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Der Arzneimittelmarkt

Der weltweite Arzneimittelmarkt ist auch im vergangenen Jahr leicht gewachsen, auf nunmehr 808 Milliarden US-Dollar. Nach wie vor mit deutlichem Vorsprung bleiben die USA der weltweit größte Einzelmarkt. Am stärksten gewachsen sind die lateinamerikanischen und asiatischen Märkte, während Europa stabil blieb. China als einer der dynamischsten Märkte könnte demnächst Deutschland und Frankreich überflügeln und zur weltweiten Nummer drei (hinter den USA und Japan) aufsteigen. Im internationalen Vergleich der Pro-Kopf-Ausgaben liegt Deutschland im Mittelfeld, während es in Sachen Innovationsfreudigkeit zu den europäischen Schlusslichtern gehört: 2009 entfielen auf Innovationen, die in den letzten 5 Jahren auf den Markt gekommen waren, nur 4,4 Prozent der Arzneimittelausgaben.

Arzneimittelmarkt weltweit

Von 2000 bis 2009 hat sich der Umsatz mit Arzneimitteln weltweit mehr als verdoppelt. Mit rund 37 Prozent bleiben die USA der weltweit größte Einzelmarkt. Das Wachstum dieses Marktes, bis in die ersten Jahre des neuen Jahrtausends stets überdurchschnittlich, hat sich in den letzten drei Jahren der moderaten Dynamik der europäischen Märkte angenähert. Am stärksten gewachsen sind lateinamerikanische und asiatische Märkte. Der Weltmarktanteil Europas hat sich 2009 vor allem aufgrund des rückläufigen Euro-Wechselkurses gegenüber dem US-Dollar auf 31 Prozent vermindert (Vorjahr: 32 Prozent). Der Weltmarktanteil Deutschlands ist 2009 nominal ebenfalls von 4,5 auf 4,3 Prozent zurückgegangen. Real, d.h. bei Annahme konstanter Wechselkurse, hat sich der Weltmarktanteil Deutschlands in den letzten zehn Jahren von 5,0 auf 3,5 Prozent verringert.


Entwicklung der größten Pharma-Märkte

Mit einem Volumen von rund 35 Milliarden US-Dollar im Jahr2009 ist Deutschland im internationalen Vergleich der drittgrößte Markt für Arzneimittel und gleichzeitig einer der Märkte mit moderatem Wachstum. Von 2001 bis 2009 stieg der Umsatz im deutschen Apothekenmarkt um rund 30 Prozent; dies entspricht einer durchschnittlichen jährlichen Steigerung um 3,4 Prozent. Im selben Zeitraum nahmen der US-amerikanische und der spanische Apothekenmarkt um mehr als 60 Prozent zu. Noch stärker ist das Wachstum der aufstrebenden Märkte in Asien und Lateinamerika. China als einer der dynamischsten Märkte könnte demnächst Deutschland und Frankreich überflügeln und die Stelle des drittgrößten Marktes übernehmen.


Arzneimittelumsatz pro Kopf

Deutschland belegt beim Pro-Kopf-Umsatz (Umsatz im Apothekenmarkt zu Herstellerabgabepreisen) im internationalen Vergleich einen Platz im Mittelfeld. Im Vergleich der europäischen Länder liegt Deutschland hinter Frankreich und der Schweiz. Auch in den nicht-europäischen Industrieländern wie USA, Japan und Kanada liegt der Pro-Kopf-Umsatz höher als in Deutschland.


Neue Wirkstoffe in Deutschland

In Sachen Innovationsfreudigkeit gehört Deutschland zu den europäischen Schlusslichtern. Nur 4,4 Prozent der Ausgaben entfielen 2009 in Deutschland auf Innovationen, die in den letzten 5 Jahren auf den Markt gekommen waren. Damit liegt der Marktanteil deutlich unter den Werten früherer Jahre, ganz zu schweigen von den Anteilen in anderen europäischen Ländern, die bis zu 18 Prozent reichen.


Anzahl der Arzneimittel in Deutschland

Die Zahl der Arzneimittel ist deutlich rückläufig. Die Rote Liste als bekanntes deutsches Arzneimittelverzeichnis enthält zurzeit 8.500 Präparateeinträge. Darunter befinden sich viele nur selten verwendete Mittel. Nach Auswertungen der GKV entfallen 90 Prozent der ärztlichen Verordnungen auf nur 2.000 Arzneimittel. Die Zahl der angebotenen Arzneimittel wird oft ungenau dargestellt. Wird z.B. nicht nur das einzelne Produkt, sondern jede Darreichungsform und Wirkstärke gesondert gezählt, kann man zu Größenordnungen von 40.000 Arzneimitteln oder mehr gelangen. Diese Zählweise ist jedoch in anderen Ländern nicht üblich und eignet sich daher nicht zu Vergleichen.


