Sumpfgebiete bieten ideale Brutbedingungen für Malariamücken
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Wie die Wurzeln der Menschheit liegen wahrscheinlich auch die Wurzeln der Malaria als humanmedizinische Krankheit in Afrika – die frühesten Belege dafür stammen aus über 5000 Jahre alten ägyptischen Mumien. Aber: Die Malaria beziehungsweise ihre Überträger,
Stechmücken der Gattung Anopheles, eroberten nach und nach fast die ganze Welt, und zwar nicht nur die tropischen Gefilde.
In der Antike verbreitete sich die Erkrankung rund um das Mittelmeer. In einer dem griechischen Arzt Hippokrates (460-377 v. Chr.) zugeschriebenen Schrift findet sich die erste genaue Beschreibung der Malaria und die Feststellung, dass sie vor allem
in der Nähe von Sumpfgebieten auftrat. Eine zutreffende Erkenntnis, wird doch die Malaria ausschließlich von Mücken übertragen, die als Larven in stehenden Gewässern heranwachsen! Diesen Zusammenhang kannte der antike Autor freilich ebensowenig wie die eigentlichen Krankheitserreger, die mikroskopisch kleinen Plasmodien. Vielmehr vermutete er, dass durch Trinken des abgestandenen Wassers die „Körpersäfte aus der Balance“ geraten und dadurch die Krankheit verursacht wird.
Malariagefahr war einer der wesentlichen Gründe, weshalb in den vorchristlichen Jahrhunderten in Mittelitalien Siedlungen vorzugsweise auf Hügelkuppen (fernab der Sümpfe) gebaut wurden - auch Rom, das auf sieben Hügeln und eben nicht in sieben Tälern entstand. Trotzdem wurde Rom zur Zeit der Republik und der römischen Kaiser wie auch viele andere
Gebiete des Römischen Reiches immer wieder von Malariaepidemien heimgesucht. Manche Altertumswissenschaftler glauben sogar, dass schwere Malariaepidemien zum Untergang des Römischen Reiches beigetragen haben. Wenn auch die Kaiser gingen - die Malaria blieb und quälte und tötete Arme und Reiche, als das Land längst Italien hieß. Aus dem Italienischen stammt auch der heute geläufige Name:
„mala aria“ heißt
„schlechte Luft“ – auch sie wurde lange Zeit als Ursache angesehen.
Im späten Mittelalter reichten die europäischen Malariagebiete
von Spanien und England bis Polen und Russland. Im 17. und 18. Jahrhundert war die Malaria in England weit verbreitet und wurde von Soldaten und Expeditionsteilnehmern aus Afrika und Indien immer wieder neu eingeschleppt.
Auch in Deutschland war die Malaria keine exotische Erkrankung: Seit den napoleonischen Kriegen Ende des 18. Jahrhunderts bis zum zweiten Weltkrieg trat sie in einzelnen Gebieten immer wieder auf – zum Beispiel boten die versumpften Auengebiete des Rheins den Stechmücken ideale Brutplätze. Auch den deutsche Dichter Friedrich Schiller erwischte die Malaria 1783 in Mannheim, wohin er in diesem Jahr als Theaterdichter berufen worden war. Angesteckt hatte er sich offenbar auf seiner Reise von Karlsruhe nach Mannheim, die durch ein Sumpfgebiet am Rhein führte.
Heute ist die Malaria aber in Deutschland, Europa und den wohlhabenden Teilen der Welt erfolgreich ausgerottet. Der wichtigste Grund dafür: Durch Trockenlegung von Sumpfgebieten, Kanalisation der Abwässer und verbesserte Wohnbedingungen konnten viele nahe an Siedlungen gelegene Brutplätze der Malariamücken vernichtet werden.
Mit der
Begradigung des Rheins im 19. Jahrhundert grub sich der Fluss tiefer in den Grund. Daraufhin sank der Wasserspiegel und etliche Nebenarme blieben auch bei Hochwasser trocken. Diese Verlandung raubte den Malariamücken wesentliche Teile ihres Lebensraums. Zwar gab und gibt es bis heute immer noch Malariamücken (Biologen nennen sie Anopheles) am Rhein. Doch die Kontaktrate von Mensch und Mücke wurde gegenüber dem Anfang des 20. Jahrhunderts immer geringer, so dass die Malaria kaum noch übertragen werden konnte. So starb sie allmählich aus.
Am hartnäckigsten hielt sich die Erkrankung in den
Feuchtgebieten des norddeutschen Tieflandes: In der etwa 100 km nordwestlich von Bremen gelegenen Stadt Emden wurden 1939 noch 225 Malariafälle verzeichnet. Einzelne hierzulande erworbene Malariaerkrankungen wurden bis in die 1950er-Jahre hinein noch registriert, danach viele Jahre lang nur noch Fälle, bei denen sich die Patienten in tropischen Ländern angesteckt hatten, ehe sie nach Deutschland kamen.
So sollte es bleiben, bis
1997 in Duisburg zwei Mädchen, die nie in Malariagebieten gewesen waren, in einem Krankenhaus an Malaria erkrankten. Die Erreger waren von einer einheimischen Anopheles-Art übertragen worden, deren Larven in einem wassergefüllten Astloch in der Nähe des Duisburger Klinikums gefunden wurden. Zur selben Zeit wurde damals ein Mädchen aus Angola in der Klinik wegen Malaria behandelt – die Mücke hatte die Angolanerin vermutlich zuerst gestochen und dann die beiden deutschen Mädchen.
Inzwischen meinen einige Experten sogar, dass mit der Klimaerwärmung eine
Rückkehr der Malaria nach Deutschland nicht mehr ausgeschlossen ist: Wenn es ein paar Wochen richtig heiß wäre und es eine bestimmte Menge infizierter Menschen gäbe, könnte sich die Erkrankung ausbreiten. Große Malariaepidemien seien allerdings nicht zu befürchten; dafür ist die hiesige Kontaktrate zwischen Menschen und Mücken doch zu gering.
Experten wären allerdings froh, wenn die Malaria überhaupt nicht nach Deutschland eingeschleppt würde. Denn es gibt für Reisende, die in Malariagebiete fahren, ja gute
Vorsorgemöglichkeiten, zu denen Moskitonetze, mückenabweisende Cremes und schützende Medikamente zählen; aber mehr als die Hälfte aller Urlauber reisen ohne Vorsorge in Malariagebiete! Je weniger Menschen den Erreger ins Land bringen, desto geringer ist das Risiko, dass die Malaria in Deutschland wieder „Fuß fasst“.