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Annika Schüren: Zweite Chance nach Brustkrebs

Eines Morgens fühlte Annika Schüren ganz zufällig einen Knoten in der Brust. Dann ging alles ganz schnell: erst die Operation und dann die Chemotherapie. „Ich habe diese Behandlung als Freund gesehen, nicht als Gegner“, sagt die 33-Jährige.

Durch die Forschung ist die Chemotherapie verträglicher und wirksamer geworden.

Wie haben Sie von Ihrer Brustkrebserkrankung erfahren?

Entdeckt wurde der Brustkrebs im November 2005. Einige Tage bevor ich den Knoten zum ersten Mal gefühlt habe, war ich noch bei der Vorsorgeuntersuchung, aber mein Gynäkologe hatte nichts bemerkt. Ich war zunächst erleichtert. Aber etwa zehn Tage später habe ich mich morgens angezogen, mir den BH-Träger über die Schulter geschoben und dabei etwas Merkwürdiges gespürt, was da nicht hingehörte. Das war wirklich reiner Zufall. Ich bin sofort zum Arzt gegangen, wo es zunächst hieß, dass es kein Krebs wäre – eine Fehldiagnose, wie sich wenig später herausstellte. Ich war aber so sicher, dass da etwas nicht stimmt. Deshalb habe ich eine zweite Meinung eingeholt. Ein Spezialist in Düsseldorf meinte dann sofort, dass das für ihn nach Krebs aussieht und er operieren will.

Wie ging es nach dieser Untersuchung weiter?

Nach dem Gespräch mit dem Spezialisten ging dann alles relativ schnell, so dass ich kaum Zeit zum Nachdenken hatte. Ich bin sofort operiert worden. Als nach der Operation das Laborergebnis vorlag, war klar, dass es ein Mammakarzinom ist, also Brustkrebs. Die Diagnose war natürlich ein Schock für alle. Für meine Umgebung – meinen Mann, meine Familie und meine engsten Freunde – war es aber wahrscheinlich noch schlimmer als für mich.

Nach der Operation hat man mich wegen meiner speziellen Diagnose in eine Studie mit einem neu entwickelten Wirkstoff aufgenommen. So habe ich nicht nur die Standard-Chemotherapie erhalten, sondern eine Kombination aus zwei Chemotherapien und einem Medikament, das die Ausbreitung des Krebses in die Knochen verhindert. Danach habe ich noch 35 Bestrahlungen bekommen.

Hatten Sie Angst vor der Behandlung?

Ich hatte nie Angst vor der Chemotherapie. Ich habe diese Behandlung als Freund gesehen, nicht als Gegner. Für mich ist das psychisch auch eine ganz wichtige Sache gewesen, zu wissen, da ist jetzt etwas in meinem Körper, das die „kleinen Mistkerle“ platt macht, um das mal auf gut Deutsch zu sagen. Ich habe mir das immer ein bisschen so vorgestellt, wie eine Armee von kleinen Helfern, die durch meinen Körper jagen und die Krebszellen, sofern da noch welche sind, unschädlich machen. Mir hat einfach auch diese Vorstellung geholfen, dass ich da noch eine Unterstützung habe und mein Körper das nicht alleine schaffen muss.

Ich habe die Therapie auch sehr gut vertragen, muss ich sagen. Ich hatte kaum Nebenwirkungen. Natürlich sind mir die Haare ausgefallen, aber das fand ich in Ordnung. Eine Glatze ist ein relativ geringer Preis für eine erfolgreiche Krebstherapie, oder? Ich weiß, dass jeder Mensch anders auf die Wirkstoffe reagiert. Ich persönlich habe mich kaum beeinträchtigt gefühlt. Wenn ich nicht als Stewardess gearbeitet hätte, sondern in einem anderen Bereich tätig gewesen wäre, dann wäre ich weiter arbeiten gegangen.

Wie stehen Sie heute zur Arzneimittelforschung?

Ich bin Tochter eines Arztes und stand modernen Medikamenten schon immer sehr positiv gegenüber. Ich kann es nicht nachvollziehen, wenn Menschen lieber Kopfschmerzen ertragen, als eine millionenfach getestete Tablette einzunehmen.

Richtig verstanden habe ich den unglaublichen Fortschritt, der ständig um uns herum passiert, aber erst durch meine Teilnahme an dieser Studie. Erst, wenn man durch die Forschung eine zweite Chance erhält, begreift man den Wert jeder kleinen Entdeckung. Weil es Forschung und Studien gibt, sind zum Beispiel die Verträglichkeit und die Wirksamkeit der Chemotherapie viel besser geworden. Wenn ich mir überlege, wie das noch vor zwanzig Jahren aussah: Da durfte man ja ohne Mundschutz gar nicht vor die Tür, weil das Immunsystem so angegriffen worden war und die Nebenwirkungen waren wesentlich schlimmer. Und heute ist das ganz anders: Ich war im Grunde bis auf die Frisur völlig alltagstauglich.

Und natürlich bin ich auch dankbar dafür, dass mein Risiko, Knochenmetastasen zu bekommen, durch ein neues Medikament gesenkt werden kann. So muss ich mir ein paar Sorgen weniger machen.

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