Krug mit Grapefruitsaft und Früchte
(© dpa)
Es reicht nicht immer, täglich brav seine Medikamente einzunehmen. Manche Wirkstoffe vertragen sich nicht mit dem einen oder anderen Lebensmittel. So kann eine „unglückliche“ Kombination von Medikamenten und bestimmten Nahrungsmitteln dazu führen, dass ein Arzneimittel gar nicht, weniger oder sehr viel stärker wirkt als gewünscht, weil das Lebensmittel dessen Aufnahme in den Blutkreislauf behindert oder fördert.
Wer regelmäßig Medikamente nimmt, sollte auch darauf achten, was er isst und trinkt. Fehler bei der Einnahme können nämlich dazu führen, dass ein Arzneimittel nicht richtig wirken kann oder viel stärker wirkt als beabsichtigt. Dass man Medikamente nicht mit Wein oder Bier einnehmen sollte, wissen die meisten. Weniger bekannt ist hingegen, dass auch alltägliche Lebensmittel problematisch sein können. So versetzte in den 1990er-Jahren die Grapefruit die Forscher in Aufruhr: Testpersonen nahmen ein Arzneimittel zusammen mit Grapefruitsaft ein. Das Fruchtaroma sollte den unangenehmen Geschmack des Medikaments überdecken. Die Konzentration der aufgenommenen Substanz im Blut war dadurch allerdings viel höher als erwünscht.
Bestandteile der Frucht hemmen ein Enzym in der Darmwand, das Arzneimittel zum Teil vor Eintritt in den Blutkreislauf abbaut. Diese Wirkung beginnt schon mit dem ersten Glas Grapefruitsaft und kann 24 Stunden bis tagelang anhalten. Erwiesen ist eine solche Wechselwirkung der Grapefruit mit Wirkstoffen gegen Allergien (Antihistaminika), erhöhten Blutdruck oder Blutfettwerte sowie bei manchen Schmerz- und Schlafmitteln sowie manchen Medikamenten gegen HIV. Da die Grapefruit die Wirkung um bis zu 70 Prozent verstärken kann und es dadurch zu teilweise schweren unerwünschten Nebenreaktionen des Körpers kommt, sollte man auf die Frucht und ihren Saft während einer medikamentösen Behandlung am besten verzichten.
Auch Milch und Milchprodukte können ein Problem sein. Antibiotika aus den Wirkstoffgruppen der Tetrazykline und Gyrasehemmer sollten nicht mit Milch, Quark, oder Joghurt eingenommen werden, da diese Kombination die keimtötende Wirkung des Antibiotikums vermindert oder gar aufhebt. Denn diese Lebensmittel enthalten viel Kalzium, das mit dem Arzneiwirkstoff nicht lösliche Klümpchen bildet, die nicht mehr durch die Darmwand in die Blutbahn eindringen können, sondern verdaut und ausgeschieden werden. Ebenso verbinden sich Fluoride, Mittel zum Zahnaufbau bei Kindern und zum Knochenaufbau, mit Kalzium. Es entstehen schwer lösliche Salze, so dass die Fluoride vom Körper nicht mehr aufgenommen werden können.
Manche Antibiotika vertragen sich auch nicht mit koffeinhaltigen Getränken wie Kaffee, Schwarz-, Grün- oder Matetee und Cola. Gyrasehemmer behindern den Abbau von Koffein im Körper, so dass es zu Nervosität, Herzrasen oder Schlafstörungen kommen kann. Eisenpräparate, die zur Behandlung einer Blutarmut eingesetzt werden, vertragen sich nicht mit Kaffee, Tee und Rotwein. Die Eisenionen gehen mit dem Koffein und den Gerbstoffen (Tannin) im Tee und Wein im Magen schwer lösliche Verbindungen ein – der Körper scheidet das Eisen ungenutzt aus. Koffein verstärkt zudem erheblich die Wirkung von manchen Diabetes-Medikamenten wie Insulin, das den Blutzucker senken soll. In Kombination mit Koffein kann der Blutzucker aber gefährlich weit abfallen. Kaffee und Tee vermindern zudem die Wirkung mancher Medikamente gegen psychische Störungen.
Die Wirkung einiger Gerinnungshemmer, so genannter Antikoagulanzien, wird empfindlich von Vitamin-K-haltigen Lebensmitteln beeinflusst. Zu diesen zählen Brokkoli, Kopf- und Feldsalat, Rosenkohl, Spargel, Spinat, Mangold, Bohnen und Erbsen. Auch Eigelb, Leber und Milchprodukte mit hohem Fettgehalt sind wichtige Vitamin-K-Quellen. Antikoagulanzien erhalten Patienten beispielsweise nach einem Herzinfarkt oder nach Operationen, wenn die Gefahr einer Thrombose besteht. Gegenspieler dieser Mittel ist Vitamin K, das an der Bildung von Substanzen für die Blutgerinnung beteiligt ist. Daher sollte während einer Behandlung mit solchen Gerinnungshemmern auf große Mengen Vitamin-K-haltiger Lebensmittel verzichtet werden.