Schizophrenie entsteht hauptsächlich durch ein Ungleichgewicht im Dopamin-Stoffwechsel des Gehirns. Das Bild zeigt eine Darstellung eines Kontakts zwischen Nervenzellen, bei dem eine der Zellen Dopamin freisetzt
(© Medical Picture)
„Das ist doch schizophren!“ – Dieser Satz ist oft Ausdruck des Verzweifelns. Etwas will einfach nicht zusammenpassen. So geht es uns oft auch mit Menschen, die an Schizophrenie leiden. Ein schizophrener Mensch habe eine
gespaltene Persönlichkeit, so der
Volksmund. Dabei verbirgt sich hinter der Schizophrenie ein
anderes Krankheitsbild, das einerseits die Wahrnehmung und das Handeln, das Fühlen und Denken, aber auch Konzentration und Aufmerksamkeit sowie Sprache und Bewegung des Erkrankten beeinflussen kann. Ursache ist ein Ungleichgewicht von Nervenbotenstoffen im Gehirn.
Die Wahrnehmung verändert das Denken, Fühlen und Handeln
Das
Ungleichgewicht der Nervenbotenstoffe, in der Hauptsache des Botenstoffes
Dopamin, führt unter anderem dazu, dass Ereignisse anders bewertet und erinnert werden. Da das logische Denken der Betroffenen intakt ist, entsteht für die an Schizophrenie Erkrankten zum Beispiel der Eindruck, ein zufälliger Blick eines Passanten gelte genau ihnen – der mögliche Anfang eines Verfolgungswahns. Aus Skepsis wird Misstrauen, aus Misstrauen Zweifel und aus Zweifel Gewissheit. Schizophrene isolieren sich langsam und sind schließlich im Umgang mit anderen unsicher. Die Wahrnehmung kann aber auch in anderer Weise verändert sein:
Neben der wahnhaften Umdeutung von bestimmten Ereignissen leiden Schizophrene oft auch unter
Halluzinationen, zum Beispiel Stimmen, die ihnen Befehle geben oder ihr Handeln kommentieren. Auch andere Sinne wie das Sehen oder der Tastsinn können betroffen sein. Die Halluzinationen werden von den Erkrankten in der Regel als fremd und von außen gemacht empfunden.
Wenn das Ungleichgewicht der Botenstoffe immer größer wird, kann es dazu führen, dass die Gedanken der Betroffenen zunehmend durcheinander geraten, abreißen oder rasen, sprich: sich verwirren. Emil Kraepelin, einer der bekanntesten deutschen Psychiater des vorigen Jahrhunderts, entwickelte daraus den Begriff der vorzeitigen Demenz (Dementia praecox).
Die Störung des Denkens findet sich
manchmal auch in der Sprache und Bewegung schizophrener Menschen wieder. Die Betroffenen reden verwirrt, bleiben stumm und wechseln unter Umständen zwischen Phasen maximaler Erregung und absoluter Starre. Dieses Verhalten führte zu der irrigen Vermutung, dass die Persönlichkeit schizophrener Menschen gespalten sein muss, wie in der Geschichte von Robert Louis Stevenson
„Doktor Jekyll und Mister Hyde“, in der die Titelfigur zwischen der vernunftbegabten und der amoralischen, triebhaften Seite seiner Persönlichkeit hin- und herwechselt und ein Doppelleben führt.
Schizophrenie – eine Erkrankung mit weit reichenden Folgen
Die Wahrscheinlichkeit, an Schizophrenie zu erkranken, liegt in allen menschlichen Kulturen bei etwa einem Prozent. Etwa jeder zehnte hat eine Veranlagung, daran zu erkranken. Eine
Schizophrenie kann langsam beginnen und dann unter andauernder oder plötzlich eintretender
schwerer Belastung als Psychose, einer plötzlichen und umfassenden Veränderung der Wahrnehmung, zum Vorschein kommen. Bei etwa einem Drittel der Betroffenen nimmt die Erkrankung einen chronischen Verlauf. Viele von ihnen werden bereits in jungen Jahren erwerbsunfähig. Die Ziele einer Schizophreniebehandlung sind die Vermeidung neu auftretender psychotischer Phasen und die Erhaltung der Lebensqualität in einem stabilen sozialen und beruflichen Umfeld. Die Therapie umfasst unter anderem die Einnahme von Medikamenten, Hirnleistungstraining sowie Gruppenangebote zum Umgang mit der Erkrankung und Angebote zur beruflichen Qualifikation. Medikamente, so genannte Neuroleptika, reduzieren die Wahrnehmungsstörungen oder bringen sie ganz zum Verschwinden. Außerdem verringern sie die Wahrscheinlichkeit, dass der an Schizophrenie erkrankte einen Rückfall erleidet.