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Brigitte Lamprecht: Knochenmarktransplantation



"Ich wollte doch unsere sechs Enkelkinder aufwachsen sehen"

Frau Lamprecht, wie kam es dazu, dass Sie eine Knochenmarktransplantation benötigten?

Ich litt über zehn Jahre an einer Polycythämia vera, einer Knochenmarkkrankheit. Die Krankheit als solche ist nicht lebensbedrohlich und lässt sich durch moderne Medikamente gut behandeln. 2007 wurde dann festgestellt, dass sich die Krankheit zur Osteomyelofibrose weiter entwickelt hatte. Zu diesem Zeitpunkt war ich 64 Jahre alt. Als der Arzt mir dann sagte „Siebzig werden Sie damit nicht.“ war ich sehr erschrocken. Ich hätte dann ja nur noch wenige Jahre zu leben gehabt. Heilung konnte nur eine Knochenmarktransplantation bringen. Ich wollte doch gerne unsere sechs Enkelkinder aufwachsen sehen. Also habe ich mich zu einer Knochenmarktransplantation entschlossen.

Wie ging es weiter, nachdem Sie sich zur Knochenmarktransplantation entschieden hatten?

Zunächst mal muss ja ein passender Spender gefunden werden. Das ist aber häufig gar nicht so einfach. Ich hatte Glück. Ich habe fünf Kinder, die haben sich testen lassen. Der Arzt wollte das eigentlich gar nicht, weil Kinder fast nie als Spender in Frage kommen. Aber sie haben drauf bestanden. Sie wollten nichts unversucht lassen, um mir zu helfen. Und tatsächlich passte das Knochenmark einer meiner Töchter. Anfang Januar 2008 bekam ich für sieben Tage eine Chemotherapie, durch die mein eigenes Knochenmark zerstört wurde. Während dieser Zeit habe ich mich sehr schlecht gefühlt. Dann wurden mir die aus dem Knochenmark meiner Tochter ausgeschwemmten blutbildenden Stammzellen in Form einer Bluttransfusion zugeführt. Dies ist heute die moderne Form einer Knochenmarktransplantation. Es gab Tage, an denen es mir nicht gut ging. Nachts hatte ich Alpträume und war deprimiert, hatte aber keine Schmerzen. Von Tag zu Tag ging es mir dann immer besser.

Wie wichtig waren moderne Medikamente für Ihre Heilung?

Ohne moderne Medikamente wäre die Knochenmarktransplantation gar nicht möglich gewesen. Zunächst bereitet eine Chemotherapie den Eingriff vor. Moderne Medikamente bewirken, dass blutbildenden Stammzellen aus dem Knochenmark des Spenders ausgeschwemmt und durch eine Blutwäsche gesammelt und anschließend auf den Empfänger übertragen werden können. Immunsuppressiva ermöglichten dann, dass die Stammzellen anwachsen und nicht vom Körper abgestoßen werden. Diese Medikamente nehme ich auch heute noch. Aber es ist abzusehen, dass ich bald die Medikamente nicht mehr benötige.

Wie geht es Ihnen heute?

Mein Arzt hatte gesagt, dass ich nach einem Jahr wieder ein normales Leben führen könne. Aber ich habe mir schon damals gedacht, dass ich nach sechs Monaten wieder fit sein will. Und so war es dann auch. Nach sechs, sieben Monaten habe ich wieder mit dem Joggen angefangen und in diesem Jahr zum 38. Mal in Folge mein Sportabzeichen gemacht. Heute, würde ich sagen, lebe ich wieder ganz normal. Mitunter denke ich, dass es mir sogar besser geht als früher.

Warum haben Sie sich entschieden, bei der Informationskampagne "Forschung ist die beste Medizin." mitzumachen?

Ich bin sehr interessiert daran, dass medizinische Forschung betrieben wird. Mir haben moderne Medikamente die Knochenmarktransplantation ermöglicht und mir so das Leben gerettet. Ich will deswegen die Forschung unterstützen und engagiere mich auch im hamburgischen Förderverein für Knochenmarktransplantation.

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