(© vfa / S. Rudolph)



Interview mit Birgit Fischer, der Hauptgeschäftsführerin des Verbands der forschenden Pharma-Unternehmen (vfa)



Frau Fischer, den Pharma-Unternehmen wird immer wieder vorgeworfen, mit Geschenken, Honoraren oder Fortbildungen die Unterstützung oder gar Verordnungen von Ärzten zu kaufen. Die forschenden Pharma-Unternehmen haben sich hingegen zur Einhaltung eines Kodex verpflichtet, der sagt, was im Umgang mit Ärzten erlaubt ist und vor allem, was nicht. Wo setzen die Unternehmen trotzdem weiter auf enge Zusammenarbeit mit den Ärzten und warum?

Moderne Arzneimittel brauchen Information, damit Ärzte sie richtig anwenden und die Patienten anleiten können, sie richtig einzunehmen. Oder anders gesagt: damit Medikamente gut wirken!

Auf drei Gebieten ist es besonders wichtig, dass Ärzte und Pharma-Unternehmen zusammenarbeiten.

  • Pharmafirmen brauchen die Erfahrung von Ärzten, um bessere Medikamente zu entwickeln.
  • Nur gemeinsam mit Ärzten und Patienten können neue Mittel erprobt werden.
  • Und Ärzte wiederum brauchen Informationen von den Firmen, damit sie die Mittel nach der Zulassung richtig einsetzen.

Heute will die Öffentlichkeit nachvollziehen können, wie Ärzte und Unternehmen zusammenarbeiten. Versteht sie es nicht, wird sie misstrauisch, spekuliert, und zwar manchmal auch über Korruption, wo gar keine ist. Daraus haben forschende Pharma-Unternehmen Konsequenzen gezogen: Ein Kodex regelt seit 2004, was geht und was nicht. Und jetzt haben sie ihn erweitert: Ab 2016 kann man dann auch genau nachlesen, welches Geld bei Zusammenarbeiten geflossen ist.



Warum vertrauen die Firmen nicht einfach auf die Qualität ihrer Produkte? Wenn ein Medikament gut ist, wird es sich doch automatisch durchsetzen, oder?

Neue Medikamente machen sich nicht von allein bekannt. Und schon gar nicht spricht sich von allein herum, wie und bei wem man sie am besten einsetzt und bei wem auch nicht. Das möchten die Firmen den Ärzten mitteilen. Künftig lassen sie dabei aber alle genauer zuschauen – weil sie an die Notwendigkeit eines sachorientierten Informationsaustausches zwischen Patienten, Ärzten und Industrie glauben. Dieser Kernbereich, der über das Gelingen moderner Therapien mitentscheidet, soll von Spekulationen freigehalten werden. Deshalb lassen sie die Öffentlichkeit genauer hinschauen!


Wäre es nicht besser fürs Image, die Zusammenarbeit stets ohne Gegenleistungen zu organisieren?

Es geht nicht um Gegenleistungen. Es geht darum, dass Firmen Ärzten den Aufwand und Kosten zu begleichen, die ihnen bei einer Studie oder einer Fortbildung entstehen. Das halten wir für sinnvoll und zeigen das auch, indem wir es ausweisen: Arzneimittel sind hochkomplexe und erklärungsbedürfte Produkte. Dies gilt für deren Entwicklung und für deren Anwendung. Aus diesem Grund arbeiten Pharma-Unternehmen und Ärzte eng zusammen, um dem Patienten die medizinisch beste Behandlung zu ermöglichen. So sind etwa Ärzte als Forscher direkt an der Entwicklung der Arzneimittel beteiligt. Und Pharma-Unternehmen veranstalten Fortbildungen für Ärzte, um diese umfassend über die Produkte zu informieren. Dadurch soll sichergestellt werden, dass die Medikamente bei den Patienten eingesetzt werden, für die sie sich eignen, und in einer geeigneten Weise.

Diese Formen von Zusammenarbeit und Austausch haben sich sehr bewährt und sind durch eindeutige Vorgaben, Gesetze und Kodizes für beide Seiten auch klar geregelt.



Was ist falsch an dem Eindruck, dass Ärzte mit Hilfe von Geschenken und Honoraren gekauft werden?

Geschenke haben sich für unsere Firma erledigt. Seit Jahren schon schenken sie Ärzten höchstens noch einen Block oder Kugelschreiber; teurere Dinge sind untersagt. Aber jetzt sind jegliche Geschenke abgeschafft. Honorare werden nur gezahlt, wenn einem Arzt in der Zusammenarbeit Aufwand und Kosten entstanden sind. Sie entsprechen dem, was der Arzt auch von Krankenkassen fürs Behandeln bekommt.


Welchen Aufwand haben Ärzte denn, wenn sie an einer klinischen Studie mitwirken?

Der Aufwand für eine Klinik oder Praxis, die an einer Studie mitwirkt, ist erheblich. Er beginnt schon bei der Schulung des Personals, wie im Rahmen der Studie behandelt werden muss. Dann müssen oft Labor und Medikamentenlager noch in geeigneter Weise erweitert werden. Mit den Patienten sind viele zusätzlichen Aufklärungsgespräche zu führen. Bei allen Teilnahmewilligen muss untersucht werden, ob sie wirklich für eine Teilnahme in Betracht kommen – ob sie beispielsweise nicht Begleitkrankheiten haben, die das ausschließen. Mitunter kommt nur einer von 1000 interessierten Patienten letztlich für die Teilnahme in Betracht. Während der Behandlung fallen im Rahmen einer Studie weitere Zusatzuntersuchungen an; und natürlich erhöhter Aufwand für die Krankenakte. Es ist dieser wirklich erhebliche Aufwand, für den die Ärzte entschädigt werden müssen!

Lassen Sie es mich so sagen: Die Motivation der Ärzte, bei Studien am medizinischen Fortschritt mitzuwirken, ist unbezahlbar – aber für alles andere muss eine Firma schon aufkommen, wenn es um die Erprobung ihres Medikamentes geht. Es nicht zu tun, wäre unfair!



Der neue Transparenzkodex – was bezwecken Sie damit?

Forschende Pharma-Unternehmen haben sich mehr als andere Branchen – auch und gerade im Gesundheitswesen – intensiv mit Transparenz und Korruptionsbekämpfung befasst. Sie sehen Transparenz als Grundlage für Glaubwürdigkeit. Deshalb verpflichten sich die Unternehmen mit dem Transparenzkodex, ihre Zuwendungen an Ärzte, Apotheker und andere Fachleute künftig offenzulegen und nachvollziehbar zu machen. Die dafür nötige – ziemlich verzweigte –Buchhaltung wird gerade in den Firmen eingerichtet; 2015 wird gesammelt, und 2016 wird man die ersten Aufstellungen lesen können.