Der Umsatz mit Fertigarzneimitteln im GKV-Arzneimittelmarkt betrug im vergangenen Jahr 31,9 Milliarden Euro. Die Ausgaben der GKV für Arzneimittel insgesamt - neben Fertigarzneimitteln aus Apotheken gehören dazu noch Zubereitungen, Verband- und Hilfsmittel sowie Produkte von Sonstigen, z.B. Versandhandel - haben sich 2010 lediglich um 1,0 Prozent erhöht. Der Grund für diesen Unterschied liegt in erster Linie in der Erhöhung der gesetzlich verordneten Herstellerabschläge ab August 2010 und dem damit verbundenen Preismoratorium. Hinzu kommen die vertraglich vereinbarten Herstellerrabatte, die von 1,8 auf 2,7 Milliarden Euro gestiegen sind.
Arzneimittelmarkt 2010
- Das endogene Wachstum des Marktes liegt je nach Segment bei 3 bis 5 Prozent. Der in den letzten Jahren erkennbare Trend abnehmender Wachstumsraten setzt sich fort.
- Rezeptpflichtige Arzneimittel steigen überdurchschnittlich. Die Bedeutung der Selbstmedikation nimmt weiter ab.
- Die Dynamik des Marktes resultiert in erster Linie aus Verschiebungen in der Versorgungsstruktur. Die Preise sind im Durchschnitt stabil. Auch die Anzahl der abgegebenen Einheiten insgesamt stagniert weitgehend.
- Der Verbrauch steigt überdurchschnittlich in Therapiebereichen, die von Innovationen der letzten Jahre bestimmt werden, und zu denen es keine nennenswerten Alternativen durch Generika gibt. Der Marktanteil patentgeschützter Produkte ist 2010 gestiegen.
- Kurzfristig wirkende exogene Eingriffe, z. B. Erhöhung der Zwangsrabatte oder Festbeträge, führen zu einer Stagnation des Umsatzes. Die endogene Dynamik des Marktes bleibt davon weitgehend unberührt.
- Inwieweit die längerfristig angelegten Regulierungen des AMNOG die Marktdynamik verändern, kann auf der Basis der Marktentwicklung 2010 noch nicht beurteilt werden.
Apothekenmarkt
Über öffentliche Apotheken abgegebene Arzneimittel insgesamt
Die wichtigsten Zahlen im Überblick:
| Umsatz zu Abgabepreisen pharmazeutischer Unternehmen (brutto) | 25,6 Milliarden Euro |
| Veränderung zum Vorjahr | +3,7 Prozent |
| Umsatz (netto) | 22,9 Milliarden Euro |
| Veränderung zum Vorjahr | +0,0 Prozent |
|
| Marktanteile: Ärztliche Verordnungen |
| - für GKV-Versicherte | 74 Prozent |
| - für privat Versicherte/Selbstzahler | 10 Prozent |
| - Selbstmedikation | 16 Prozent |
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| Marktanteil patentgeschützter Produkte |
| 2010 | 34 Prozent |
| 2009 | 32 Prozent |
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| Marktanteil der Generika |
| 2010 | 23 Prozent |
| 2009 | 24 Prozent |
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| Marktanteil der Parallelimporte |
| 2010 | 12 Prozent |
| 2009 | 11 Prozent |
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| Zahl der abgegebenen Packungen | 1,55 Milliarden |
| Veränderung zum Vorjahr | -3,0 Prozent |
Die Umsätze im deutschen Apothekenmarkt (d.h. alle über öffentliche Apotheken abgegebene Medikamente, unabhängig davon, ob verordnet oder nicht) sind 2010 wie im Vorjahr leicht gestiegen. Der Umsatz betrug 25,6 Milliarden Euro, also 3,7 Prozent mehr als im Vorjahr (zu Abgabepreisen pharmazeutischer Unternehmen ohne Berücksichtigung gesetzlich vorgeschriebener Abschläge und individualvertraglich vereinbarter Rabatte). Tatsächlich liegt der Netto-Umsatz wegen der genannten Abzüge jedoch deutlich niedriger. Die Rabatte, im Vorjahr noch bei 1,8 Milliarden Euro, stiegen 2010 auf 2,7 Milliarden Euro und werden 2011 voraussichtlich um eine weitere Milliarde steigen. Unter Berücksichtigung der Rabatte blieb der Umsatz 2010 gegenüber dem Vorjahr unverändert.
Die Zahl der abgegebenen Packungen erreichte 2010 ein Volumen von 1,55 Milliarden Stück, ein Rückgang von 3,0 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Dabei ging der Absatz der ohne Rezept, aber ausschließlich in Apotheken erhältlichen Arzneimittel am stärksten zurück (-4,2 Prozent), während der Absatz der rezeptpflichtigen Medikamente um 2,6 Prozent fiel und der Absatz der frei verkäuflichen Medikamente denselben Wert wie im Vorjahr erreichte.
