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Der Arzneimittelmarkt

„Der Anteil von Biopharmazeutika am gesamten deutschen Pharmamarkt beträgt heute bereits 17 Prozent.“

Arzneimittelmarkt weltweit

Seit 1992 hat sich der Umsatz mit Arzneimitteln weltweit fast vervierfacht. Mit rund 36 Prozent bleiben die USA der weltweit größte Einzelmarkt, gefolgt von Europa und Japan. Der Anteil dieser „großen Drei“ nimmt jedoch ab. Der Rest der Welt vereinigt inzwischen etwa ein Viertel des Umsatzes auf sich, möglicherweise sind es unter Berücksichtigung der unsicheren Datenlage in vielen Ländern auch mehr. Am stärksten entwickeln sich lateinamerikanische und asiatische Märkte. 2010 betrug das Wachstum dieser Länder im Durchschnitt rund 14 Prozent, während die Steigerungsraten der etablierten Märkte unter 3 Prozent blieben.



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  • Arzneimittelmarkt weltweit in Mrd. US-Dollar
  • Arzneimittelmarkt weltweit in Prozent


Entwicklung der größten Pharma-Märkte

Mit einem Volumen von rund 35 Milliarden US-Dollar im Jahr 2010 ist Deutschland im internationalen Vergleich der drittgrößte Markt für Arzneimittel und gleichzeitig einer der Märkte mit moderatem Wachstum. Von 2001 bis 2010 stieg der Umsatz im deutschen Apothekenmarkt um rund 30 Prozent; dies entspricht einer durchschnittlichen jährlichen Steigerung um 3,4 Prozent. In demselben Zeitraum nahmen der US-amerikanische und der spanische Apothekenmarkt um rund 70 Prozent zu. Noch stärker ist das Wachstum der aufstrebenden Märkte in Asien und Lateinamerika. China als einer der dynamischsten Märkte könnte demnächst Deutschland und Frankreich überflügeln und die Stelle des drittgrößten Marktes übernehmen.



Arzneimittelumsatz pro Kopf

Deutschland belegt bei den Pro-Kopf-Umsätzen mit Arzneimitteln im europäischen Vergleich einen Platz im Mittelfeld.



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  • Arzneimittelumsatz pro Kopf 2009 in USD


Neue Wirkstoffe in Deutschland

In Sachen Innovationsfreudigkeit gehört Deutschland zu den europäischen Schlusslichtern. Nur 5,1 Prozent der Ausgaben entfielen 2010 in Deutschland auf Innovationen, die in den letzten 5 Jahren auf den Markt gekommen waren. Damit liegt der Marktanteil deutlich unter den Werten in anderen europäischen Ländern, die bis zu 18 Prozent reichen.



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  • Marktanteil Neuer Wirkstoffe in Deutschland


Anzahl der Arzneimittel in Deutschland

Die Zahl der Arzneimittel ist deutlich rückläufig. Die Rote Liste als bekanntes deutsches Arzneimittelverzeichnis enthält zurzeit 8.280 Präparateeinträge. Darunter befinden sich viele nur selten verwendete Mittel. Nach Auswertungen der GKV entfallen 90 Prozent der ärztlichen Verordnungen auf nur 2.000 Arzneimittel. Die Zahl der angebotenen Arzneimittel wird oft ungenau dargestellt. Wird z.B. nicht nur das einzelne Produkt, sondern jede Darreichungsform und Wirkstärke gesondert gezählt, kann man zu Größenordnungen von 40.000 Arzneimitteln oder mehr gelangen. Diese Zählweise ist jedoch in anderen Ländern nicht üblich und eignet sich daher nicht zu Vergleichen.



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  • Anzahl der Arzneimittel in Deutschland
  • Anteile der Arzneimittel in Deutschland


Vom Hersteller zum Patienten: Distribution und Finanzierung von Arzneimitteln im Apothekenmarkt 2010

2010 haben die pharmazeutischen Unternehmen Humanarzneimittel im Wert von 25,6 Milliarden Euro (Abgabepreise pharmazeutischer Unternehmer) für die ambulante Krankenversorgung über Apotheken zur Verfügung gestellt. Zuzüglich der Großhandels- und Apothekenzuschläge sowie der Umsatzsteuer ergibt sich damit ein Marktvolumen von 43,2 Milliarden Euro zu Endpreisen. Davon entfielen 9 Prozent auf die Selbstmedikation, 12 Prozent auf ärztliche Verordnungen außerhalb der GKV und 79 Prozent auf Verordnungen im Bereich der GKV. Diese wurden finanziert durch Selbstbeteiligung der Versicherten (5 Prozent), Rabatte der Hersteller und der Apotheken (11 Prozent) und durch die Krankenkassen selbst (84 Prozent).



