Gäbe es eine Rangfolge der Bedeutung unter den menschlichen Organen, würden die meisten Menschen den Blinddarm wohl auf die hintersten Plätzen setzen. Man kennt ihn zwar, doch gilt er gemeinhin als unnütz. Eine lebenswichtige Funktion im Körper übernimmt er nicht und bemerkbar macht er sich nur dann, wenn er stark entzündet ist – mit furchtbaren Schmerzen im Bauch. Dabei ist es gar nicht der Blinddarm selbst, der dann an seine Existenz erinnert, sondern der dünne, ihm anhängende Darmschlauch: der Wurmfortsatz oder Appendix. Aber ist der wirklich zu nichts zu gebrauchen?
Wissenschaftler der Duke Universität von North Carolina (USA) sind der Frage nachgegangen und haben doch eine Funktion des Wurmfortsatzes ausgemacht. Offensichtlich stellt er ein Schutzgebiet für eine Vielzahl nützlicher, nicht krankmachender Bakterien. Sie sorgen für eine gesunde Darmflora, die die Dickdarmschleimhaut vor Krankheitserregern schützt, das Immunsystem unterstützt, die Darmschleimhaut mit Energie versorgt und bei der Verdauung von Nahrung hilft.
Wird die Darmflora nun in Folge einer Erkrankung geschwächt oder geht wie bei starken Durchfallerkrankungen sogar verloren, bleiben die Bakterien im Wurmfortsatz davon verschont. Sie sorgen dann für die Wiederbesiedlung des Darmes mit den „guten“ Bakterien und verhindern gleichzeitig die Ausbreitung krankmachender Bakterien, meinen die US-Wissenschaftler. Von Bedeutung sei diese Funktion des Appendix in Regionen, in denen schlechte hygienische Bedingungen herrschten und infolge dessen schwere Darmerkrankungen wie Cholera oder Ruhr häufiger aufträten. In Regionen mit gehobenen hygienischen Standards dagegen spiele das Bakterienreservoir des Appendix keine so große Rolle.
Dass der Appendix aber kein lebenswichtiges Organ ist, spiegelt sich in der üblichen „Behandlung“ eines entzündeten Appendix wider: Noch immer gilt die rasche operative Entfernung des kranken Organs als Therapie der Wahl. Denn den Patienten fehlt anschließend nichts, meinen auch die Forscher der Duke University. Deshalb sehen sie auch keinen Grund dafür, von den Therapieempfehlungen bei einem entzündeten Wurmfortsatz abzurücken – immerhin setzte der Patient andernfalls sein Leben aufs Spiel.