Es passierte im Jahr 1993. Ich verbrachte gerade Zeit mit meiner Enkelin. Plötzlich bekam ich ein Druckgefühl in der Brust und Luftnot. Meine Frau fragte, ob es mir nicht gut gehe, weil ich so blass geworden sei. Ich fühlte mich aber gar nicht unwohl, sondern lediglich ein bisschen merkwürdig. Dieser Zustand ging auch relativ schnell wieder vorbei – nach etwa 15 Minuten fühlte ich mich wieder ganz normal. Glücklicherweise bestand meine Frau aber darauf, dass ich zum Arzt gehe. Mein Hausarzt machte ein EKG und sagte, er habe den Verdacht, dass ich einen Hinterwandinfarkt gehabt hatte. Der Kardiologe, an den ich überwiesen wurde, bestätigte dies: Ich hatte einen stillen Hinterwandinfarkt erlitten.
Weil ich so lange gewartet hatte, bis ich zum Arzt gegangen bin, ist sehr viel Herzmuskelgewebe abgestorben. Deshalb ist es zu einer Herzschwäche gekommen. Ich musste innerhalb von kürzester Zeit operiert werden. Ich bekam drei Bypässe und verschiedene Medikamente, die mir sehr gut geholfen haben. Das Luftholen fiel mir leichter und ich konnte mich wieder besser bewegen. Auch mein Blutdruck normalisierte sich wieder. Mein Cholesterinwert lag vor der Behandlung über 300 mg/dl – das ist sehr hoch. Dank der Medikamente ist er heute so gut wie nie.
Während der Rehabilitation lernte ich, wie ich meine Lebensweise ändern konnte. Ich habe früher geraucht und mich wenig bewegt. Nach dem Herzinfarkt habe ich das Rauchen sofort aufgegeben. Seit dieser Zeit bin ich in einer Herzsportgruppe. Ich fühle mich wohl in dieser Gemeinschaft Gleichgesinnter – sie hat mir Zuversicht gegeben. Seit 1995 bin ich auch Mitglied der Herzstiftung. Ich kann dorthin gehen und über meine Erkrankung reden. In Frankfurt leite ich heute eine Selbsthilfegruppe.
Heute habe ich keine Probleme mehr. Seit meiner Herzoperation lebe ich sehr gut. Ich habe keine Kopfschmerzen mehr, bekomme wieder gut Luft. Ich habe eine viel größere körperliche Ausdauer und schlafe auch besser. Zudem traue ich mir auch wieder Sachen zu, die ich vorher aufgrund der Herzerkrankung gemieden habe, zum Beispiel alleine in einem Flugzeug zu fliegen. Vorher hätte zu viel Angst gehabt, dass mir etwas passieren könnte. Aber die Medikamente machen mich jetzt sicherer. Vor zwei Jahren sind wir auch wieder einmal in die Berge gefahren. Früher bin ich nur mitgefahren, um mir die Berge anzuschauen. Heute laufe ich hoch, so dass sogar meine Frau kaum noch mitkommt.
Trotzdem gibt es aber Aktivitäten, die ich mir nicht mehr zutraue. Früher hatte ich viel Spaß am Fallschirmspringen, ich war sogar einmal Fallschirmjäger. Dass ich jetzt nicht mehr springe, hat allerdings weniger mit meiner Krankheit zu tun, als viel mehr mit meinem Alter.
Ich halte die Forschung an Arzneimitteln für sehr wichtig. Sie muss immer weiter gehen, damit die Patienten Medikamente bekommen, die so wenige Nebenwirkungen wie möglich haben und trotzdem gut helfen.
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