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29. September 2005

Radioaktives Jod: Risiko und Therapie in einem

 
Radiaktive Strahlung: Risiko und Therapie
Die Mutter des britischen Premierministers Tony Blair starb an Schilddrüsenkrebs. Dass man sich auch heute noch dafür interessiert, liegt daran, dass die Gesundheit von Tony Blairs permanent unter öffentlicher Beobachtung steht. Zeigt der starke Mann in Downing Street 10 etwa Schwäche? Spekulationen über eine mögliche Krankheit weist der britische Premier in der Regel strikt von sich. Umso munterer wuchern die Gerüchte.

Auch der britische Toxikologe Dick van Steenis sorgt sich öffentlich um Blairs Gesundheit. Er sieht die Erkrankung der Mutter als Folge des radioaktiven Niederschlags an, dem die Blairs angeblich in Australien, wo sie einst lebten, ausgesetzt waren - und befürchtet ein erhöhtes Risiko auch für den Sohn.

Blair wohnte als Dreijähriger mit seinen Eltern in Adelaide, der Hauptstadt des Bundesstaates South Australia. In der 600 Kilometer entfernten Maralinga-Wüste unternahmen die Briten Atomwaffenversuche. Wie das australische Magazin „The Bulletin“ berichtet, kam es 1956 bei einem dieser Versuche zu einer unerwarteten Änderung der Windrichtung, die eine radioaktive Wolke über Adelaide trieb. Eine Sprecherin von Tony Blair wies dennoch das angebliche Krankheitsrisiko des Premiers als absurd zurück.

Ganz und gar abwegig sind die Gerüchte jedoch nicht, denn radioaktive Strahlung wird als Risiko für die Entstehung von Schilddrüsenkrebs angesehen. So geht ein aktueller Bericht der Weltgesundheitsorganisation (WHO) davon aus, dass 4.000 Fälle von Schilddrüsenkrebs bei jungen Menschen in den betroffenen Regionen der Ukraine und der umliegenden Länder auf die Tschernobylkatastrophe im Jahre 1986 zurückzuführen sind. Die Folgen dieses Atomunfalls sind nicht zu verharmlosen, doch im selben Bericht wird für die Schilddrüsenkrebspatienten eine Heilungsquote von 99 Prozent beschrieben, eine positive Überraschung.

Ironie des Schicksals: Verursacher dient gleichzeitig als Therapie

Die effektivste Therapie für Schilddrüsenkrebspatienten - möglicherweise Opfer von radioaktiver Strahlung - besteht neben der Operation in radioaktiver Strahlung, und zwar in Form der Radiojodtherapie. Als ihr Erfinder gilt Joseph Hamilton (1908-1957). Seine Erkenntnisse über die therapeutische Wirkung von Radiojod gewann er im Rahmen des so genannten Manhatten-Projekts, bei dem während des Zweiten Weltkriegs die Atombombe entwickelt wurde. Im Jahre 1942 behandelte er erste Patienten mit dem radioaktiven Jodisotop I-131. Bis heute ist die Radiojodtherapie unverzichtbar bei Schilddrüsenkrebs.
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