Cornelia Yzer zu Röslers Reformvorhaben
10. März 2010
"Schnellschüsse helfen kranken Menschen nicht"
Bundesgesundheitsminister Rösler hat am 10. März 2010 in der BILD-Zeitung Ideen zu Einsparungen im Arzneimittelbereich formuliert. Cornelia Yzer, Hauptgeschäftsführerin des vfa, warnt davor, mithilfe planwirtschaftlicher Instrumente Geld im deutschen Gesundheitssystem "zu verfeuern".
Vor Journalisten in Berlin hat sie zu den Äußerungen Röslers wie folgt Stellung bezogen:
„Mit Interesse haben wir heute die Vorstellungen von Bundesminister Rösler in den Medien gelesen. Ich denke, dass der Minister sein Modell noch konkretisieren muss, denn bislang haben wir Schlagzeilen gelesen, aber kein konkretes Konzept gesehen. Als forschende Arzneimittelhersteller sagen wir seit langem, es muss etwas im Gesundheitssystem geschehen, damit gewährleistet ist, dass kranke Menschen auch künftig vom medizinischen Fortschritt profitieren können. Wir haben konkrete Vorschläge gemacht, damit dies so werden kann:
Wir stehen für eine Kosten-Nutzen-Bewertung von Arzneimitteln, die seriös gemacht werden muss. Eine seriöse, nach internationalen Standards durchgeführte Kosten-Nutzen-Analyse wird belegen, dass der Nutzen, den ein Medikament stiftet, auch seinen Preis wert ist. Die Medikamentenpreise in anderen europäischen Ländern sind im übrigen nicht niedriger als in Deutschland. Im Gegenteil, wir liegen in Deutschland im europäischen Mittelfeld. Aber wenn Sie den Apothekenpreis sehen, dürfen Sie nie vergessen, dass der Staat kräftig mit kassiert: 19 Prozent Mehrwertsteuer, das ist fast einmalig in Europa.
Wir bringen Spitzenmedizin nach Deutschland und sind vom Nutzen unserer Arzneimittel überzeugt. Wir können deshalb auch ihren Preis rechtfertigen und wir sind bereit, uns solchen Bewertungen zu stellen.
Wir stehen desweiteren dazu, dass künftig Hersteller und Krankenkassen direkt miteinander Verträge abschließen sollen, die jetzt zügig in Gang kommen müssen. Das ist neu. Wir wollen Verträge, die Kosteneffizienz gewährleisten, die vor allen Dingen auch auf die Qualität der Versorgung abheben.
Schnellschüsse und Daumenschätzungen bei Nutzenbewertungen mögen Sparkommissare erfreuen, können aber kranken Menschen nicht helfen. Deshalb sollte man jetzt bitte zu Methoden gehen, die auf Qualität und nicht nur auf Kosten abzielen.
Im Übrigen möchte ich darauf verweisen, dass wir als forschende Arzneimittelhersteller gerade in den beiden letzten Jahren in der wirtschaftlichen Krise Stabilitätsanker für Deutschland waren. Wir haben Arbeitsplätze stabil gehalten und wir haben Investitionen nach Deutschland gebracht. Gesundheitspolitiker sollten jetzt nicht auf die Idee kommen, einer deutschen Zukunftsbranche die Krise nachträglich zu verordnen.
Wenn wir eines in den letzten 20 Jahren gelernt haben sollten im deutschen Gesundheitssystem: durch nichts kann man so viel Geld verfeuern wie durch Planwirtschaft, deshalb muss Politik entscheiden, ob sie wieder Planwirtschaft oder künftig Wettbewerb will.“