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29. September 2005

In Zukunft Heilungschancen?

 
Nicht auf Hormonersatz verzichten - mehr Lebensfreude dank neuer Medikamente
Die Heilungschancen sind bei Schilddrüsenkrebs schon heute sehr gut. Dies gilt allerdings nur für die Form der differenzierten Karzinome, bei denen neben der Operation die sehr erfolgreiche Radiojodtherapie zur Verfügung steht.

Problematisch sind hingegen die medullären und undifferenzierten Formen. Sie speichern kein Jod - daher kommt eine Radiojodtherapie in diesen Fällen nicht infrage. Als Alternative bietet sich die Strahlen- und Chemotherapie an, doch diese Therapieformen sind bislang nicht sehr effektiv. Daher richtet sich der Schwerpunkt der aktuellen Forschung auf neue Behandlungsoptionen für diese Formen des Schilddrüsenkrebses.

Altes Medikament eröffnet neue Chancen?

Anlass zur Hoffnung weckt ausgerechnet ein Wirkstoff, der in der Vergangenheit vor allem für Negativschlagzeilen gesorgt hat: Thalidomid, besser bekannt unter seinem Handelsnamen Contergan. Das Schlafmittel wurde Beginn der 1960er-Jahre vom Markt genommen, weil es bei Feten im Mutterleib schwere Missbildungen hervorrief.

Heute könnte sich der Wirkstoff als große Errungenschaft in der Behandlung von Krebserkrankungen erweisen. Er hemmt die Neubildung von Blutgefäßen (Angiogenese) und damit das Wachstum der Krebszellen. Thalidomid gilt bereits als eines der wirksamsten Mittel zur Bekämpfung des Multiplen Myeloms, einer bösartigen Erkrankung, bei der viele einzelne (multiple) Tumore im Knochenmark auftreten. Studien zeigten selbst für Patienten, bei denen andere Therapien versagt haben, positive Ergebnisse. Auch bei der Bekämpfung des Schilddrüsenkarzinoms haben Studien viel versprechende Ergebnisse für Thalidomid gezeigt: Die Tumorgröße konnte dank des Wirkstoffs erheblich reduziert werden.

Mehr Lebensqualität bei der Nachsorge

In der Nachsorge profitieren Patienten mit differenziertem Schilddrüsenkrebs schon heute von der Arzneimittelforschung. Nach einer erfolgreichen Behandlung des Krebses sind regelmäßige Kontrollen notwendig, um einen Rückfall auszuschließen. Diese Kontrolluntersuchungen lassen sich nur durchführen, wenn ein bestimmtes Hormon, Thyreotropin (TSH), in ausreichender Menge im Blut vorhanden ist. Durch die Einnahme von Schilddrüsenhormonen wird die Produktion von TSH gedrosselt. Daher mussten Patienten, die nach der Entfernung ihrer Schilddrüse auf die Einnahme von Hormonersatz angewiesen sind, diese vor der Kontrolluntersuchung wochenlang absetzen - mit einschneidenden Folgen für ihre Lebensqualität.

Die Probleme waren zwar vorübergehend, aber gravierend: Es kam zu Gewichtszunahme, Verstopfung, Konzentrations- und Schlafstörungen, Depressionen und einem erheblichen Leistungsabfall. Außerdem ging mit dem Verzicht auf den Hormonersatz bei bestehenden Herz-Kreislauf-Erkrankungen ein erhöhtes Infarktrisiko sowie bei Diabetikern die Gefahr der Entgleisung des Zuckerstoffwechsels einher.

Diese Folgen bleiben Patienten heute durch die Einnahme eines gentechnisch hergestellten TSH erspart, da durch dieses Medikament im Vorfeld der Kontrolluntersuchungen kein Verzicht auf den Hormonersatz mehr notwendig ist.
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