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10. Juli 2008

Verbesserungen in Früherkennung, Diagnose und Therapie

 
© medicalpicture
Prostatakrebs ist heilbar – so lange er früh genug erkannt wird. Zur Zeit zählt in Deutschland jedoch nur die Abtastung der Prostatarückseite mit dem Finger zu den Vorsorgeuntersuchungen, die von den gesetzlichen Kassen übernommen werden. Wird dieses Verfahren von einem erfahrenen Arzt durchgeführt, können damit größere Tumoren erkannt werden. Kleinere oder ungünstig gelegene Wucherungen werden jedoch häufig übersehen. Mit Hilfe der Bestimmung des prostataspezifischen Antigens (PSA) wäre es jedoch möglich den Krebs schon sieben bis zehn Jahre früher nachzuweisen und so die Heilungschancen deutlich zu erhöhen.

PSA-Test in der Vorsorge: Ja oder nein?
Problematisch ist hierbei jedoch, dass dieses von der Prostata ins Blut abgegebene Eiweiß nicht nur bei Krebs vermehrt gebildet wird, sondern auch bei der viel häufigeren gutartigen Vergrößerung des Organs oder einer Prostataentzündung. Würde der PSA-Test als Regelvorsorgeuntersuchung eingesetzt, gäbe es somit oft auch falsch-positive Ergebnisse, die die Patienten nur beunruhigen würden. Darüber hinaus würden häufig auch Tumoren erkannt, die so langsam wachsen, dass sie nie behandelt werden müssten. Um festzustellen, ob der Nutzen eines routinemäßigen PSA-Tests in der Früherkennung diese Risiken dennoch überwiegt, werden zur Zeit zwei große europaweite Studien mit jeweils mehr als 74.000 Teilnehmern durchgeführt. Nach ersten Ergebnissen, die im März 2009 vorgestellt wurden, könnte durch das PSA-Screening die Häufigkeit der Todesfälle bei Prostatakrebs um 20 Prozent gesenkt werden.

Eiweiße im Urin als Krebsmarker
Die zur Entnahme einer Gewebeprobe verwendeten Hohlnadeln können nicht alle Areale der Prostata erreichen. Daher ist es auch bei mehreren Versuchen nicht immer möglich, einen Tumor nachzuweisen. Eine neue Methode, bei der die im Urin enthaltenen Eiweißstoffe analysiert werden, könnte hier vielleicht eine wertvolle Ergänzung bilden. Zeigen sich nämlich bestimmte Abweichungen im typischen Eiweiß-Muster, kann das ebenfalls auf Prostatakrebs hinweisen. Das Verfahren, das mindestens ebenso gute Resultate liefert wie die herkömmlichen Gewebeproben, ist jedoch noch nicht etabliert und wird daher von den Krankenkassen nicht erstattet. Gleiches gilt für den Test auf PCA3, ein Molekül, das in Prostatakrebszellen in sehr viel höherer Menge vorliegt als in den gesunden Zellen des Organs. PCA3 ist ebenfalls einfach im Urin nachweisbar und könnte so die Früherkennung der Erkrankung erleichtern.

Auch in der Therapie der Erkrankung werden immer weitere Fortschritte gemacht. So muss die Prostata bei einer Operation heute nicht mehr durch große Schnitte im Unterbauch oder im Damm entfernt werden. Bei der „minimal-invasiven“ Methode der Bauchspiegelung, die in mehreren deutschen Zentren angeboten wird, reichen einige kleine Schnitte aus, durch die der Chirurg die Instrumente einführt. Vorteile sind ein geringerer Blutverlust und kleinere Narben. Für dieses Verfahren setzen hierzulande einige Krankenhäuser einen Roboter ein, der vom Arzt ferngesteuert wird. Diese Methode ermöglicht neben einer besseren Sicht auch eine höhere Beweglichkeit der Instrumente. Da der Roboter das natürliche Zittern der Hände ausgleicht, kann zudem präziser gearbeitet werden.

Den Tumor kochen oder vereisen
Neben der Entfernung der Prostata und der Strahlentherapie gibt es mittlerweile zwei weitere Verfahren, bei denen das gesamte Organ erhitzt oder vereist wird. Hierdurch werden neben den gesunden Zellen auch die Krebszellen abgetötet. Beim hochintensiven fokussierten Ultraschall wird die Drüse vom Enddarm aus mit gerichteten Ultraschallwellen erhitzt. Dies erfordert nur eine einzige Behandlung und einen Krankenhausaufenthalt von 3-5 Tagen. Bei der Kryotherapie werden hingegen Vereisungsnadeln in die Prostata eingeführt, die mit flüssigem Stickstoff auf -196° C gekühlt werden. Beide Methoden eignen sich vor allem für Patienten, mit einer kleineren Prostata, die nur eingeschränkt operabel ist. Im Gegensatz zu einer Strahlentherapie, gegen die Krebszellen resistent werden können, sind diese beiden Verfahren wiederholt mit dem gleichen Erfolg durchführbar.

Immuntherapie mit ersten Erfolgen
Völlig neu ist ein weiterer Ansatz, der vor allem bei Patienten erprobt wird, bei denen der Tumor nicht auf eine Hormontherapie anspricht und die daher nur schwer behandelbar sind. Hierbei „impft“ man die Patienten mit Zellen, die mit einem für die Krebszellen typischen Eiweißmolekül beladen sind. Kommen bestimmte Zellen der Körperabwehr mit diesen Zellen in Kontakt, werden sie aktiviert und greifen nun die Krebszellen an. Im Rahmen erster Studien konnte so die Erkrankung zurückgedrängt und das Überleben der Patienten verlängert werden. In Deutschland ist diese Methode zurzeit noch nicht zugelassen.
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