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15. September 2005

Von der Tonerde zum Protonenpumpenhemmer

 
In vielen Fällen kann die Operation durch wirksame Medikamente vermieden werden
Magengeschwüre sind keine Plage der heutigen Zeit. Die immer kleiner werdenden Hosen Napoleon Bonapartes belegen nach Ansicht von Forschern, dass der entmachtete Kaiser vor seinem Tod an einem Magengeschwür litt. Ganze elf Kilo soll der kleine „schwergewichtige“ Mann innerhalb von nur fünf Monaten verloren haben. Auch der Schöpfer des Herrn der Ringe, John Ronald Reul Tolkien, blieb von der Erkrankung nicht verschont.

Schon die Menschen der Antike klagten über entsprechende Beschwerden im Verdauungstrakt. Ihre Ärzte setzten bei der Behandlung von Magenschleimhautentzündung und Magengeschwüren auf das Abschwächen der Magensäure. Der römische Gelehrte Plinius der Ältere (23-79 n. Chr.) berichtet von zerriebenen Korallen, gemahlenem Karbonat- oder Kalkphosphatgestein als geeigneten Arzneien. Der griechische Arzt und Pharmakologe Dioskurides empfahl um 100 nach Christus, bei Magenleiden Tonerde (Silikate) zu schlucken. Heute weiß man, dass jene Stoffe die Magensäure teilweise neutralisieren. Die Therapie dürften also gewirkt haben, auch wenn damals niemand wusste, warum.

In schweren Fällen blieb nur noch die Operation

Seit fast 200 Jahren wird bei Gastritis und Geschwüren dazu geraten, Milch zu trinken, was ebenfalls die Magensäure bindet und dadurch abschwächt. Beinahe ebenso alt ist die Gabe von Bismutsalzen. Sie verbinden sich mit Proteinen der Magenschleimhaut zu einem Film, der die Geschwüre abdeckt und vor dem aggressiven Magensaft schützt. Weil aber all diese Mittel in schweren Fällen nicht helfen konnten, entwickelte der deutsche Arzt und einer der bedeutendsten Chirurgen des 19. Jahrhunderts, Christian Theodor Billroth, ab 1880 Operationstechniken, mit deren Hilfe er Teile des Magens entfernte, um Beschwerdefreiheit zu erreichen. Diese Art der Therapie ist jedoch in den vergangenen Jahren von effektiven medikamentösen Behandlungen verdängt worden.

Mit Hilfe moderner Medikamente wie den H2-Antagonisten und den Protonenpumpenhemmern, die dem Magensaft seine Säure nehmen, und der Entdeckung des Helicobacter pylori als Auslöser von Gastritis und Geschwüren fanden Wissenschaftler wirksame unblutige Therapien. So erwartet die betroffenen Patienten heute statt einer Operation lediglich eine siebentägige Behandlung mit drei unterschiedlichen Arzneien, die so genannten Tripeltherapie.
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