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  • Vom Hersteller zum Patienten: Distribution und Finanzierung


Umsatz und abgegebene Packungen im Apothekenmarkt 2010

Die Umsätze im deutschen Apothekenmarkt sind 2010 wie im Vorjahr leicht gestiegen. Ohne Berücksichtigung gesetzlich vorgeschriebener Abschläge und individualvertraglich vereinbarter Rabatte betrug der Umsatz 25,6 Milliarden Euro, i.e. 3,7 Prozent mehr als im Vorjahr. Tatsächlich liegt der Netto-Umsatz wegen der genannten Abzüge jedoch deutlich niedriger. Die Rabatte, im Vorjahr noch bei 1,8 Milliarden Euro, stiegen 2010 auf rund 2,8 und werden 2011 voraussichtlich rund 3,8 Milliarden Euro erreichen. Die Zahl der abgegebenen Packungen erreichte 2010 ein Volumen von 1,55 Milliarden Stück, ein Rückgang von 3,0 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Dabei ging der Absatz der ohne Rezept, aber ausschließlich in Apotheken erhältlichen Arzneimittel am stärksten zurück (– 4,2 Prozent), während der Absatz der rezeptpflichtigen Medikamente um 2,6 Prozent fiel und der Absatz der frei verkäuflichen Medikamente denselben Wert wie im Vorjahr erreichte.



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  • Umsatz im Apothekenmarkt 2010
  • Abgegebene Packungen im Apothekenmarkt 2010


Parallelimporte

Der Marktanteil der parallel importierten Arzneimittel im Apothekenmarkt, 1998 noch weniger als 1,8 Prozent, ist 2010 auf 11,8 Prozent gestiegen. Wesentlichen Anteil an dieser Entwicklung hatte die gezielte staatliche Förderung. Die Einführung einer Mindestpreisdifferenz für die importierten Produkte zu den Originalen ab 2004 hat diese Entwicklung nur vorübergehend unterbrochen. Der Parallelimport konzentriert sich meist auf patentgeschützte Innovationen. Den forschenden Arzneimittelherstellern entsteht dadurch im Inland ein erheblicher Umsatzverlust. 2009 erzielten die Importeure einen Umsatz von 3,03 Milliarden Euro.



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  • Parallelimporte Wachstumsraten in Prozent


Umsatz mit gentechnisch hergestellten Arzneimitteln

Arzneimittel mit gentechnisch hergestellten Wirkstoffen (Biopharmazeutika) erzielten im Jahr 2010 nominal einen Umsatz von knapp 5,2 Milliarden Euro (Gesamtumsatz in Apotheken und Krankenhäusern zu Herstellerabgabepreisen, ohne Abzug gesetzlicher oder sonstiger Rabatte). Der Anteil der Biopharmazeutika am Gesamtpharmamarkt stieg damit von 16 Prozent auf 17 Prozent. Bereinigt um den Zwangsrabatt, ist der Umsatz mit Biopharmazeutika um rund 8 Prozent gegenüber 2009 auf knapp 4,9 Milliarden Euro gewachsen. Der 17-prozentige Anteil am Gesamtpharmamarkt wird in einzelnen Gebieten deutlich überschritten. In der Immunologie machen die Biopharmazeutika bereits drei Viertel des Umsatzes aus (74 Prozent). In den Bereichen Stoffwechsel (z. B. Diabetes) und Onkologie (z. B. Brust-, Darm- und Blutkrebs) sind es jeweils ein Drittel (35 Prozent bzw. 32 Prozent), in der nicht-onkologischen Hämatologie (z. B. Hämophilie, Anämie) knapp ein Fünftel (23 Prozent).



Umsatzverteilung im GKV-Arzneimittelmarkt 2009

Der Brutto-Umsatz mit Fertigarzneimitteln im GKV-Markt (zu Apothekenverkaufspreisen inkl. Mehrwertsteuer, ohne Berücksichtigung von Abschlägen) betrug 2010 31,9 Milliarden Euro. Rund 5 Milliarden (16 Prozent des Endpreises) entfielen auf die Mehrwertsteuer (Steuersatz: 19 Prozent). Die Abschläge, welche die Arzneimittelhersteller den gesetzlichen Krankenkassen einräumen müssen, sind durch das GKV-Änderungsgesetz 2010 deutlich erhöht worden. Hinzu kommen Rabatte aus Verträgen nach § 130a Abs. 8 SGB V. Das Gesamtvolumen der Herstellerrabatte betrug 2010 etwa 2,8 Milliarden Euro. Hinzu kommen gesetzlich vorgeschriebene Abschläge der Apotheken in Höhe von rund 1 Milliarde Euro, die jedoch für 2010 noch nicht rechtskräftig festgesetzt sind.



