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Holger Woizick: Niereninsuffizienz

Was ist die Ursache für Ihre Erkrankung?

Begonnen hat alles vor über 20 Jahren. Ich war 19 Jahre alt und Wehrpflichtiger bei der Bundeswehr. Bei einer anstrengenden Wehrübung musste ich extreme Temperaturunterschiede aushalten. Draußen waren es Minus 13 Grad Celsius. Dabei zog ich mir eine Blasenentzündung zu, die nicht richtig behandelt wurde. Später, als die Schmerzen stärker wurden, glaubte der Stabsarzt, dass ich simuliere. Er verschrieb mir dann letztendlich Antibiotika. Zu diesem Zeitpunkt waren meine Nieren jedoch schon stark geschädigt. Nach der Diagnose der terminalen Niereninsuffizienz, also einer unheilbaren Nierenerkrankung, wurde ich nachträglich ausgemustert.

Wie war der weitere Krankheitsverlauf?

Nach meinem Studium wurden meine Blutwerte immer schlechter, so dass ich sogar beinahe in ein Koma fiel. Ich musste über acht Jahre lang an die Dialyse, bis mir 2003 eine neue Niere transplantiert wurde. Leider hielt die Niere nicht lange durch. Bereits bei der Transplantation entstand eine Thrombose in einer Nierenvene. Ein Drittel des Organs fiel aus. Auch die restliche Nierenfunktion ließ in den folgenden Jahren nach. Seit Juni 2007 bin ich deshalb wieder auf die Dialyse angewiesen.

Inwieweit können Sie normal leben?

Ich lebe sehr bewusst und kann alles tun. Bereits in der Dialysezeit habe ich mit Taekwon-Do angefangen, einer koreanischen Kampfkunst, die mir hilft, Körper und Geist zu schulen und in Einklang zu bringen. Im September 2005 habe ich dann sogar die Prüfung zum 1. Dan, dem ersten Schwarzgurt, abgelegt. In den letzten neuen Jahren habe ich an diversen Lehrgängen teilgenommen, einige davon in Florida, New York und der Türkei. Sport ist mir sehr wichtig, aber ohne Medikamente nicht möglich.

In der Zeit, in der ich die transplantierte Niere hatte und noch nicht an die Dialyse musste, hatte ich viele weitere Reisen unternommen, u.a. nach Hawaii, Australien, Japan und Neuseeland. Eine Reise führte mich als Fluggast in einer Cessna durch den Wilden Westen Amerikas. Seit einem Jahr betreibe ich Modellflug – die Modelle werden immer etwas größer und anspruchsvoller – als Ersatz für Flugstunden, die ich mit Flugzeugen und Hubschraubern ab und zu genommen hatte. Bei schönem Wetter fahre ich auch gerne mal mit meinem Motorrad, einer Ducati, durch die Gegend.

Gibt es Bereiche, in denen die Krankheit Sie einschränkt?

Das einzige Problem ist die mangelnde Zeit. Ich verbringe dreimal pro Woche je vier Stunden bei der Dialyse. Trotzdem kann ich auch heute noch verreisen. Im Vorfeld muss ich meine Dialyse am Zielort planen. Es ist alles eine Frage der Organisation.

Welche Rolle spielen Medikamente bei Ihrer Erkrankung?

Damit eine Dialyse erst möglich ist, benötige ich verschiedene Präparate, die bestimmte Salze im Körper im Gleichgewicht halten. Die Nierentransplantation hätte ohne Medikamente nicht stattfinden können. Immunsuppressiva sorgten dafür, dass die Spenderniere überhaupt angenommen wurde. Auch mein Knochenbau wäre ohne die richtigen Medikamente gestört. Das regelt normalerweise die Niere. Damit ich normal leben und Sport machen kann, bekomme ich außerdem ein Präparat, das das Wachstum von roten Blutkörperchen fördert, ein Blutdruckmittel und einen Cholesterinsenker. Ohne Medikamente würde ich seit 13 Jahren nicht mehr leben.

Warum haben Sie sich entschieden, bei der Informationskampagne "Forschung ist die beste Medizin." mitzumachen?

Medikamente haben es ermöglicht, dass ich überlebt habe. Aus diesem Grund stehe ich der Arzneimittelforschung offen gegenüber. Ich möchte mich dafür einsetzen, dass Menschen mit Erkrankungen die jeweils beste Therapie erhalten. Dafür sollten immer die Medikamente eingesetzt werden, die dem aktuellen Stand der Forschung entsprechen.

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