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Ausgaben im Rahmen

8. April 2010

Entwicklung des GKV-Arzneimittelmarktes 2009

 
Der Umsatz mit Fertigarzneimitteln im GKV-Arzneimittelmarkt betrug im vergangenen Jahr 30,9 Mil-liarden Euro und lag damit um 4,5 Prozent über dem Umsatz des Jahres 2008. Die Ausgabenentwicklung 2009 liegt auf Bundesebene im Rahmen der Planung, wie sie in der Rahmenvereinbarung zwischen KBV und GKV-Spitzenverband sowie in den regionalen Arzneimittelvereinbarungen der Kassenärztlichen Vereinigungen und der Kassen ausgehandelt worden war.

Die wichtigsten Zahlen in Kürze:
Brutto-Umsatz zu Apothekenverkaufspreisen
30,9 Milliarden Euro
Veränderung zum Vorjahr
+4,5 Prozent

Veränderung des durch die Arzneimittelvereinbarungen erfassten Marktes
+5,5 Prozent
Vereinbarte Marktentwicklung
+5,6 Prozent

Herstelleranteil am Brutto-Umsatz
56 Prozent

Belastungen der Hersteller durch Regulierungen insgesamt
über 7,5 Milliarden Euro
davon Abschläge und Rabatte
1,8 Milliarden Euro

Zahl der Verordnungen
667 Millionen
Veränderung zum Vorjahr
+1,5 Prozent

Herstellerabgabepreise
Veränderung zu 2008
+0,8 Prozent
Veränderung zu 2000
- 10 Prozent

Marktanteil patentgeschützter Produkte
2009: 36,8 Prozent
2008: 36,8 Prozent



Entwicklung des Gesamtmarktes und Vergleich zu den Arzneimittelvereinbarungen

Der Umsatz mit Fertigarzneimitteln im GKV-Arzneimittelmarkt (zu Apothekenverkaufspreisen, ohne Berücksichtigung von Rabatten und Zuzahlungen der Versicherten) betrug im vergangenen Jahr 30,9 Milliarden Euro und lag damit um 4,5 Prozent über dem Umsatz des Jahres 2008.

Ohne Berücksichtigung von Impfstoffen und Kontrazeptiva, die im Kontenrahmen der GKV gesondert verbucht werden, beträgt die Steigerung des Umsatzes 5,5 Prozent. Die Ausgaben der GKV für Arzneimittel (genau: Arznei-, Verband- und Hilfsmittel aus Apotheken, von Sonstigen und Versandhandel) haben sich 2009 um 5,2 Prozent erhöht. Damit liegt die tatsächliche Ausgabenentwicklung 2009 auf Bundesebene im Rahmen der Planung, wie sie in der Rahmenvereinbarung Rahmenvereinbarung zwischen KBV und GKV-Spitzenverband sowie in den regionalen Arzneimittelvereinbarungen der Kassenärztlichen Vereinigungen und der Kassen ausgehandelt worden war. Sie beläuft sich auf 5,6 Prozent, nachdem sie im Laufe des Jahres wegen der moderaten Ausgabenentwicklung bereits um einen Prozentpunkt abgesenkt worden war.

GKV-Ausgabensteigerungen 1. bis 3. Quartal 2009



Belastungen der Marktbeteiligten

Zusätzlich muss berücksichtigt werden, dass die Ausgaben der Kassen durch direkte Kostenbeteiligungen der Hersteller, Versicherten und Apotheken um 4,6 Milliarden Euro entlastet werden. Die Hersteller tragen durch gesetzlich vorgeschriebene Abschläge und individual-vertraglich vereinbarte Rabatte in Höhe von insgesamt rund 1,8 Milliarden Euro dazu bei. Die Abschläge der Apotheken belaufen sich auf rund 1,1 Milliarden Euro (ein deutlicher Rückgang wegen der Reduktion des Apothekenrabatts von 2,30 auf 1,75 Euro je Verordnung). Die Zuzahlungen der Versicherten betragen 1,7 Milliarden Euro.

Neben der direkten Kostenbeteiligung werden die pharmazeutischen Unternehmen durch weitere strukturelle Maßnahmen belastet. Durch die Förderung der Parallel- und Reimporte entgeht den Originalherstellern in Deutschland ein Umsatz von 2,3 Milliarden Euro. Von den Einsparungen durch Festbeträge, die auf insgesamt 4,3 Milliarden Euro geschätzt werden, tragen die Hersteller nahezu 80 Prozent, also 3,4 Milliarden Euro (wegen bereits bekannter Festbetragsanpassungen wird sich dieser Betrag 2010 auf 3,6 Milliarden Euro erhöhen). Damit summiert sich die Belastung der Hersteller 2009 auf mindestens 7,5 Milliarden Euro. Die Auswirkungen weiterer regulatorischer Maßnahmen wie z. B. Richtgrößen, Therapiehinweise, regionale Versorgungs- und Wirtschaftlichkeitsziele etc. kommen noch hinzu, sind aber nicht genau quantifizierbar.

Belastungen der Hersteller stetig erhöht



Mengen- und Preisentwicklung

Die Zahl der Verordnungen stieg um 1,5 Prozent auf 667 Millionen an. Es kann davon ausgegangen werden, dass auch die Zahl der verordneten Tagesdosen zugenommen hat (Jahreswerte liegen noch nicht vor). Die Verbrauchskomponente ist daher weiterhin ein wesentlicher Faktor der Marktdynamik.

Die Herstellerpreise stiegen gegenüber dem Vorjahr um 0,8 Prozent an; im Vergleich zu 2000 liegen sie um rund 10 Prozent niedriger. Von den Herstellern eingeräumte Rabatte sind noch zusätzlich zu berücksichtigen. Dagegen sind die allgemeinen Verbraucherpreise seit 2000 um rund 15 Prozent gestiegen.

