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15. Dezember 2005

Falsch gedacht: Tuberkulose ist ausgerottet

 
Mycobakterium tuberculosis
Noch zu Beginn des 20. Jahrhunderts starben Millionen Menschen aufgrund mangelnder Hygiene und fehlender Behandlungsmöglichkeiten an Tuberkulose. Mit den ersten wirksamen Medikamenten ging die Erkrankung weltweit drastisch zurück. Doch wer glaubt, die Krankheit sei längst ausgerottet, irrt leider.

Besonders im 19. und frühen 20. Jahrhundert raffte die Tuberkulose Millionen Menschen dahin. Mit Verbesserungen in der Hygiene, im öffentlichen Gesundheitswesen und schließlich mit der ersten medikamentösen Behandlung in den 1940er-Jahren ging die Erkrankung weltweit drastisch zurück. „Heute kommt die Erkrankung kaum noch vor“ ist jedoch leider ein Irrglaube. Ganz im Gegenteil: Seit Mitte der 1980er-Jahre ist die Zahl der Tuberkulose-Kranken wieder deutlich gestiegen. Etwa acht Millionen Menschen erkranken und zirka zwei Millionen Menschen sterben jährlich an Tuberkulose - 99 Prozent davon in den ärmeren Ländern. Außerdem sterben viele an Aids erkrankte Menschen schließlich an Tuberkulose - die Erreger haben bei HIV-Infizierten aufgrund des geschwächten Immunsystems ein leichtes Spiel. Insgesamt trägt ein Drittel der Weltbevölkerung Tuberkulose-Bakterien in sich; die meisten davon, ohne erkrankt zu sein - bei Mangelernährung oder einer Schwächung des Immunsystems bricht die Erkrankung dann aus.

Auch vor Deutschland machen die Mycobakterien, die Erreger der Erkrankung, nicht halt: Im Jahr 2003 zählte das Robert Koch-Institut 7.184 Tuberkulosefälle, 374 Patienten starben. Kopfzerbrechen bereitet Ärzten und Arzneimittelforschern die Tatsache, dass manche Erreger mittlerweile gegen die zur Behandlung der Tuberkulose eingesetzten Antibiotika unempfindlich (resistent) sind. So stieg der Anteil von Erregern mit Resistenzen gegen mindestens eines der fünf Standardmedikamente von 11,0 Prozent im Jahr 2001 auf 13,3 Prozent im Jahr 2003. Der Anteil multiresistenter, also gegen mehrere Wirkstoffe unempfindlicher Erreger blieb mit 2,1 Prozent weitgehend stabil.

Doch auch wenn die Mycobakterien auf Antibiotika-Kombinationen ansprechen, muss die Behandlung mindestens ein halbes Jahr konsequent durchgehalten werden, denn einige wenige Tuberkulose-Bakterien überstehen auch monatelange Antibiotika-Einwirkung und können sich nach einem vorzeitigen Ende der Behandlung wieder munter vermehren. Selbst Patienten in Industrieländern mit guter medizinischer Betreuung tun sich mit einer sechsmonatigen Behandlung oft schwer. In Entwicklungsländern machen zusätzliche Infrastrukturprobleme den Behandlungserfolg teilweise unmöglich - nicht alle Erkrankten haben Zugang zu den Medikamenten, manchmal kommt es innerhalb der sechs Monate zu Lieferengpässen bei den Arzneimitteln, und häufig mangelt es an medizinisch geschultem Personal.

Die Suche nach neuen Wirkstoffen zur Behandlung der Tuberkulose geht also weiter: Derzeit laufen14 Projekte für entsprechende neue Arzneimittel, darunter zwei speziell zu Antibiotika gegen Tuberkulose.

Einige Projekte zielen darauf ab, ganz neuartige Wirkstoffe speziell gegen Tuberkulose zu finden und zu Medikamenten zu verarbeiten. In anderen wird das Potenzial vorhandener, aber bisher nicht gegen Tuberkulose erprobter Antibiotika für eine bessere Tuberkulosetherapie zu erproben. Langfristiges Ziel ist es, Medikamentenkombinationen zu entwickeln, die eine zuverlässige Ausheilung binnen zwei Monaten gewährleisten.

Außerdem sollen neue Impfstoffe entwickelt werden - auch ein Impfstoff, der die Schutzwirkung des vorhandenen, nur bei Kindern wirksamen Impfstoffs um Jahre verlängert. Ein Großteil der Projekte wird von der TB Alliance koordiniert, einer nichtkommerziellen Organisation, die mit vielen verschiedenen Pharmaunternehmen, akademischen Forschungslabors, Stiftungen und anderen zusammenarbeitet und die Entwicklungsaktivitäten koordiniert (http://www.tballiance.org).
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