Vom Hersteller zum Patienten: Distribution und Finanzierung von Arzneimitteln im Apothekenmarkt 2009

2009 haben die pharmazeutischen Unternehmen Humanarzneimittel im Wert von 24,7 Milliarden Euro (zu Herstellerabgabepreisen) für die ambulante Krankenversorgung über Apotheken zur Verfügung gestellt. Zuzüglich der Großhandels- und Apothekenzuschläge sowie der Umsatzsteuer ergibt sich damit ein Marktvolumen von 42,2 Milliarden Euro zu Endpreisen. Davon entfielen 10 Prozent auf die Selbstmedikation, 12 Prozent auf ärztliche Verordnungen außerhalb der GKV und 78 Prozent auf Verordnungen im Bereich der GKV. Diese wurden finanziert durch Selbstbeteiligung der Versicherten (5,0 Prozent), Rabatte der Hersteller und der Apotheken (8,6 Prozent) und durch die Krankenkassen selbst (86,4 Prozent).


Umsatz und abgegebene Packungen im Apothekenmarkt 2009

Die Umsätze im deutschen Apothekenmarkt sind 2009 wie im Vorjahr leicht gestiegen. Ohne Berücksichtigung gesetzlich vorgeschriebener Abschläge und individualvertraglich vereinbarter Rabatte betrug der Umsatz 24,7 Milliarden Euro, d.h. 3,7 Prozent mehr als im Vorjahr. Tatsächlich liegt der Netto- Umsatz wegen der genannten Abzüge jedoch deutlich niedriger. Deren Höhe ist zur Zeit nicht genau bekannt, wird aber auf bis zu 2 Milliarden Euro geschätzt. Die Zahl der abgegebenen Packungen erreichte 2009 ein Volumen von 1,6 Milliarden Stück, ein Rückgang von 0,5 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Dabei stieg der Absatz der rezeptpflichtigen Arzneimittel leicht (+0,2 Prozent), während der Absatz der lediglich apothekenpflichtigen und der frei verkäuflichen Medikamente aus Apotheken insgesamt zurückging (–1,1 Prozent).


Parallelimporte

Der Marktanteil der parallel importierten Arzneimitteln im Apothekenmarkt, 1998 noch weniger als 2 Prozent, ist 2009 auf fast 11 Prozent gestiegen. Wesentlichen Anteil an dieser Entwicklung hatte die gezielte staatliche Förderung. Die Einführung einer Mindestpreisdifferenz für die importierten Produkte zu den Originalen ab 2004 hat diese Entwicklung nur vorübergehend unterbrochen. Der Parallelimport konzentriert sich meist auf patentgeschützte Innovationen. Den forschenden Arzneimittelherstellern entsteht dadurch im Inland ein erheblicher Umsatzverlust. 2008 erzielten die Importeure einen Umsatz von 2,66 Milliarden Euro.


Umsatz mit gentechnisch hergestellten Arzneimitteln

Arzneimittel mit gentechnisch hergestellten Wirkstoffen (Biopharmazeutika) erzielten einen Umsatz von knapp 4,7 Milliarden Euro (Gesamtumsatz in Apotheke und Krankenhaus zu Herstellerabgabepreisen). Die Umsatzsteigerungsraten der Biopharmazeutika haben sich über die letzten Jahre abgeschwächt: von 12 Prozent bzw. 28 Prozent in den Jahren 2006 und 2007 über 9 Prozent in 2008 auf nunmehr gut 5 Prozent in 2009. Der Anteil der Biopharmazeutika am Gesamtpharmamarkt blieb 2009 stabil bei 16 Prozent. Biopharmazeutika gegen Stoffwechselerkrankungen und immunologische Präparate machen jeweils rund ein Viertel des Umsatzes mit Biopharmazeutika aus. Es folgen Krebs- und ZNS-Präparate mit einem Anteil von 16 Prozent bzw. 14 Prozent . Antiinfektiva und hämatologische Produkte weisen jeweils einen Anteil von ca. 7 Prozent auf.


Umsatzverteilung im GKV-Arzneimittelmarkt 2009

Der Brutto-Umsatz mit Fertigarzneimitteln im GKV-Markt (zu Apothekenverkaufspreisen inkl. Mehrwertsteuer, ohne Berücksichtigung von Abschlägen) betrug 2009 30,9 Milliarden Euro. Durch das Beitragssatz-Sicherungsgesetz, das GKV-Modernisierungsgesetz und das Arzneimittelversorgungs-Wirtschaftlichkeitsgesetz sind die Abschläge, die die Arzneimittelhersteller und der Handel den Gesetzlichen Krankenkassen einräumen müssen, zwischen 2002 und 2008 mehrfach verändert worden. Hinzu kommen Rabatte aus Verträgen nach nach § 130a Abs. 8 SGB V. Durch die Erhöhung des Mehrwertsteuersatzes auf 19 Prozent ab 1.1.2007 ist der Steueranteil im Brutto-Umsatz auf 16 Prozent angestiegen.