Etwa drei Viertel des Marktes entfallen auf die ärztlich verordneten Medikamente für Versicherte der gesetzlichen Krankenkassen. Ein Zehntel entfällt auf verschreibungspflichtige Arzneimittel, die auf Privatrezept verordnet werden und - je nach finanzieller Absicherung des Kunden - durch private Krankenversicherungen, Beihilfestellen und ähnliches erstattet werden. 16 Prozent werden als OTC-Produkte in der Regel ohne ärztliche Verordnung erworben.
Patentgeschützte Innovationen konnten ihren Marktanteil von 32 (2009) auf 34 Prozent erhöhen. Dies ist die Konsequenz überdurchschnittlicher Verbrauchssteigerungen bei Indikationsgruppen, in denen Innovationen die Therapie bestimmen, die insbesondere in den letzten 10 Jahren eingeführt wurden, und zu denen es keine nennenswerten generischen Alternativen gibt. Dazu zählen insbesondere Krankheiten des Immunsystems und Krebserkrankungen, daneben einige Wirkstoffgruppen im Einsatz gegen Asthma und COPD, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, psychische und Stoffwechsel-Erkrankungen.
Indikationsgruppen, in denen Generika die Hauptrolle spielen, haben sich dagegen meist moderat oder unterdurchschnittlich entwickelt. Insgesamt ist der Generika-Anteil von 24 auf 23 Prozent des Umsatzes gesunken. Dazu hat auch das sinkende Preisniveau der Generika beigetragen.
Entwicklung der 10 größten Indikationsgruppen:
| Indikationsgruppe | Umsatz (ApU) in Mio. Euro | Veränderung zum Vorjahr in Prozent |
| L04 Immunsuppressiva | 1.611,1 | 19,5 |
| C09 Renin-Angiotensin wirksame Präparate | 1.470,7 | 3,9 |
| A10 Antidiabetika | 1.396,5 | 6,2 |
| N02 Analgetika | 1.300,7 | 0,8 |
| R03 Asthma- und COPD-Präparate | 1.243,3 | 7,8 |
| L01 Antineoplastische Mittel | 1.128,0 | 25,3 |
| N05 Psycholeptika | 961,4 | 3,6 |
| J07 Impfstoffe | 822,4 | -12,3 |
| B01 Antithrombose-Präparate | 760,5 | -0,7 |
| L03 Immunstimulantien | 756,9 | 6,8 |
Auch bei den umsatzstärksten Produkten sind in erster Linie patentgeschützte Präparate aus dem Bereich Immunsystem, Onkologie, COPD, Nervensystem zu finden. Am Erfolg dieser Produkte haben auch die Importeure partizipiert, deren Marktanteil von 10,9 auf 11,8 Prozent gestiegen ist.
GKV-Arzneimittelmarkt
Ärztlich verordnete Arzneimittel für Versicherte der gesetzlichen Krankenkassen
Die wichtigsten Zahlen im Überblick:
| Umsatz mit Fertigarzneimitteln aus Apotheken (brutto) | 31,9 Milliarden Euro |
| Veränderung zum Vorjahr | +3,4 Prozent |
|
| Gesetzliche Herstellerabschläge |
| 2010 | 2,7 Milliarden Euro |
| 2009 | 1,8 Milliarden |
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| Ausgaben der GKV für Arzneimittel insgesamt |
| aus Apotheken und von Sonstigen | 32,0 Milliarden Euro |
| Veränderungen zum Vorjahr | +1,0 Prozent |
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| Herstelleranteil am Brutto-Umsatz | 53,8 Prozent |
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| Marktanteil patentgeschützter Produkte |
| 2010 | 32,5 Prozent |
| 2009 | 30,9 Prozent |
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| Marktanteil der Generika |
| 2010 | 30,2 Prozent |
| 2009 | 31,1 Prozent |
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| Zahl der Verordnungen | 677 Millionen |
| Veränderung zum Vorjahr | -0,1 Prozent |
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| Herstellerabgebapreise |
| Veränderungen zu 2009 | -0,1 Prozent |
| Veränderungen zu 2008 | +0,3 Prozent |
Der Umsatz mit Fertigarzneimitteln im GKV-Arzneimittelmarkt (zu Apothekenabgabepreisen, ohne Berücksichtigung von Rabatten und Zuzahlungen der Versicherten) betrug im vergangenen Jahr 31,9 Milliarden Euro und lag damit um 3,4 Prozent über dem Umsatz des Jahres 2009.
