Mitte der achtziger Jahre wurde bei mir die Diagnose Diabetes’ gestellt. Ich habe die Krankheit selbst nicht bemerkt. Aber da ich im Gesundheitswesen arbeite, gehe ich zu regelmäßigen Untersuchungen. Bei einer dieser Routine-Untersuchungen wurde dann festgestellt, dass ich an Diabetes Typ II leide. Es kam wie aus heiterem Himmel. Ich hatte zu diesem Zeitpunkt keinerlei Beschwerden, nur anhand meiner Zuckerwerte war die Krankheit zu erkennen. Das war nicht nur für mich, sondern auch für meine Familie überraschend. Ich war damals schlank, war also nicht der Typ für Diabetes II. Die Ärzte sagten mir dann, dass der Stress, den ich im Beruf hatte, die Krankheit möglicherweise ausgelöst hat.
Durch meinen Beruf im Pflegedienst wusste ich von Anfang an, was Diabetes bedeutet und mit was ich leben muss. In der DDR, wo ich gelebt habe, gab es Diabeteszentren. Dort bin ich regelmäßig hingegangen und wurde beraten, auf welche Dinge ich achten muss, um mit der Krankheit zu leben. Ich bekam einen Diätplan, stellte meine Ernährung um. Da es in der DDR kaum Diabetikerprodukte gab, hieß das für mich, auf Zucker zu verzichten. Außerdem wurde ich medikamentös eingestellt, noch nicht mit Insulin, das war zu dem Zeitpunkt noch nicht nötig. Im Januar 1999 bekam ich einen Herzinfarkt und seitdem brauche ich Insulin, um meine Zuckerwerte im normalen Bereich zu halten. Ich bekomme ein so genanntes Langzeitinsulin, das heißt, ich muss mir nur abends eine Injektion geben. Damit kann ich gut umgehen, auch weil ich durch meinen Beruf den Umgang mit Spritzen kannte.
Ich führe ein normales Leben. Ich esse für meine Begriffe normal, das heißt natürlich, dass ich auf Zucker- und Fettwerte achte. Das Spritzen meines Insulins ist für mich eine Handlung, die zu meinem Alltag gehört und die sich wie ein Reflex festgesetzt hat. Die Medikamente tun mir gut. Sie sorgen dafür, dass ich keine Beschwerden habe. Seit meiner Erkrankung lebe ich auch bewusster. Ich versuche, mehr für meine Familie da zu sein, die ist vor meiner Krankheit oft zu kurz gekommen. Und arbeite weiterhin. Ich habe mittlerweile wieder ein Leistungsvolumen, auf das ich sehr stolz sein kann.
Ich würde jedem sagen, dass er versuchen soll, sich Rat zu holen, zum Beispiel bei anderen Betroffenen, die schon lange mit ihrer Krankheit leben. Sie sollen nicht meinen, alleine damit fertig werden zu müssen, sondern mit ihrer Familie zusammen. Meine Familie ist das A und O für mich. Als ich meine Essgewohnheiten umstellen musste, haben sie einfach mitgemacht. Wir essen eigentlich alle gleich. Manchmal muss ich auf einige Sachen verzichten, die meine Frau und meine Kinder essen können. Ein Eisbein ist nicht drin oder abends ein Glas Bier oder Wein. So eine Umstellung schafft man nicht alleine. Meine Familie war mir dabei eine große Hilfe. Auch für mich war es am Anfang schwer, meine Diabetes-Erkrankung zu akzeptieren. Aber es war ein allmählicher Übergang und jetzt kann ich mit meiner Krankheit gut umgehen. Das wünsche ich auch allen anderen Betroffenen.
Die Forschung ist unabdingbar. Denn nicht zu forschen bedeutet Stillstand. Auch für mich persönlich hoffe ich auf Fortschritte. Ein Insulin zum Inhalieren zum Beispiel würde mein Leben noch einfacher machen. Ich wäre unabhängig, müsste nicht überall mit daran denken, wie ich möglichst unauffällig mein Insulin nehmen kann.
Ich bin davon überzeugt, dass gute Medikamente mir geholfen haben, ein vernünftiges normales Leben zu führen. Sie haben mir meine Gesundheit und meine Lebensqualität zurückgegeben. Seit ich Medikamente nehme, habe ich keine Beschwerden mehr, weder am Herz noch sonst irgendwo. Und dafür stehe ich als Betroffener auch in der Öffentlichkeit.
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