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Das Leben nach einem Schlaganfall

Vor 17 Jahren landete der Optiker Friedrich Müller mit einem Schlaganfall auf der Intensivstation. Er konnte nicht mehr sprechen und war rechtsseitig gelähmt. Aber er hatte sehr gute Pfleger, die gleich versucht haben, ihn wieder auf die Beine zu bringen. In der Reha hat er schließlich auch wieder sprechen gelernt.

Heute bin ich wieder sehr aktiv.

Herr Müller, wann kam es zu Ihrem Schlaganfall?

Friedrich Müller

Am 28. April 1989 war ich in meinem Geschäft - ich habe als Optiker gearbeitet. Eine Kundin saß mir gegenüber und ich wollte ihr sagen, was die Brille, die sie sich ausgesucht hatte, kostet. Doch es kam kein Wort raus. Ich dachte, ich spreche den Preis aus, doch die Kundin hörte ihn nicht. Ich sah Doppelbilder, meinen rechten Arm und mein rechtes Bein konnte ich nicht mehr bewegen. Ich bekam Panik und habe meinen Hausarzt angerufen. Der sagte, ich solle sofort ins Krankenhaus fahren. Ich bin zu Fuß ins Krankenhaus gegangen und konnte dem Notarzt gerade noch erzählen, was passiert ist, da wurde ich bewusstlos. Als ich wieder aufwachte, wusste ich gar nichts mit meiner Situation anzufangen. Ich hatte Durst und versuchte, mich an die Schwester zu wenden. Innerlich habe ich gerufen, aber es kam wieder kein Wort über meine Lippen. Als die Schwester dann doch auf mich aufmerksam wurde, kam sie an mein Bett und sagte: "Herr Müller, Sie hatten einen Schlaganfall." Ich war rechtsseitig gelähmt und konnte nicht sprechen.

Wie sind Sie mit dieser Situation umgegangen?

Friedrich Müller

Das war für mich eine furchtbare Situation: ohne Sprache, halb gelähmt lag ich da. Da ich als Optiker auch mit der linken Hand sehr geübt war, konnte ich mich zunächst durch Schreiben bemerkbar machen. Das Schlimmste war, sich so hilflos zu fühlen. Glücklicherweise stand meine Frau an meiner Seite und hat mich unterstützt.

Wie sind Sie wieder auf die Beine gekommen?

Friedrich Müller

Ich habe von Anfang an gewusst, dass ich wieder laufen und sprechen können würde. Ich hatte damals sehr gute Pfleger, die gleich versucht haben, mich wieder auf die Beine zu bringen. Heute ist es selbstverständlich, dass Schlaganfall-Patienten sofort im Krankenbett mit Ergotherapie und Krankengymnastik beginnen. Damals war das nicht üblich. Ich wurde erst nach zwei Wochen mit Krankengymnastik und von einem Logopäden versorgt. Nach dem Krankenhaus bekam ich eine Rehamaßnahme speziell für Schlaganfall-Betroffene. Dort wurde ich quasi rund um die Uhr therapiert. Medikamente haben mir auf dem Weg der Therapie sehr geholfen. Und auch sprechen und laufen habe ich dort wieder gelernt. Wenn ich keine Medikamente genommen hätte und nehmen würde, wäre ich heute nicht mehr am Leben.

Wie geht es Ihnen heute?

Arbeiten kann ich seit meinem Schlaganfall nicht mehr, aber ich habe wieder gelernt zu reden. Heute bin ich sehr aktiv. Ich fahre auch wieder Auto und Fahrrad. Außerdem leite ich zwei Selbsthilfegruppen für Schlaganfall-Betroffene, fahre zu Vorträgen. Ich kann anderen Leuten durch meine Beratung helfen. Vor allem durch Medikamente ist mein Leben wieder sinnvoll geworden. Der Schlaganfall hat zwar alles in meinem Leben geändert, aber er hat mich auch auf eine andere Stufe gestellt.

Warum haben Sie sich entschieden, bei der Informationskampagne "Forschung ist die beste Medizin" mitzumachen?

Die Forschung ist so wichtig. Ich sehe es bei mir: Wenn es vor 17 Jahren bereits die Medikamente gegeben hätte, die es heute gibt, wäre meine Krankheit nicht so dramatisch verlaufen. Deshalb würde ich heute, wenn es sein müsste, auch auf die Straße gehen, um die Forschung voranzutreiben. Und nun tue ich dies eben auf diese Weise.

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