Umsatz der Hersteller im GKV-Arzneimittelmarkt

Durch mehrere Verschärfungen der Rabattvorschriften haben sich die gesetzlich vorgeschriebenen Abschläge der Hersteller ab 2005 verdreifacht. Hinzu kommen die in den letzten Jahren stark gestiegenen individualvertraglich vereinbarten Rabatte nach § 130a Abs. 8 SGB V. Die Summe der Abschläge beläuft sich mittlerweile auf 2,7 Milliarden Euro (14 Prozent des Bruttoumsatzes zu Herstellerabgabepreisen). Der Netto-Umsatz 2010 belief sich auf 17,2 Milliarden Euro, ein Rückgang um 0,9 Prozent gegenüber dem Vorjahr.



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Umsatzzuwachs 2010: Von welchen Komponenten getrieben?

Die sehr gering ausgefallene Umsatzsteigerung im GKV-Markt 2010 wurde durch gegenläufige Komponenten bestimmt, die sich gegenseitig weitgehend kompensiert haben. Verbrauch (Zunahme der verordneten Tagesdosen) und innovative Arzneimittel haben einen Mehrbedarf von rund 900 bzw. 480 Millionen Euro verursacht. Dagegen haben „technische“ Einsparungen, z. B. durch Wahl preisgünstigerer Arzneimittel, u.a. mit Wirkstoffen, die ihren Patentschutz verloren haben, zu Einsparungen von insgesamt 430 Milliarden Euro geführt. Gestiegene Rabatte führten zu einer Entlastung von rund 800 Millionen Euro. Der vorherrschende Faktor in der Dynamik des Arzneimittelmarktes ist der medizinische und therapeutische Bedarf, der jedoch in den vergangenen Jahren stetig zurückgegangen ist.



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Umsatzveränderungen 2009 nach Krankheiten

Ausgabensteigerungen haben sich überwiegend bei der Therapie schwerer und chronischer Krankheiten ergeben, vor allem rheumatische Erkrankungen, Diabetes, chronisch obstruktive Atemwegserkrankungen und HIV. Ausgabenrückgänge sind u. a. bei solchen Krankheitsgruppen zu verzeichnen, bei denen vermehrt Generika verordnet wurden (Mittel gegen säurebedingte Erkrankungen) oder der Verbrauch zurückging (Antibiotika, Erythropoetine bei renaler Anämie). Daneben war ein deutlicher Rückgang der Inanspruchnahme von Impfungen zu beobachten, insbesondere Grippe (Influenza).



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Festbeträge im GKV-Markt

In den letzten drei Jahren ist die indirekte Preisregulierung durch Festbeträge wieder deutlich ausgeweitet worden. 2009 und 2010 unterlagen rund drei Viertel aller verordneten Arzneimittel in Deutschland dieser Regulierung. Dieser Anteil ist damit der höchste seit Einführung der Festbeträge. Der Umsatzanteil der Festbetragsarzneimittel ist nicht zuletzt aufgrund der abgesenkten Festbeträge zurückgegangen. Ab 2005 können neue Festbetragsgruppen auch patentgeschützte Wirkstoffe einbeziehen. Dies bedeutet neuerliche, erhebliche Belastungen insbesondere für die forschenden Arzneimittelhersteller. Seit 1. Januar 2011 sind über 30.000 Fertigarzneimittelpackungen unter Festbetrag. Dadurch werden die Krankenkassen 2011 voraussichtlich mindestens 5,2 Milliarden Euro einsparen.



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Generika im GKV-Arzneimittelmarkt

Nach Ablauf der Patentschutzfrist können neben den Originalarzneimitteln auch Nachahmerprodukte anderer Hersteller (Generika) zugelassen werden. Auf diesen so genannten generikafähigen Markt entfallen in Deutschland über 80 Prozent der GKV-Verordnungen und mit 45 Prozent knapp die Hälfte des Umsatzes des gesamten Marktes. Deutschland hat sich innerhalb der letzen zwölf Jahre zum generikafreundlichsten Land der Welt entwickelt. Oft verlieren die Originalprodukte nach Ablauf des Patentschutzes innerhalb weniger Monate fast ihren gesamten Marktanteil an die Generika. Im Durchschnitt entfielen 2010 86,5 Prozent der Verordnungen und 78,4 Prozent des Umsatzes im generikafähigen Markt auf die Nachahmerprodukte.



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