Die Ausgaben der GKV für Arzneimittel insgesamt (neben Fertigarzneimitteln aus Apotheken gehören dazu noch Zubereitungen, Verband- und Hilfsmittel sowie Produkte von Sonstigen, z.B. Versandhandel) haben sich 2010 lediglich um 1,0 Prozent erhöht. Der Grund für diesen Unterschied liegt in erster Linie in der Erhöhung der gesetzlich verordneten Herstellerabschläge ab 1.8.2010 und dem damit verbundenen Preismoratorium. Hinzu kommen die vertraglich vereinbarten Rabatte, die ebenfalls gestiegen sind. Insgesamt beträgt das Volumen der Herstellerrabatte 2010 2,7 Milliarden Euro (2009: 1,8 Milliarden Euro).
Durch die veränderten Rabatte verschieben sich die Umsatzanteile am Bruttoumsatz zu Lasten der Hersteller.

Umsatzverteilung im GKV-Arzneimittelmarkt 2010
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Darüber hinaus werden die Ausgaben der Kassen durch die gesetzlich vorgeschriebenen Abschläge der Apotheken in Höhe von 977 Millionen Euro verringert, die jedoch gegenüber 2009 um 160 Millionen Euro gesunken sind, was die Ausgabenentwicklung entsprechend belastet. Ausgaben reduzierend wirken auch die Zuzahlungen der Versicherten in Höhe von 1,68 Milliarden Euro.
Neben der direkten Kostenbeteiligung werden die pharmazeutischen Unternehmen durch weitere strukturelle Maßnahmen belastet. Durch die Förderung der Parallel- und Reimporte entgeht den Originalherstellern in Deutschland ein Umsatz von 2,7 Milliarden Euro (nur GKV-Markt). Von den Einsparungen durch Festbeträge, 2010 etwa 4,5 Milliarden Euro, tragen die Hersteller nahezu 80 Prozent, also 3,6 Milliarden Euro. Die Auswirkungen weiterer regulatorischer Maßnahmen wie z. B. Richtgrößen, Therapiehinweise, regionale Versorgungs- und Wirtschaftlichkeitsziele etc., die nicht genau quantifizierbar sind, kommen hinzu.
Die Zahl der Verordnungen blieb mit 677 Millionen nahezu konstant (-0,1 Prozent gegenüber dem Vorjahr). Aufgrund des weiterhin ungebrochenen Trends zur Verordnung kostengünstiger Großpackungen hat die Zahl der verordneten Tagesdosen weiter zugenommen (1. bis 3. Quartal 2010: +10,6 Prozent).
Die Herstellerpreise gingen gegenüber dem Vorjahr um 0,1 Prozent zurück. Von den Herstellern eingeräumte Rabatte sind darin nicht enthalten. Im Bereich der Produkte ohne Festbetrag liegt das aktuelle Preisniveau um rund 1 Prozent über dem für das Preismoratorium entscheidende Datum 1. Aug. 2009. Damit erhöhen sich die obligatorischen Rabatte entsprechend.

Verteilung der Marktsegmente im GKV-Markt 2010
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Patentgeschützte Innovationen konnten ihren Marktanteil von 30,9 (2009) auf 32,5 Prozent erhöhen. Der Anteil dieses Segments liegt im GKV-Markt etwas niedriger als im gesamten Apothekenmarkt. Damit werden Analysen bestätigt, die eine höhere Verordnungshäufigkeit von Innovationen im Bereich der privat Krankenversicherten zeigen.
Umgekehrt ist die Verordnungshäufigkeit von Generika im GKV-Markt höher. Aber auch hier hat der Marktanteil, bezogen auf den Umsatz, nachgelassen (von 31,1 auf 30,2 Prozent). Wie im Apothekenmarkt ist die Verschiebung zugunsten der patentgeschützten Produkte die Konsequenz überdurchschnittlicher Verbrauchssteigerungen bei den bereits genannten Indikationsgruppen: insbesondere Krankheiten des Immunsystems und Krebserkrankungen, Asthma und COPD, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, psychische und Stoffwechsel-Erkrankungen.
Der Marktanteil der Innovationen, die in den letzten fünf Jahren eingeführt wurden, hat im letzten Jahr ebenfalls zugenommen, liegt aber immer noch deutlich unter den Werten früherer Jahre.

Marktanteil der in den letzten 5 Jahren eingeführten neuen Wirkstoffe
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Faktisch stabil ist das durch Festbeträge geregelte Marktsegment. Der Verordnungsanteil der Arzneimittel mit Festbetrag blieb mit 75,1 Prozent nahezu unverändert (2009: 75,2 Prozent). Der Umsatzanteil ging durch Absenkungen von Festbeträgen von 41,2 auf 38,5 Prozent zurück.
Datenquellen: Insight Health, IGES, BMG, GKV-Spitzenverband.