Umsatz der Hersteller im GKV-Arzneimittelmarkt

Durch mehrere Verschärfungen der Rabattvorschriften haben sich die gesetzlich vorgeschriebenen Abschläge der Hersteller ab 2005 mehr als verdoppelt. Hinzu kommen die in den letzten Jahren stark gestiegenen individualvertraglich vereinbarten Rabatte nach § 130a Abs. 8 SGB V. Die Summe der Abschläge beläuft sich mittlerweile auf schätzungsweise über 1,8 Milliarden Euro (fast 10 Prozent des Bruttoumsatzes zu Herstellerabgabepreisen). Der Netto-Umsatz 2009 belief sich auf 17,3 Milliarden Euro, eine Steigerung von lediglich 2,8 Prozent gegenüber dem Vorjahr.


Umsatzzuwachs 2009: Von welchen Komponenten getrieben?

Die Umsatzsteigerung im GKV-Markt in Höhe von 1,3 Milliarden Euro im Jahr 2009 wurde durch gegenläufige Komponenten bestimmt, die teils umsatzsteigernd, teils -senkend wirkten. Verbrauch (Zunahme der verordneten Tagesdosen) und innovative Arzneimittel haben einen Mehrbedarf von rund 1,1 bzw. 0,4 Milliarden Euro verursacht. Dagegen haben „technische“ Einsparungen, z.B. Wahl preisgünstigerer Arzneimittel, u.a. mit Wirkstoffen, die 2009 ihren Patentschutz verloren haben, oder größere Packungen, zu Einsparungen von insgesamt 0,4 Milliarden Euro geführt. Gestiegene Preise erhöhten die Umsätze um 0,2 Milliarden Euro. Der vorherrschende Faktor in der Dynamik des Arzneimittelmarktes ist wie in den vergangenen vier Jahren der medizinische und therapeutische Bedarf.


Umsatzveränderungen 2009 nach Krankheiten

Umsatzsteigerungen haben sich überwiegend bei der Therapie schwerer und chronischer Krankheiten ergeben, vor allem rheumatische, psychische und Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Umsatzrückgänge sind u.a. bei solchen Krankheitsgruppen zu verzeichnen, bei denen Wirkstoffgruppen zur Anwendung kommen, die durch Patentablauf oder Preissenkungen kostengünstiger verordnet werden konnten. Daneben wirkt sich die Normalisierung der Impfhäufigkeit bei zwei Impfungen aus, bei denen es 2008 aufgrund von Impfempfehlungen zu einer erhöhten Nachfrage gekommen war.


Festbeträge im GKV-Markt

In den letzten drei Jahren ist die indirekte Preisregulierung durch Festbeträge wieder deutlich ausgeweitet worden. 2009 unterlagen rund drei Viertel aller verordneten Arzneimittel in Deutschland dieser Regulierung. Dieser Anteil ist damit der höchste seit Einführung der Festbeträge. Der Umsatzanteil der Festbetragsarzneimittel ist aufgrund der abgesenkten Festbeträge rückläufig. Ab 2005 können neue Festbetragsgruppen auch patentgeschützte Wirkstoffe einbeziehen. Dies bedeutet neuerliche, erhebliche Belastungen insbesondere für die forschenden Arzneimittelhersteller. Seit 1. Januar 2010 sind über 30.000 Fertigarzneimittelpackungen unter Festbetrag. Dadurch werden die Krankenkassen 2010 voraussichtlich mindestens 4,3 Milliarden Euro einsparen.


Generika im GKV-Arzneimittelmarkt

Nach Ablauf der Patentschutzfrist können neben den Originalarzneimitteln auch Nachahmerprodukte anderer Hersteller (Generika) zugelassen werden. Auf diesen so genannten generikafähigen Markt entfallen in Deutschland 80 Prozent der GKV-Verordnungen und mit 45 Prozent knapp die Hälfte des Umsatzes des gesamten Marktes. Deutschland hat sich innerhalb der letzen zwölf Jahre zum generikafreundlichsten Land der Welt entwickelt. Oft verlieren die Originalprodukte nach Ablauf des Patentschutzes innerhalb weniger Monate fast ihren gesamten Marktanteil an die Generika. Im Durchschnitt entfielen 2009 über 85 Prozent der Verordnungen und rund 77 Prozent des Umsatzes im generikafähigen Markt auf die Nachahmerprodukte.


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