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10. Juli 2008

„Eine seltene Krankheit“

 
© dpa
Der erste bekannte Patient mit einem Tumor der Prostata war ein Fürst des Reitervolks der Skythen, der um 700 vor Christus in Sibirien lebte. Bei der Untersuchung seines Skeletts fielen einem Team der Universität Göttingen typische Knochenveränderungen auf, die nur von einem metastasierten Prostatakrebs stammen konnten.

Forschern aus der ersten Hälfte des 19. Jahrhundert hätten diese Diagnose sicher nicht stellen können, denn bis dahin wusste man von dieser Erkrankung noch gar nichts. Sie wurde erst 1853 erstmals beschrieben und galt damals als seltene Krankheit – kein Wunder angesichts der viel geringeren Lebenserwartung und der schlechten Diagnosemöglichkeiten. Die erste Operation bei einem Krebspatienten führte 1889 Vincenz Czerny in Heidelberg durch. Während er zur radikalen Entfernung der Prostata einen Dammschnitt vornahm, wählte Fuller 1898 den Zugang über den Unterbauch, die zweite der heute etablierten Methoden.

Die Strahlentherapie der Erkrankung begann im frühen 20. Jahrhundert mit dem Ein-setzen von radioaktiven Radium-Implantaten in die Prostata. Die Bestrahlung von außen folgte dann in den 50er-Jahren. Der Gedanke der Behandlung mit radioaktiven Implantaten wurde 1983 erneut aufgegriffen und zur heutigen ausgereiften Form geführt.

Nobelpreis für die „chemische Kastration“
Auch die Idee, das Tumorwachstum durch Entzug von Testosteron, also eine Kastration zu bremsen, ist schon relativ alt. Dies wurde 1890 erstmals versucht, wenn auch ohne allzu großen Erfolg. Erste Studien zur chemischen Kastration, d. h. die Testos-teronwirkung durch Hormone zu hemmen, wurden in den 40er-Jahren des vorigen Jahrhunderts durchgeführt. Charles Higgins, der diese Möglichkeit mit weiblichen Geschlechtshormonen („Östrogene“) erforschte, erhielt hierfür 1966 den Nobelpreis. Zwar werden Östrogene aufgrund ihrer Nebenwirkungen heute nicht mehr eingesetzt, an ihre Stelle sind jedoch andere, verträglichere Hormone getreten.

Überleben dank Krebsvorsorge
Eine seltene Erkrankung ist Prostatakrebs heute beileibe nicht mehr. Gestiegene Le-benserwartung und bessere Diagnosemöglichkeiten haben dazu geführt, dass er heute die häufigste bekannte Tumorerkrankung bei Männern ist – und auch Prominente nicht verschont. Der damals 60-jährige Hollywood-Star Robert de Niro gilt nach seiner Prostatakrebs-Operation 2003 heute als geheilt. Noch zehn Jahre zuvor starb sein Vater an der gleichen Erkrankung. Dadurch alarmiert, unterzog sich de Niro regelmäßig Krebs-Vorsorgeuntersuchungen – was ihm wahrscheinlich Schlimmeres ersparte. Wie der Schauspieler haben auch andere prominente Männer die Erkrankung dank einer frühen Diagnose überlebt, so der ehemalige amerikanische Außenminister Colin Powell oder der Nobelpreisträger und frühere Staatpräsident von Südafrika Nelson Mandela. Weniger Glück hatte der Rockmusiker Frank Zappa, der dem Leiden 1993 erlag. Er wurde nur 53 Jahre alt, ein eher seltener Fall bei dieser Erkrankung, die meist deutlich ältere Männer betrifft.
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