Wer der Meinung ist, gegen Tetanus, Kinderlähmung, Diphtherie oder Masern müsse man nicht mehr impfen, sitzt einem fatalen Trugschluss auf. Zwar treten viele Erkrankungen hierzulande kaum noch oder gar nicht mehr auf – aber nur deshalb, weil die Menschen über Jahrzehnte konsequent geimpft worden sind. Dass die
immer weiter fortschreitende Impfmüdigkeit in der Bevölkerung Konsequenzen haben kann, zeigt nicht zuletzt die
Masernepidemie, die kürzlich in Nordrhein-Westfalen grassierte – obwohl es seit fast 40 Jahren eine sichere Impfung gegen Masern gibt (in den neuen Ländern seit 1967, den alten seit 1973).
Impfungen gehören zu den wichtigsten und wirksamsten präventiven Maßnahmen der modernen Medizin. Viele Impfgegner meinen jedoch, nur wer eine Erkrankung „natürlich“ durchmache, dessen Immunsystem werde gestärkt. Andere Impfkritiker wiederum fürchten Nebenwirkungen der Impfungen oder Komplikationen. Dabei steht fest:
Fast immer liegt die Häufigkeit von Komplikationen aufgrund der Impfung deutlich niedriger als die Häufigkeit der Komplikationen im Krankheitsverlauf von Ungeimpften. Beispiel Masern: Hier geht die Krankheit bei einem von 1000 bis 2000 Kindern mit einer schweren Hirnhautentzündung einher – in 20 bis 30 Prozent dieser Fälle verläuft sie tödlich und bei einem großen Prozentsatz bleiben Dauerschäden zurück. Nach der Impfung dagegen sind die Rate und vor allem der Schweregrad von Komplikationen verschwindend gering – bei weniger als einer von 1 Million Masernimpfungen kommt es beim Impfling zu einer Hirnhautentzündung.
Bei einigen schweren Infektionskrankheiten gibt es nicht einmal Behandlungsmöglichkeiten gegen den Erreger oder sie sind nur sehr begrenzt, zum Beispiel bei Tetanus, Diphtherie und Kinderlähmung (Poliomyelistis).
Die Ausrottung mancher Erkrankungen ist – nahezu – erreicht, besonders in Europa sowie in Nordamerika. Zum Beispiel trat in Deutschland nach den letzten Fällen von Poliomyelitis im Jahre 1963 nur noch 1992 ein einzelner Fall auf. Hierbei handelte es sich um eine aus dem Ausland eingeschleppte Erkrankung – aber genau das ist ein wachsendes Problem. Die
zunehmende weltweite Mobilität sorgt dafür, dass nicht nur Menschen, sondern auch Krankheitserreger auf Reisen gehen. Kinderlähmung ist in einigen Ländern – vor allem in Afrika – noch immer eine Gefahr. Es ist also möglich, dass Erreger, die hierzulande nicht mehr vorkommen, den Weg nach Deutschland finden. Und deshalb sollte man
auch weiterhin auf guten Impfschutz achten.
Letztlich ist Impfen auch nicht nur eine Frage des eigenen Schutzes, sondern auch des
Schutzes anderer Menschen. Kranke und körperlich schwache Menschen sind anfälliger gegenüber Krankheitserregern. Jede weitere Erkrankung könnte ihren Gesundheitszustand weiter verschlechtern – wer sich selbst impfen lässt, trägt auch dazu bei, diese Menschen vor Ansteckung zu schützen. Beispiel Röteln: Gefährlich sind Röteln bekanntlich insbesondere für ungeborene Kinder – sie können davon Fehlbildungen am Herz und den Blutgefäßen davontragen. Der beste Schutz besteht, wenn nicht nur Mädchen vor der Geschlechtsreife, sondern alle in der Bevölkerung geimpft worden sind, also auch alle Jungen. Dann können sich werdende Mütter, die ungeimpft blieben oder bei denen die Impfung nicht anschlug, auch nirgendwo anstecken.