Wirtschaftskrise hinterlässt ihre Spuren in der volkswirtschaftlichen Bilanz des Jahres 2009. Auch wenn endgültige Zahlen noch nicht vorliegen, wird für Gesundheit ein deutlich höherer Anteil des Bruttoinlandsprodukts aufgewendet worden sein als in den Jahren zuvor. Der Grund liegt nicht etwa in einer Explosion der Kosten, sondern in der Entwicklung des Bruttoinlandsprodukts, das 2009 um rund 5 Prozent gesunken ist. Dagegen sind die Gesundheitsausgaben, sowohl die der gesetzlichen Krankenversicherung als auch die privaten Konsumausgaben, wie in den vergangenen Jahren moderat gestiegen. Da diese Ausgaben gleichzeitig die inländische Nachfrage stabilisieren, haben sie maßgeblich dazu beigetragen, die Auswirkungen der Krise auf die nationale Wirtschaft abzufedern.


Entwicklung der Ausgaben für Gesundheit

Der Langzeitvergleich zwischen 1992 und 2008 (letzte verfügbare Zahl) zeigt, dass die Ausgaben im Arzneimittelsektor nicht wesentlich stärker gestiegen sind als die Gesundheitsausgaben insgesamt.


Gesundheitsausgaben in Europa, Japan und USA

Im internationalen Vergleich wird in Deutschland – nach den USA, der Schweiz und Frankreich – der viertgrößte Anteil am Bruttoinlandsprodukt für die Gesundheitsversorgung aufgewendet. Im Gegensatz zu den anderen Staaten hat sich in Deutschland der Anteil in den letzten zehn Jahren kaum erhöht.


Ausgaben für Arzneimittel in Europa, Japan und USA

Bei den Ausgaben für Arzneimittel liegt Deutschland mit einem Anteil von 15,1 Prozent an den gesamten Gesundheitsausgaben nach wie vor deutlich unter dem Niveau der meisten europäischen Länder und Japans.


Finanzierung der GKV

Seit Jahren kämpft die gesetzliche Krankenversicherung (GKV)mit dem Problem steigender Ausgaben bei schwindenden Einnahmen. Ein wesentlicher Grund für den auffälligen Anstieg der GKV-Beitragssätze liegt in einem schwächeren Wachstum der Arbeitnehmer-Entgelte, die die wichtigste Finanzierungsbasis der GKV bilden. Der Anteil der Arbeitnehmer-Entgelte am Bruttoinlandsprodukt (BIP) sank zwischen 1992 und 2007 von knapp 60 auf unter 49 Prozent. Lediglich 2009 sanken die Unternehmens- und Vermögenseinkommen stärker als die Arbeitnehmer- Entgelte, was zu einem Anstieg des Anteils dieser Entgelte am BIP führte. Der durchschnittliche Beitragssatz in der GKV stieg im gleichen Zeitraum von 12,7 auf über 15 Prozent.


Ausgaben der GKV 2009

Mit 56,1 Milliarden Euro entfällt ein Drittel der GKV-Ausgaben von insgesamt 170,8 Milliarden Euro auf die Behandlung im Krankenhaus. Die Ausgaben für ärztliche Behandlung (27,8 Milliarden Euro; 16 Prozent) und für Arzneimittel (30,7 Milliarden Euro; 18 Prozent) machen zusammen ein weiteres Drittel aus. Für Verwaltungskosten wurden 9,0 Milliarden Euro (6 Prozent) aufgewendet. Durch die Mehrwertsteuererhöhung zum 1.1.2007 sind die Ausgaben in einigen Leistungsbereichen (insbesondere Arzneimittel) überdurchschnittlich gestiegen. Deutlich zugenommen haben auch die Aufwendungen für Prävention. Von den Gesamtausgaben der GKV entfallen nur vier Prozent (6,7 Milliarden Euro) auf die Hersteller patentgeschützter Arzneimittel.


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