Preise: 2009 zehn Prozent niedriger als 2000



Entwicklung in einzelnen Marktsegmenten

Generika und patentgeschützte Produkte sind die beiden größten Marktsegmente mit einem identischen Umsatzanteil von jeweils 36,8 Prozent (2008). Daran ändert sich 2009 nicht viel: Generika stiegen um +4,9 Prozent, patentgeschützte Produkte um +4,4 Prozent. Der Marktanteil der patentgeschützte Produkte bleibt damit bei 36,8 Prozent; der Marktanteil der Generika erhöht sich leicht von 36,8 auf 36,9 Prozent. Der Rest des Marktes entfällt auf patentfreie Originalpräparate mit Generika-Konkurrenz (rund 11 Prozent) und sonstige patentfreie Produkte ohne Generika-Konkurrenz (rund 15 Prozent).

Innovationen sind nicht die Kostentreiber


Patengeschützte Produkte und Generika: Kopf an Kopf



Das Generika-Segment ist weiterhin durch einen deutlichen Zuwachs bei der Zahl der Verordnungen gekennzeichnet (2009: +4,6 Prozent). Damit summiert der Anstieg der Generika-Verordnungen von 2004 bis 2009 auf rund 38 Prozent. Rückläufige Preise und Rabattverträge haben dafür gesorgt, dass der Umsatz in diesem Zeitraum nur um rund 25 Prozent stieg.

Nur wenig verändert hat sich der durch Festbeträge geregelte Markt. Der Verordnungsanteil der Arzneimittel mit Festbetrag stieg leicht von 74,9 (2008) auf 75,2 Prozent (Januar bis August 2009); der Umsatzanteil fiel von 43,8 auf 41,7 Prozent.
Rund 14 Prozent des Festbetragsmarktes (1,8 Milliarden Euro) entfiel 2009 auf patentgeschützte Präparate.

Der Umsatz der pharmazeutischen Unternehmen (zu Herstellerabgabepreisen, ohne Berücksichtigung von Rabatten) betrug im vergangenen Jahr 19,1 Milliarden Euro. Durch mehrere Verschärfungen der Rabattvorschriften haben sich die gesetzlich vorgeschriebenen Abschläge der Hersteller seit 2005 mehr als verdoppelt. Hinzu kommen in den letzten Jahren die individualvertraglich vereinbarten Rabatte nach § 130a Abs. 8 SGB V. Die Summe der Abschläge beläuft sich mittlerweile auf schätzungsweise über 1,8 Milliarden Euro (fast 10 Prozent des Bruttoumsatzes zu Herstellerabgabepreisen). Der Netto-Umsatz der pharmazeutischen Unternehmen 2009 belief sich somit auf 17,3 Milliarden Euro, eine Steigerung von lediglich 2,8 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Rund 56 Prozent des Bruttoumsatzes entfallen auf die Hersteller. Allein die Mehrwertsteuer kostete die gesetzlichen Kassen 2009 fast 5 Milliarden Euro.


Entwicklung in einzelnen Indikationsgebieten

Die Ursachen der Umsatzsteigerung liegen in erster Linie im erhöhten bzw. veränderten Verbrauch. Wie bereits im Vorjahr sind überdurchschnittliche Verordnungssteigerungen in Arzneimittelgruppen festzustellen, die bei weit verbreiteten chronischen Erkrankungen eingesetzt werden, insbesondere
  • Hypertonie (ACE-Inhibitoren, Angiotensin-II-Antagonisten, Beta-Blocker),
  • Schmerz (Analgetika, insbesondere Migränemittel),
  • Infektionen (Antibiotika),
  • Stoffwechselerkrankungen (Protonenpumpenhemmer),
  • erhöhte Blutfettwerte (Lipidsenker/Statine),
  • Atemwegserkrankungen (Asthma- und COPD-Präparate),
  • Depressionen (Antidepressiva),
  • benigne Prostata-Hyperplasie (BPH-Präparate).
Viele der genannten Arzneimittelgruppen stehen überwiegend oder sogar vollständig unter Festbetrag und werden von Generika-Produkten dominiert. Lediglich bei den Angiotensin-II-Antagonisten überwiegen patentgeschützte Produkte. In allen Gruppen steigt nicht nur die Zahl der Verordnungen, sondern auch der Umsatz, sofern nicht deutliche Absenkungen der Festbeträge entsprechende Preisanpassungen ausgelöst haben (bei Protonenpumpenhemmern, Statinen und Beta-Blockern). Rabatte sind hierbei nicht berücksichtigt.

Zugenommen haben darüber hinaus die Verordnungen und der Umsatz innovativer, patentgeschützter Wirkstoffe im gehobenen Preissegment, die bei schwerwiegenden, oft lebensbedrohlichen Krankheiten eingesetzt werden wie
  • Krebs,
  • Virusinfektionen,
  • Störungen des Immunsystems,
  • Epilepsie und
  • Alzheimer-Demenz.
Der gestiegene Bedarf ist vor allem begründet durch Zunahme chronischer Krankheiten, Alterung in der Gesellschaft, Leistungsverlagerungen zwischen den Sektoren der Gesundheitswirtschaft (ambulant statt stationär) und die Modernisierung der Therapie. Eine entsprechende Verbesserung der Versorgung ist die Folge.



Genutzte Datenquellen: Insight Health NVI, Arzneimittel-Atlas 2009, Arzneiverordnungs-Report 2009, GKV-Arzneimittel-Schnellinformation.
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